Redakteure verraten ihre Buch-Tipps

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Die kalte Jahreszeit lässt viele Menschen die Abende auf der Couch verbringen. Was ist besser, als dabei ein gutes Buch zu lesen? Unsere Redakteurinnen und Redakteure verraten ihre Tipps.

Im Winter verbringen wir wieder mehr Zeit auf der Couch. Da wäre ein gutes Buch nicht schlecht. Redakteure und Redakteurinnen von Oberpfalz-Medien geben Tipps.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Alexandra Cedrino: „Die Galerie am Potsdamer Platz“

Michaela Lowak empfiehlt "Die Galerie am Potsdamer Platz" von Alexandra Cedrino.

Alexandra Cedrino entführt die Leser mit ihrem Debütroman ins Berlin der 1930er Jahre. Im Mittelpunkt steht Alice Waldmann, die sich ihren Platz nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft erkämpfen muss. Die Jahre zwischen den Weltkriegen scheinen unbeschwert zu sein. Alice tanzt, trinkt und raucht sich durchs Berliner Nachtleben. Doch ein Blick hinter die Kulissen offenbart die Probleme dieser Zeit, in der die schrecklichen Erlebnisse des Ersten Weltkriegs noch nicht verarbeitet sind und gleichzeitig mit dem Nationalsozialismus neues Unheil aufzieht. Auch wenn Alice manchmal recht unsympathisch rüberkommt, ist das Buch so geschrieben, dass man am Ball bleibt und wissen will, ob die junge Frau am Ende für die Liebe kämpft oder nicht.

Alexandra Cedrino: „Die Galerie am Potsdamer Platz“, HarperCollins. Ein Tipp von Michaela Lowak.

Neeli Cherkovski: „Das Leben des Charles Bukowski“

Stefan Voit empfiehlt "Das Leben des Charles Bukowski" von Neeli Cherkovski.

Ich hätte nie gedacht, dass ich Henry Chinaski (das literarische Alter Ego von Charles Bukowski) im Leben nochmals begegnen würde. Zu lange lagen die Treffen in den 70-er Jahren zurück. Zu viel war passiert. Irgendwann war die Luft raus. Und dann fiel mir das Buch „Ein Sixpack zum Frühstück: Über das Trinken“ in die Hände und die Magie war wieder da. Charles Bukowski hatte mich wieder erwischt. Texte über das Saufen: herrlich ehrlich und nah am Leben. Schonungslos, brutal, zärtlich. Und dann kam zum 100. Geburtstag diese Biografie dazu. Ein Leben im Suff könnte man meinen, aber da steckt viel mehr drin: Geburt in Deutschland, Misshandlungen durch den Vater, Karriere als Schriftsteller. Ein lesensewertes Leben!

Neeli Cherkovski: „Das Leben des Charles Bukowski“, Maro-Verlag. Ein Tipp von Stefan Voit.

Bradley Denron: „Jimmy Blackburn“

Manfred Hartung empfiehlt "Jimmy Blackburn" von Bradley Denron".

Es gibt seltene Fälle von sehr seltsamen Thrillern. Ein gewisser Bradley Denton hat es mit seinem bescheidenen Gesamtwerk zwar nicht in die oberste Spannungs-Liga geschafft, aber ihm ist 1993 mit „Jimmy Blackburn“ ein Kuriosum gelungen. Der Autor präsentiert einen Serienkiller, der 22 Menschen um die Ecke bringt. Und wie der geneigte Oberpfälzer dazu sagen würde: „Die Falsch’n hat er fei niat dawischt.“ Jimmy ist eine Art Mörder mit Moral: Gewalttätige Ehebrecher, korrupte Ordnungshüter, betrügerische Handwerker – sie alle stehen auf der Abschussliste. Der Tod des Verbrechers mit zarten 29 Jahren ist übrigens genauso abgedreht wie sein Leben.

Bradley Denron: „Jimmy Blackburn“, List. Ein Tipp von Manfred Hartung.

Bill Pryson: „Picknick mit Bären“

Heike Unger empfiehlt "Picknick mit Bären" von Bill Pryson.

Ist ja gerade ein bisschen schwierig mit den Fernreisen. Nicht nur wegen Corona. Auch die politische Lage in den USA macht das Land derzeit nicht zum Traumziel – trotz seiner wirklich großartigen Nationalparks. Ein guter Grund, stattdessen nochmal das „Picknick mit Bären“ aus dem Bücherregal zu nehmen: Bill Brysons aberwitzigen Erlebnisse auf dem berühmten amerikanischen Fernwanderweg Appalachian Trail sind auch nach mehrmaligem Lesen immer gut gegen Fernweh. Und für viele Lacher. Vor allem, wenn man die Leiden der beiden alten Männer aus eigenen Wander-Erfahrungen kennt. Die beiden kämpfen auf ihren Gewaltmarsch durch mehrere US-Bundesstaaten gegen ihre inneren Schweinehunde, kleiderschrankschwere Rucksäcke, wilde Tiere und die Midlife-Crisis. Das ist köstliches Kopfkino. Obwohl es inzwischen auch eine echte Leinwand-Version gibt. Die kommt, auch wenn Robert Redford die Hauptrolle spielt, aber nicht an die Buchvorlage heran. Und das liegt nicht nur daran, dass die beiden Wanderer im Film deutlich erkennbar mit leeren Rucksäcken durch die Gegend schnaufen.

Bill Pryson: „Picknick mit Bären“, Goldmann. Ein Tipp von Heike Unger.

Francesca Melandri: „Alle, außer mir“

Friedrich Peterhans empfiehlt "Alle, außer mir" von Francesca Melandri.

Mittvierzigerin Ilaria hat ihr Leben einigermaßen im Griff: Eigentumswohnung in Rom, ordentliches Einkommen als Lehrerin, ordentliches Verhältnis zu den geschiedenen Eltern und den Geschwistern. Der heimliche Liebhaber ist ebenfalls ganz ordentlich, auch wenn es zu mehr Partnerschaft wegen unterschiedlicher Ansichten nicht reicht.

Als Ilaria eines Tages heimkommt, hockt vor der Tür ein Afrikaner und sagt, er sei ihr Neffe. Im Pass heißt der Mann genauso wie Ilarias Vater. Der hat in den 1930ern in Äthiopien eine Art Zweitfamilie in die Welt gesetzt. Dumm nur: Ilaria kann den alten Herrn nicht dazu fragen, weil er dement ist.

So beginnt ein Roman, dessen unsichtbare Kulisse Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer bilden. Francesca Melandri serviert das Ganze weder Mitleid heischend noch moralinsauer. Der Migrant auf dem Treppenabsatz entpuppt sich später nicht als das Unschuldslamm, das er vorgibt zu sein. Ilaria liebt ihren Vater weiterhin, auch wenn sie beim Eintauchen in die Familienvergangenheit auf Ungeheuerlichkeiten stößt. Ungeheuerlichkeiten, die zur italienischen Kolonialgeschichte gehören. Fast die Hälfte des Romans ist solchen Rückblenden gewidmet, in denen die materielle und sexuelle Ausbeutung Afrikas durch die Europäer teils drastisch, aber nie effektheischend beschrieben wird.

Dass der afrikanische Link ihres Landes gar nicht so weit weg ist, erfährt Ilaria nicht nur am Beispiel ihres Vaters. In Rom sind in diesem Jahr 2009 gerade Straßen gesperrt. Ein gewisser Muammar al-Gaddafi ist zu Besuch und fädelt mit Gastgeber Silvio Berlusconi Geschäfte und Bunga Bunga ein. Für diesen Berlusconi sitzt auch Ilarias Liebhaber im Parlament.

Meldandri breitet ein intelligent konstruiertes Panorama aus, das als Familiendrama und Geschichtsbuch gleichermaßen einen hochgereckten Daumen verdient.

Francesca Melandri: „Alle, außer mir“, btb. Ein Tipp von Friedrich Peterhans.

Berni Mayer: „Rosalie“

Ralph Gammanick empfiehlt "Rosalie" von Berni Mayer.

Wer „auf dem Dorf“ aufgewachsen ist, in einer Umgebung, die einem irgendwann zu klein wird, der weiß, wovon Berni Mayer schreibt. Aber keiner schreibt es halt so wunderschön, so witzig, so brutal ehrlich wie er, der 46-Jährige, der selbst aus Mallersdorf stammt. Mayer erzählt uns von Konstantin, der nach vielen Jahren in seine alte Heimat zurückkehrt, um den Vater zu beerdigen. Hier, in Praam an der Schwarzen Laber, durchlitt er eine beengende Provinzkindheit zwischen Schule, Kirche und Wirtshaus. Als Jugendlicher lernte er die zugezogene Rosalie kennen, eine Rebellin, seine erste Liebe. Mit ihr erlebte er ein Abenteuer, welches das ganze Dorf erschütterte.

Berni Mayer: „Rosalie“, Dumont. Ein Tipp von Ralph Gammanick.

François Schuiten und Benoît Peeters: „Brüsel“

Elisabeth Saller empfiehlt "Brüsel" von Francois Schuiten und Benoit Peeters.

Brüsel und Brüssel haben etwas gemeinsam: Die Fantasiestadt Brüsel ist im Umbruch wie es sein reales Vorbild am Ende des 19. Jahrhunderts war. Alte Häuer werden abgerissen, gesichtslose Hochhauskomplexe und Schnellstraßen entstehen. Der Florist Constantin Abeels soll mit Plastikpflanzen ein Hochhaus bestücken. Der Auftrag lässt sich nicht einfach ausführen – auch weil eine Frau den Fortschritt sabotiert. Der Comic besticht durch die Zeichnungen von François Schuiten: Der Belgier, selbst Architekt, verbindet Urbanes und futuristische Technik mit Jugendstil und dem Leben vor 120 Jahren.

François Schuiten, Benoît Peeters: „Brüsel“, Schreiber & Leser. Ein Tipp von Elisabeth Saller.

Lion Feuchtwanger: „Erfolg. Geschichte einer Provinz“

Wolfgang Würth empfiehlt "Erfolg. Geschichte einer Provinz" von Lion Feuchtwanger.

Keiner meint es ernst mit dem braunen Pöbel. Den Monarchisten, Industriellen und dem Bauernführer: Ihnen allen ist diese nationale Bewegung zuwider. Als Mittel gegen alles Moderne, gegen alles Rote und vor allem gegen Berlin und die Republik ist der Pöbel aber sehr willkommen.

Wer den Roman des gebürtigen Müncheners Lion Feuchtwanger liest, kann besser verstehen, wie es soweit kommen konnte, weshalb München einst die „Hauptstadt der Bewegung“ war.

Dabei spielt der Aufstieg der Nazis gar nicht die Hauptrolle in dem Roman, den Feuchtwanger in den Jahren 1927 bis 1930 schrieb. Er erzählt darin die Geschichte von Martin Krüger. Der Kunsthistoriker und Museumsdirektor hat in den 1920er Jahren den Zorn der so konservativen oberbayerischen Elite auf sich gezogen, weil er moderne, unanständige Bilder angeschafft und in den Museen Münchens ausgestellt hat.

Ein inszenierter Meineid-Prozess bringt Krüger nicht nur um seine Stellung, sondern ins Gefängnis. Seine Freundin Johanna Krain versucht mit Hilfe des Rechtsanwalts Dr. Siegbert Geyer Krügers Begnadigung zu erreichen.

Während der Autor diese Versuche schildert, zeichnet der Roman ein Bild der besseren oberbayerischen Gesellschaft zwischen den beiden Kriegen. Es ist kein schönes Bild, das Feuchtwanger so entstehen lässt. Unter andren Namen führt er historische Figuren ein. Politiker, Schriftsteller, Wirtschaftsgrößen. Ludwig Thoma kommt zum Beispiel als Dr. Lorenz Matthäi vor und dabei besonders schlecht weg.

Weitere Figuren, die sich im Buch wiederfinden, sind Bertolt Brecht, Ludwig Ganghofer, oder auch Karl Valentin als depressives Komik-Genie. Am Ende des Romans ist man als Leser nicht nur gut unterhalten. Man erhält vom Zeitzeugen Feuchtwanger vor Augen geführt, was wieso in den Jahren vor 1933 passiert ist.

Lion Feuchtwanger: „Erfolg. Geschichte einer Provinz“, Aufbau. Ein Tipp von Wolfgang Würth.

Christoph Bausenwein: „Beckenbauer“

Josef Maier empfiehlt "Beckenbauer" von Christoph Bausenwein.

„Wer kennt diesen Mann?“ Klar, ihn kennt jeder. Aber ist das wirklich so? Franz Beckenbauer ist Lichtgestalt und Schattenmann des deutschen Fußballs zugleich. Der smarte Bursche aus Giesing, der Fußball überheblich mit dem Außenrist spielte. Und der Mann, der Millionen für ein angebliches Ehrenamt nahm und unter dessen Ägide als WM-Botschafter Millionen verschwanden. Christoph Bausenwein hat in seinem Buch alles im Blick: Anekdoten aus Giesings Hinterhöfen, des „Kaisers“ Liebschaften, die Verflechtungen in der Fußballwelt. Bausenweins Sprache ist herrlich normal. Nach dem Lesen des Buchs weiß man mehr über den Mann, den jeder und doch keiner richtig kennt.

Christoph Bausenwein: „Beckenbauer“. Die Werkstatt. Ein Tipp von Josef Maier.

Wolfram Franke: „Mein Garten fürs Leben“

Gertraud Portner empfiehlt "Mein Garten fürs Leben" von Wolfram Franke.

Wenn ich nicht gerade Krimis lese, schmöckere ich gerne in Gartenbüchern. Derzeit der Favorit: „Mein Garten fürs Leben“. Wolfram Franke (Chefredakteur von „kraut & rüben“) beschreibt auf rund 300 Seiten die Entstehungsgeschichte seines Kreativ-Gartens auf einem ehemaligen Acker. Von den Erdarbeiten bis zum Kraterbeet und einer Konzertmuschel, vom Blattgemüse bis zur ersten Ramblerrosenblüte ist alles unterhaltsam und in kurzen Kapiteln beschrieben. Bilder, Tabellen und Pflanzenkunde inbegriffen. Der Journalist und Gärtner teilt mit den Lesern seinen Traum vom Badeteich und beschreibt, was im Naturgarten so alles kreucht und fleucht. Es ist ein Lesebuch für lange Winterabende und hilft dabei, den „grünen Daumen“ im nächsten Frühjahr wiederzufinden.

Wolfram Franke: „Mein Garten fürs Leben“, BLV. Ein Tipp von Gertraud Portner.

Steve McCurry: „Ein Leben für die Fotografie“

Christopher Dotzler empfiehlt "Ein Leben für die Fotografie" von Steve McCurry.

Querweltein – eine poetischere Beschreibung für die Reiselust und Umtriebigkeit des Fotografen Steve McCurry gibt es wohl kaum. Geschrieben steht es in dem Band „A Life in Pictures – Ein Leben für die Fotografie“. Die Wortneuschöpfung stammt von Bonnie McCurry, der Schwester des Fotografen, die mit Anekdoten und Geschichten durch den Bildband führt. Die Fotos selbst wirken anziehend und auf den Betrachter nicht selten wie ein Sog. Eine der berühmtesten Aufnahmen ist die der jungen Sharbat Gula, bekannt auch als die „afghanische Mona Lisa“. Die stechend grünen Augen des Mädchens haben Millionen in ihren Bann gezogen. Für gute Bilder watet Steve McCurry während des Monsuns acht Stunden durch brusthohes Wasser – den Gefahren durch Blutegel, Cholera und Malaria zum Trotz. Die Fotos aus Afghanistan, Indien und anderen Ecken der Welt haben eine Anziehungskraft, der es schwer ist, zu entfliehen. Mein Tipp: einfach blättern und staunen – gerne querbuchein.

Steve McCurry: „Ein Leben für die Fotografie“, Knesebeck. Ein Tipp von Christopher Dotzler.

Noch mehr Literaturtipps

Stephen King: „Sleeping Beauties“

Jürgen Herda empfiehlt "Sleeping Beauties" von Stephen King.

Es ist nicht Stephen Kings beste Horrorstory. Der 950-Seiten-Wälzer ist ein gemeinsames Statement von Vater Stephen und Sohn Owen zum US-Kulturkampf. Die „Sleeping Beauties“ sind die Lektüre zum dunklen Pandemie-Winter und zur möglichen Wiederwahl des „Lügenkönigs“ im Weißen Haus. Kings Variante einer Seuche ist dem Corona-Geschehen drei Jahre voraus. Betroffen sind nur Frauen, die sich, sobald sie einschlafen, in einen Kokon gehüllt in eine märchenhafte Parallelwelt ohne Männerfantasien und Gewaltorgien träumen. Fake-News, Brutalität und Paranoia bleiben der zurückgebliebenen Männerwelt vorbehalten. Mitten im Geschehen die zwiespältige Zauberin Eve Black als Schutzpatronin der Frauen und der vielschichtige Gefängnispsychiater Clint Norcross, der Schlimmeres verhindern will. Willkommen in Kings realer Horrorwelt.

Stephen King: „Sleeping Beauties“, Heyne-Verlag. Ein Tipp von Jürgen Herda.

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