22.08.2018 - 11:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Voten für den neuen Namen

Wie soll das Kind nur heißen? Mehr als 50 Vorschläge für die Benennung des Multifunktionsplatzes sind seit eineinhalb Wochen eingegangen. Jetzt läuft eine Online-Abstimmung.

Das Pflaster rund um die Bürgerskulptur bildet das Entrée zur Altstadt. Momentan hat der Platz nur einen recht spröden Namen: Multifunktionsplatz.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Redaktion hatte die Leser dazu aufgerufen, sich Gedanken zu machen, wie das Karree oben am Bahnhof, in dessen Mitte die Bürgerskulptur steht, einmal heißen soll. Etliche Diskussionsteilnehmer zeigten sich dabei pragmatisch: "Bürgerplatz" lautet der am häufigsten eingereichte Vorschlag.

Die Ideen-Liste ist lang - eine Auswahl der meistgenannten und sinnvollsten stellt das Onetz nun im Internet zur Abstimmung. Aufgelistet sind neben dem "Bürgerplatz" der "Platz der Vielfalt", "Platz der Begegnung", "Europaplatz", "Prechtlplatz" (nach dem im Juli verstorbenen Ex-Oberbürgermeister Franz Prechtl), "Mertzplatz" (nach dem in Amberg aufgewachsenen NS-Widerstandskämpfer Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim), "Friedrichsplatz" (nach dem Winterkönig Friedrich V.), "Marienplatz" (nach der in der Nähe befindlichen Marienbrücke) und "Statt-Graben-Platz" (Wortspiel, das den an dieser Stelle zugefüllten Stadtgraben aufgreift, an dessen Stelle es jetzt den Platz gibt).

Dazu kommen noch die Vorschläge "Amberger Warte" (nach dem Stadtviertel Auf der Wart), "Klaus-Peter-Beer-Platz" (Klaus-Peter Beer wurde 1995 in Amberg von Neonazis ermordet), "Kurt-Eisner-Platz" (nach dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten) und "Kugelplatz" (wegen der Bürgerskulptur). "Für mich ist neben der Namensgebung die Nutzung und Gestaltung mindestens genauso wichtig. Mit einem Namen verbindet man ja auch eine gewisse Erwartungshaltung", meldet sich Oberbürgermeister Michael Cerny zu Wort. "Auf einem Europaplatz würde ich zumindest europäische Flaggen oder Symbole erwarten. Für eine Namensgebung zu Ehren einer Persönlichkeit würde ich erwarten, dass der Platz entsprechend optisch ansprechend gestaltet ist." Stellt sich also die Frage, ob zuerst ein Name gesucht wird oder es besser wäre, zuerst über Nutzung und Gestaltung zu diskutieren - ein Thema für den Stadtrat, der die Aktion von Oberpfalz-Medien natürlich als Diskussionsgrundlage verwenden kann.

Die Abstimmung im Internet läuft seit Mittwoch. Bis Freitag, 14. September, 12 Uhr, kann jeder, der möchte, für seinen Favoriten stimmen. Ein ausführlicher Bericht über das Ergebnis folgt dann natürlich.

Hier geht's zum Voting

Hintergrund:

Platz der Vielfalt

Viele Zeitungs- und Onetzleser haben "Platz der Vielfalt" vorgeschlagen. Weil sich an der Entstehung der Bürgerskulptur rund 1300 Menschen aus Amberg und aller Welt mit individuellen Ideen beteiligt haben.

Platz der Begegnung

"Hier treffen sich die Leute: Schüler, Bahnreisende, Angestellte, die Mittagspause machen", schreibt ein Leser. Auf dem Platz herrsche wegen der Nähe zum Bahnhof und den Bushaltestellen ein ständiges Kommen und Gehen.

Europaplatz

Europa steht für Vielfalt und der europäische Gedanke ist derzeit in Gefahr. Deswegen plädieren einige Diskussionsteilnehmer, hier ein Zeichen zu setzen. Matthias Schöberl schreibt: Europa sei derzeit das wichtigste politische Projekt und werde oft verkannt.

Bürgerplatz

Eine pragmatische Lösung, die Bezug auf die Bürgerskulptur nimmt. "Bürgerplatz" schlagen die meisten als Name vor. Ein Platz von Bürgern für Bürger bei der Bürgerskulptur.

Prechtlplatz

Mehrere Einsender plädieren dafür, den namenlosen Platz nach dem im Juli verstorbenen Ex-Oberbürgermeister Franz Prechtl zu benennen. Prechtl leitet die Geschicke der Stadt von 1970 bis 1990.

Mertzplatz

Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim gilt als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und gehörte zum engsten Kreis um Claus Schenk Graf von Stauffenberg beim Attentat vom 20. Juli 1944. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Amberg.

Friedrichsplatz

Kurfürst Friedrich V. war der bedeutendste Herrscher aus Amberg. Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges nahm er die böhmische Königskrone an und stellte sich damit gegen Kaiser und Reich. Allerdings war er nur einen Winter lang König, daher sein Beiname Winterkönig.

Marienplatz

Der Name erinnert an die Marienbrücke, jenes Teils der Bahnhofstraße, der den Stadtgraben überspannt. Nachdem der Stadtgraben hier zugefüllt wurde, geriet auch die Brücke in Vergessenheit.

Statt-Graben-Platz

Ein Wortspiel, das an den Stadtgraben erinnert, der früher hier verlief. Bis der Bahnhof gebaut wurde, gab es hier keinen Zugang zur Altstadt. 1859 wurde hier die Stadtmauer durchbrochen.

Amberger Warte

Der Bereich im Inneren der Altstadt, der sich in unmittelbarer Nähe zum Multifunktionsplatz befindet, heißt "Auf der Warte". Der Name der Apotheke "Auf der Wart" erinnert noch daran.

Klaus-Peter-Beer-Platz

Klaus Peter Beer wurde im September 1995 von Neonazis geschlagen und schwer verletzt in die Vils geworfen. Dort ertrank er. Für ihn gibt es bis heute kein öffentliches Gedenken.

Kurt-Eisner-Platz

Kurt Eisner (1867 bis 1919) war der erste bayerische Ministerpräsident. Das Gedenkjahr 100 Jahre Freistaat ist ohne Erinnerung an ihn nicht möglich. Eisner war ein Vorkämpfer der Sozialdemokratie.

Kugelplatz

Der Name nimmt schlicht und einfach Bezug auf die Form der Bürgerskulptur. Einfach zu merken - in Sulzbach-Rosenberg gibt es allerdings auch schon einen Kugelplatz.

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