18.12.2020 - 20:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Vorlesen: Kinder- und Jugendbuchtipps

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Weihnachtsferien und viele Feiertage stehen an. Damit es den Kindern und Jugendlichen nicht langweilig wird, haben wir Tipps für die schönsten Bücher zum Vorlesen und Selberlesen gesammelt.

Was soll ich vorlesen? Was mag ich selber lesen? Wir haben Tipps für Kinder- und Jugendbücher gesammelt.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Wassilis Wunschzettel-Wunder"

Redakteurin Michaela Lowack empfiehlt "Wassilis Wunschzettel-Wunder" von Julia Boehme und Stefanie Dahle.

Wassili, ein kleiner Waschbär, wünscht sich zu Weihnachten ein Grammophon. Bereits im Frühling schreibt er seinen ersten Wunschzettel, dem im Sommer und Herbst weitere folgen. Doch als es endlich Zeit für die Bescherung ist, passiert nichts. Wassili vermutet, sein Geschenk könnte vom Schlitten gepurzelt sein und macht sich im Winterwald auf die Suche, wo er einige Abenteuer erlebt. Nicht nur die Geschichte sorgt für leuchtende Kinderaugen, sondern auch die liebevollen Illustrationen mit vielen Details erwärmen das Herz. Der Waschbär wohnt in einem Baumhaus, in das jedes Kind sofort einziehen möchte. Es gibt ein Hochbett und ein blaugestreiftes Sofa. Eine besondere Überraschung sind Wassils Briefe an den Weihnachtsmann, denn die sind samt Umschlag im Buch eingeklebt, lassen sich auseinander falten und lesen. Ein eigenes Grammophon bekommt der kleine Waschbär zwar nicht, doch dafür etwas viel Wertvolleres: nämlich mit dem Dachs Sibelius einen Freund fürs Leben.

Erschienen im Arena-Verlag, Text: Julia Boehme, Illustration: Stefanie Dahle. Ein Tipp von Redakteurin Michaela Lowak.

"Gustav Bär erzählt Geschichten"

Redakteur Markus Müller empfiehlt "Gustav Bär erzählt Geschichten".

Eigentlich verrät schon der Name von Gustav Bär alles: Er ist ein Langschläfer, Dauerschläfer und Winterschläfer, ein ausgewachsener Bär, der es gern ruhig hat und alleine in einem gemütlichen Bärenhaus im Wald wohnt. Doch mit der der Ruhe ist es vorbei, als sich eines Tages drei kleine Wanderbären ungefragt bei ihm einquartieren. Cilli, Bim und Mocke werden seine Freunde und er ihr Mutter- und Vaterersatz. Die drei bringen Gustavs ganzes geordnetes Leben durcheinander. Er muss eingreifen, wenn sie sich streiten (und das tun sie ausgiebig), ihnen erklären, was ein Bär so alles zu tun und zu lassen hat, und sie trösten, wenn sie Angst haben. Aber am meisten freuen die Kleinen sich darauf, dass er ihnen jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, aus der Zeit, als er selbst ein kleiner Bär war und lernen musste, sich in der großen Welt zurechtzufinden. Zum Schluss gehen sie alle vier miteinander auf Wanderschaft, erleben Abenteuer – und Gustav Bär findet sogar eine Freundin.

Meine Zwillinge sind jetzt fast 14 Jahre alt, aber immer noch erzählen sie mir begeistert, wie schön das war, als ich ihnen früher zum Schlafengehen aus dem Buch vorgelesen habe. Am besten gefiel ihnen, wie Gustav den Wanderbären das Dichten beibringt und die sich hinterher in Reimform „dissen“ (wie man heute sagen würde – 1980, als die ersten der aufgeschriebenen Geschichten entstanden, kannte man das Wort noch nicht). Das musste ich oft mehrmals hintereinander vorlesen.

Das Buch ist für Kinder ab vier Jahren empfohlen. Es macht aber auch dem Vorleser Spaß. Eine Rezensentin hat geschrieben: „Gustav lernt in diesem Buch nämlich auch, wie es ist, Kinder zu haben, und dass die Mutter für diese Kinder nicht in allem die Beste sein muss, sondern hauptsächlich eine liebevolle Mutter.“

„Gustav Bär erzählt Geschichten“ von Thilde Michels und Helga Spiess, Arena. Ein Tipp von Redakteur Markus Müller.

Von der realen Welt und einem Märchen

Buchhändlerin Hannelore Dorner empfiehlt "Die Welt bei uns zu Hause" und "Der Ickabog".

So bunt ist unser Land: Das Buch „Die Welt bei uns zu Hause“ von Susanne Orosz bringt uns die Welt der Menschen näher, die aus einem anderen Land zu uns gekommen sind. Die Geschichten spielen in Deutschland und erzählen unter anderem vom iranischen Glücksfest Sezdar Bedar, vom afghanischen Fastenbrechen oder von senegalesischen Trommelkünsten.

Alle 20 von jeweiligen „Länderprofis“ sorgfältig recherchierten Erzählungen zeigen, wie wertvoll und bereichernd die verschiedenen Kulturen für unser eigenes Leben sein können.

Ein zweiter Tipp: Um ein sagenumwobenes Ungeheuer, ein Königreich in großer Gefahr und zwei Kinder, die außergewöhnlichen Mut beweisen müssen, geht es in J. K. Rowlings „Der Ickabog“. In diesem ganz besonderen Märchen geht es um den Sieg von Hoffnung und Freundschaft gegen alle Widrigkeiten, erdacht von einer der besten Geschichtenerzählerinnen der Welt, J.K. Rowling. Wer mutig ist, kann diese Seiten aufschlagen, in die Geschichte eintreten und es selbst herausfinden ...

Susanne Orosz: „Die Welt bei uns zu Hause“, Oetinger. J. K. Rowling: „Der Ickabog“, Carlsen. Zwei Tipps Hannelore Dorner, Buchhändlerin in Sulzbach-Rosenberg.

Abenteuer-Geschichten von Mark Twain

Redakteur Wolfgang Benkhardt empfiehlt Geschichten von Mark Twain.

Vor rund 150 Jahren geschrieben und viel mehr als nur ein gutes Buch: „Tom Sawyers Abenteuer“. Ich habe es nie geschafft, mich von diesem 1876 veröffentlichten Werk zu trennen – genauso wenig wie vom Nachfolgeband „Huckleberry Finns Abenteuer“. Die beiden Erzählungen von Mark Twain haben immer wieder mein Leben gekreuzt. Sogar musikalisch durch die fetzigen Gitarrenhits von CCR, die von jener Zeit und jener Gegend am Mississippi erzählen. Der bekannteste Hit ist der über den Raddampfer „Proud Mary“. Und dann ist da natürlich noch die Rassismusdebatte, die das Buch vor einigen Jahren wieder in den Blickpunkt gerückt hat.

Was mich besonders fasziniert, sind spannend geschriebene Geschichten, in denen ein großer Kern Wahrheit steckt, in denen man viel über Land und Leute erfährt, die pointiert formuliert sind und die sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen. Zu viel für ein Jugendbuch? Mitnichten. Samuel Langhorne Clemens, der in Anlehnung an ein Mississippi-Fadenmaß unter dem Künstlernamen Mark Twain geschrieben hat, schafft diesen Spagat.

Tom Sawyer ist ein Lausbub, geht lieber zum Angeln und zum Schwimmen als in die Schule und heckt Streiche aus. Beim Vorhaben, auf dem Friedhof einen Warzenzauber auszuprobieren, beobachtet Tom Saywer mit Huckleberry Finn den Mord an Dr. Robinson. Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Tom Sawyer hat Angst um sein Leben, flüchtet, plant ein Leben als Pirat, sagt vor Gericht aus, wird zum Held … Die meisten Abenteuer sind laut Twain wirklich passiert, einige hat er selbst erlebt.

„Tom Sawyers Abenteuer“, „Huckleberry Finns Abenteuer“ von Mark Twain. Ein Tipp von Redakteur Wolfgang Benkhardt.

Ronja Räubertochter macht alles richtig

Redakteur Jürgen Herda empfiehlt "Ronja Räubertochter".

Wer eine Tochter (9 Jahre) namens Ronja hat, kommt an Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ (9 Jahre) nicht vorbei. Wobei: Der Buchtitel schien von Anfang an zu passend, um wahr zu sein. Weshalb die Geschichte aus dem schwedischen Mattiswald eher namensgebend für die Tochter war. Ein Buch als Vater des Gedankens sozusagen. Und keine Sorge, der fast 40-jährige Kinderbuchklassiker passt für alle Namen, Geschlechter und Zeiten. Denn Ronja Rövardotter (im Original) ist eine kindgerechte Anleitung zum Mut, selbstständig zu denken, zu widersprechen und eigene Wege zu gehen. Sogar, wenn man einen Räuber als Papa hat. Dabei verzichtet die tausendunderste Version des Shakespeare-Motivs „Romeo und Julia auf der Raubritterburg“ zum Glück auf betuliche Pädagogik und setzt stattdessen auf kindliche Anarchie, skandinavische Elfenfantasie und schwarzen Ritterhumor. Die Story im Zeitraffer: Ronja wächst in der einen Hälfte der Mattisburg auf, wo sie als Kind die Sitten der Räuber als völlig normal kennenlernt. Bis sie eines Tages Räuberhauptmannssohn Birk von der anderen Hälfte der Burg kennenlernt – ein No-go, zumal beide Familie verfeindet sind wie die Capulets und Montagues: „Scher dich zum Donnerdrummel“, schimpft Vater Mattis. Beide lehnen sich gegen das Verbot auf, beschließen abzuhauen und alleine im Wald mit Graugnomen, Wilddruden und Rumpelwichten zu leben. Anders als das literarische Vorbild aus Verona schafft es hier das junge Duo, die verfeindeten Sippen zu versöhnen, um zusammen den Landsknechten des Vogts Saures zu geben. Ein Happy-End, weil Ronja und Birk nicht in die Räuberfußstapfen ihrer Väter treten, sondern ihren eigenen Way of Life finden. Eine Anleitung zum Glücklichsein. Ein Tipp von Redakteur Jürgen Herda.

Von Seepferdchen und Schlossgespenstern

Buchhändlerin Maria Rupprecht empfiehlt "Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst" und "Seepferdchen sind ausverkauft".

Papa muss arbeiten. Er sitzt an seinem Schreibtisch daheim und braucht seine Ruhe. Aber Mika will mit Papa spielen. Um endlich Ruhe zu haben, erlaubt Papa Mika den Kauf eines kleinen Haustiers beim Zooladen um die Ecke. Mit einer Wüstenrennmaus kommt Mika zurück. Doch die ist bald in der Wohnung verschwunden. Was tun? Mika holt sich aus dem Zooladen einen Hund, der eine feine Spürnase hat. Aber der Hund ist nicht stubenrein. Also holt Mika einen Seehund, der im Bad aufpassen soll, dass der Hund richtig aufs Klo geht. Immer mehr Tiere bevölkern die Wohnung. Und Papa? Der ist so beschäftigt, dass er von alldem nichts mitkriegt. „Seepferdchen sind ausverkauft“ ist eines der lustigsten Bilderbücher in diesem Jahr, an dem Eltern und Kinder ihre wahre Freude haben – nicht nur in Homeoffice-Zeiten.

Und noch ein Tipp: Zippel ist ein kleines Schlossgespenst. Wo es lebt? Natürlich in einem Schloss, genauer gesagt in einem Türschloss einer Altbauwohnung. In dieser Wohnung lebt Paul mit seinen Eltern. Seit Paul Zippel im Türschloss entdeckt hat, erlebt er die lustigsten Dinge. Das kleine Schlossgespenst hat nämlich ständig Unsinn im Kopf. Aber dann soll das Türschloss ausgetauscht werden. Damit würde Zippel sein Zuhause verlieren – und Paul seinen neuen Freund. Also muss sich Paul was einfallen lassen. Ein humorvolles und warmherziges Kinderbuch, ideal zum Vorlesen ab 5 und zum Selberlesen ab 8 Jahren.

K. Gehrmann/C. Spengler: „Seepferdchen sind ausverkauft“, Moritz-Verlag.

Alex Rühle: „Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst“, dtv junior. Wunderbar illustriert von Axel Scheffler. Zwei Tipps von Maria Rupprecht, Buchhändlerin aus Vohenstrauß.

Langeweile? Wie wär's mit einem Podcast

Weiden in der Oberpfalz

„Die Maus, die hat Geburtstag heut“

Christine Sporrer empfiehlt "Die Maus, die hat Geburtstag heut“.

Bei uns in der Schmetterlingsgruppe des Kindergartens Michelfeld ist das Lieblingsbuch der Mädchen und Buben momentan „Die Maus, die hat Geburtstag heut“ von Paul Maar, der das Buch auch illustriert hat. Es ist in Reimform geschrieben. In der Geschichte versteckt sich immer wieder ein Tier, das nur in kleinen Stücken erkennbar ist, zum Beispiel schaut zunächst auf der einen Seite nur der Rüssel des Elefanten raus. Auf der nächsten Seite sieht man dann das ganze Tier und auch das Geschenk, das der Elefant zum Geburtstag der Maus mitbringt. Anschließend ist es beim Schwein genauso. Da sieht der Betrachter aber auch den Geschenketisch. Jetzt sind schon zwei Sachen drauf: das Geschenk vom Elefanten und das vom Schwein.

Die Kinder sind sowohl von den Tieren als auch von den Geschenken begeistert. Und sie werden in Versform zum Mitraten aufgefordert: „Die Maus, die hat Geburtstag heut, gleich kommt Besuch, der sie sehr freut. Welches Tier kommt denn hier und will der Maus was schenken? ... Der Elefant kommt angerannt und will der Maus was schenken. Nun schau gut hin, nun gib gut acht: Was hat der Elefant gebracht?“

Dann geht es wieder von vorne los – mit dem dicken Schwein, dem Vogel Strauß, der Weinberg-Schnecke, dem Pinguin und dem Känguru.

Auch wenn unsere Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren das Buch zum Teil schon auswendig können, finden sie es schön. Sehr schnell erkennen sie auch, wer was mitgebracht hat. Viel Spaß beim Lesen und Betrachten.

Paul Maar: „Die Maus, die hat Geburtstag heut“, Oetinger Verlag. Ein Tipp von Christine Sporrer aus Kirchenthumbach, Leiterin des Kindergartens St. Otto in Michelfeld (Kreis Amberg-Sulzbach).

Noch mehr Literatur-Tipps - für Erwachsene

Weiden in der Oberpfalz

"Gregs Tagebuch: Halt mal die Luft an"

Redakteurin Andrea Mußemann empfiehlt: "Gregs Tagebuch: Halt mal die Luft an".

Wenn Erstlesebücher zu öde und Harry Potter noch viel zu dick sind, ist „Gregs Tagebuch“ die Lösung. Die Welt des Jungen Greg Heffley ist die Eintrittskarte in das Universum der Kinder- und Jugendliteratur. Ein One-way-Ticket, denn Vorsicht: Wer mit dem Greg-Virus infiziert ist, kommt nicht mehr ohne den Anti-Helden aus. Die Sucht nach dem Alltag in der Heffley-Familie kann über 15 Bände lang befriedigt werden. Danach gibt es noch zwei Filme über Greg zu gucken, doch die Bücher sind natürlich viel besser. Der neueste Comic-Roman mit dem Titel „Halt doch mal die Luft an“ ist sogar brandneu, erst im November erschienen. Worum geht’s? Greg ist ein Junge, der gerne Comics zeichnet und sich ansonsten am liebsten „unter dem Radar“ aufhält. Er hasst es, sich zu engagieren oder anzustrengen, liebt Videospiele, Videospiele und Videospiele. Dumm nur, dass seine „Mom“ dauernd diese Erziehungsratgeber liest und handyfreie Zeit verordnet. „Dad“ verschwindet gerne mal im Keller. Zur Familie gehören noch der müffelnde, große Bruder Rodrick, der glaubt, dass er mit seiner Metal-Band groß rauskommen wird und der kleine Manni, der Greg gerne verpetzt. Sieht also nicht gut aus, für den Jungen aus der Middle-School, den Autor Jeff Kinney erfunden hat. Egal mit welchem Band aus der Tagebuchreihe man beginnt, man kann bei jedem einsteigen, es wird nie langweilig und es ist immer witzig.

„Gregs Tagbuch“ von Jeff Kinney, Baumhaus-Verlag. Ein Tipp von Redakteurin Andrea Mußemann.

"Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat"

Redakteurin Simone Baumgärtner empfiehlt "Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat".

Das Internet streikt. Eine grausige Vorstellung, bei der es die Viertklässler in der Vorlesepause sichtlich abschüttelt. Aber das gibt’s. In Marc-Uwe Klings (Känguru-Chroniken) Schenkelklopfer-Buch „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“ zum Beispiel. „Aus Versehen“, wegen zu viel „Klick, Klick“, versteht sich. Mitfühlend starren mich also 24 Schüler-Augenpaare an, weil es vorbei ist mit den Handy-Nachrichten für Bruder Max (10), mit der coolen Mucke für Luisa (14) oder der Angelsendung für Opa. Sogar Mama und Papa kommen früher heim, weil in Bank und Büro nichts mehr geht. „Wahrscheinlich müsste man das Internet mal aufschrauben“, schlägt Opa vor, der den fehlgeleiteten Pizzaboten einlässt: Seine Navi-App streikt. Ohne Internet ist eben alles nichts, keiner weiß was mit sich anzufangen, bis alles doch noch mega wird. Und das ganz ohne Internet. Eine coole Welt offline: Es gibt sie!

Marc-Uwe Kling: „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“, Carlsen. Ein Tipp von Redakteurin Simone Baumgärtner.

Noch mehr Tipps - für Musik

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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