18.11.2019 - 10:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Vortrag über Identitäre Bewegung: Rechtsextreme bereiten das Feld

Postkästen, Laternenpfähle, Geländer - alles übersät von Aufklebern der Identitären Bewegung. In Sulzbach-Rosenberg diskutierte der Verein Politik und Kunst über diese extrem rechte Gruppierung und ihre Aktivitäten in der Region.

So sieht das Symbol der Identitären Bewegung aus. Immer öfter ist das Zeichen auch im Raum Amberg-Sulzbach zu sehen.

So sehr sich die verschiedenen Strömungen der extremen Rechten auch in ihren politischen Aktivitäten unterscheiden, in der verschwörungsideologischen Vorstellung des drohenden "Großen Austausches" und dem "Volkstod" herrsche momentan Einigkeit. Darüber informierte Extremismus-Experte Jan Nowak bei einer Veranstaltung des Vereins für Politik und Kunst (Punk) und der Verdi-Jugend im Keller der Brauerei Fuchsbeck in Sulzbach-Rosenberg.

In antisemitischer Manier

Durch eine bewusste herbeigeführte Migration in Verbindung mit einem planmäßig forcierten Geburtenrückgang sollen die europäischen Völker und das deutsche Volk ausgelöscht werden - das ist der Kern der Ideologie, die die extremen Rechten verbreiten. Wer für diese Entwicklung verantwortlich ist und sie fördert, werde nicht immer klar benannt, erklärte Nowak. Allerdings schimmere bei diesen Aussagen in antisemitischer Manier durch, dass irgendwelche bösartige Strippenzieher im Hintergrund diesen "Großen Austausch" angeblich wollten und alles dafür in die Wege leiteten, erläuterte der Referent, der seit vielen Jahren die extrem rechte Szene in Ostbayern beobachtet.

Gewalt als Mittel

Zum Hintergrund dieser Ideologie gehöre, dass behauptet werde, den unterschiedlichen Rassen, stünden auch nur unterschiedliche Rechte zu. Ebenso sei jedes Individium verpflichtet, sich dem Staat und der Volksgemeinschaft nach der Vorstellung unterzuordnen, "das Individuum ist nichts, das Volk alles". Eine liberale Demokratie wie die der Bundesrepublik Deutschland werde abgelehnt und stattdessen der Erhalt oder die "Wiederherstellung der Reinheit der europäischen Rasse" gefordert. Um diese Ziele zu erreichen, seien Rechtsextreme bereit, auch Mittel der Gewalt und die Tötung von Andersdenken in Kauf zu nehmen.

Immer wieder sorgen rechte Umtriebe in der Region für Aufsehen

Amberg

Einer der Akteure ist die Identitäre Bewegung (IB), die 2012 in Frankreich gegründet wurde und seit 2016 in der Bundesrepublik aktiv ist. Von Anfang an habe sie betont, dass sie sich als "Neue Rechte" verstehe und sie nichts mit den historischen Nationalismus verbinde. Vergleiche man aber ihre politischen Ansichten, Vorstellungen und Personen, auf die sich die IB berufe, so unterscheide sie sich nicht grundsätzlich von anderen extremen rechten Organisationen. Als Beispiel dafür könne der Ableger dieser Organisation in Amberg angesehen werden, der 2019 verstärkt durch Straf- und Gewalttaten in Erscheinung getreten ist. Als Beispiel nannte Nowak einen Überfall auf die "Hutfabrik" in Amberg im September. Die "Hutfabrik" sei als Treffpunkt für alternative Kultur bekannt. Neben Fassaden normaler Läden seien auch die Geschäftsstellen der IG Metall und der SPD mit Aufklebern der ID verunglimpft worden. Einige führende Vertreter der Amberger Gruppe seien bereits beim "Freien Netzwerk Süd", der neonazistischen Partei "Der III. Weg" aktiv und hätten an verschiedenen Kundgebungen, wie dem Aufmarsch zum Volkstrauertag in Wunsiedel, teilgenommen.

Problem für Demokratie

In der Diskussion wurde kritisiert, dass immer bei einem Anschlag durch Rechtsradikale und Nazis von den Behörden zunächst behauptet werde, es handle sich um einen Einzeltäter. Damit werde verschwiegen, dass es bei der extremen Rechten um ein gesellschaftliches Problem handle, dem die Politik und die Zivilgesellschaft mit Entschiedenheit im Interesse des Erhaltes demokratischer Verhältnisse, entgegentreten werden sollte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.