21.10.2019 - 19:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Wassermangel in der Vils und am Ammerbach

Im Sommer war der Wasserstand der Vils oft extrem niedrig. Peter Neubauer fand das so bedenklich, dass er an die Regierung der Oberpfalz schrieb. Seine Frage: Wo wird dieser Klimawandel hinführen? Mit der Antwort ist er nicht zufrieden.

Niedrigwasser an der Vils in Amberg im Hochsommer 2019.
von Markus Müller Kontakt Profil

Der Amberger Neubauer schätzt, dass der Vils-Pegel seit dem Jahrhundert-Sommer 2018 bereits um etwa 25 Zentimeter gesunken ist. Das liest er an den vielen Stellen ab, wo inzwischen ein nicht-bewachsener Uferbereich ständig sichtbar ist. Nach Neubauers Beobachtung setzt sich der Wasserverlust in den Seitenbächen der Vils fort, vor allem im Ammerbach. Der entspringt bei Ammerthal und fließt bei Trockenheit "nur noch als ein kleines Rinnsal bei der JVA Amberg in die Vils"; zeitweise komme dort auch überhaupt nichts mehr an. An einigen Stellen lägen "Wasserpflanzen, die jahrzehntelang unter Wasser lagen, jetzt offen da". Beim Fußballplatz in Unterammerthal sei der Bachlauf schon versiegt und zugeschüttet worden.

Von Regierungspräsident Axel Bartelt erhielt Neubauer ein Antwortschreiben, das darauf hinwies, mit der Veränderung des Weltklimas sei der "Klimawandel auch in der Oberpfalz bereits spürbar und messbar". Die in den vergangenen fünf Jahren "durchgehend zu beobachtende negative klimatische Wasserbilanz" habe in der ganzen Oberpfalz zu einer Reduzierung der Abflüsse aus Quellen geführt. "Dies führte schon letztes Jahr bei einer Reihe von kleineren Gewässern dazu, dass sie über mehrere Monate vollständig versiegten." Dem müsse man mit einem "Paket an vielen Einzelmaßnahmen" entgegenwirken. "Der Klimawandel ist ein globales Phänomen mit regionalen Konsequenzen, das jedoch nur zu einem sehr begrenzten Anteil vor Ort gelöst werden kann."

Auch 2018 sah die Vils in Amberg nach der langen Trockenheit nicht besser aus als 2019.

Ergänzend bat die AZ-Redaktion das Wasserwirtschaftsamt Weiden um Erläuterungen zu den von Neubauer beschriebenen Phänomenen aus fachlicher Sicht.

Behördenleiter Matthias Rosenmüller bestätigte die Angaben des Regierungspräsidenten und nannte zwei mögliche Ursachen für den "an der Vils festgestellten vegetationslosen Streifen": Zum einen würden Wasserkraftanlagen aus Gründen der Unterhaltung vorübergehend ganz oder teilweise abgesenkt. "Dadurch können derartige Zonen entstehen." Es komme aber auch ein anderes Phänomen in Betracht: Im ersten Halbjahr lägen die Wasserspiegel der Fließgewässer – gleiche Abflüsse vorausgesetzt – niedriger  als im Sommer und Herbst, da die Unterwasserflora noch nicht so entwickelt sei. "Dadurch erscheint in der Uferzone ein teilweise deutlich ausgeprägter kahler Streifen, der im Sommer verschwindet, weil durch üppiges Pflanzenwachstum im Flussbett der Wasserstand steigt."

Der Ammerbach vor einigen Jahren: noch gut gefüllt.
Und hier an derselben Stelle im Sommer 2019. Das Bachbett war noch zu erkennen, aber das Wasser war weg.
Wo der Ammerbach noch Wasser führt, ist vielfach alles von Pflanzen überwuchert.

Ähnliche Verhältnisse herrschten am Ammerbach: Die höher gelegenen Quellen (im Pfistertal) seien versiegt, da auch der Karstgrundwasserspiegel gesunken sei. Auch beim Sportgelände am Ortseingang vom Ammerthal sei das Gerinne trocken. "Erst die folgenden Quellen schütten wieder, wobei allerdings auf dem Weg bis zu Mündung Verluste durch Entnahmen, Verdunstung und Versickerung entstehen. Dies führt auch zu dem etwas kärglichen Erscheinungsbild des Baches in Amberg oder bei den Triebwerken  welche alle nicht mehr betrieben werden, allerdings auch nicht zurückgebaut sind."

Als besonders "dramatisch" stuft das Wasserwirtschaftsamt das Erscheinungsbild des Ammerbachs bei der ehemaligen Rammertshofer Mühle ein. Hier sei vor circa zwei Jahren durch die Stadt Amberg "ein ökologischer Ausbau vorgenommen und das Gewässer ins Taltiefste zurückgelegt" worden. Der Bach weise einige ausgeprägte Flachwasserzonen auf. "An diesen Stellen haben sich Wasserpflanzen derart ausgebreitet, dass der Bach stellenweise optisch nicht mehr wahrgenommen werden kann."

Das Ufer sei mit Bäumen und Gehölzen bepflanzt worden. "Leider hatten die Anpflanzungen auch unter der heißen Witterung gelitten, so dass sich die gewünschte Uferbeschattung noch nicht einstellt. Hier sind Nachpflanzungen geplant." 

Der Ammerbach in Höhe der Wingershofer Straße in Amberg: Im Sommer nur mehr ein ganz schwaches Bächlein. Gelegentlich fließt hier auch gar nichts mehr in die Vils.
Peter Neubauer beim ausgetrockneten Jesuitenbrünnerl auf dem Mariahilfberg.
Zwei Quellen trocknen aus:

Unabhängig von seinem Schreiben an die Regierung der Oberpfalz hat Peter Neubauer die AZ informiert, dass zwei Quellen am Amberger Mariahilfberg, das Kräuterbrünnerl und das Jesuitenbrünnerl, im Sommer ebenfalls völlig ausgetrocknet seien. "Vor etlichen Jahren war da noch eine Menge an Wasser da, was sich dann in den letzten Jahren nur noch als kleine Vogeltränke dargestellt hat. Jetzt ist alles weg. Die Quellen sind staubtrocken."

Das Kräuterbrünnerl hatte laut Neubauer "im 17. Jahrhundert so viel klares Wasser, dass der Durst der Pilger und sonstiger Wanderer gestillt werden konnte". Die Quelle sei nur 300 Meter Luftlinie vom Bergparkplatz entfernt. Das Jesuitenbrünnerl sei eine früher sehr wasserreiche Quelle in der Nähe der Wasserspeicher.

Abteilungsleiter Alois Fischer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden erklärte der AZ dazu, das Kräuterbrünnerl und das Jesuitenbrünnerl hätten in früheren Zeiten der lokalen Wasserversorgung für Teilbereiche von Amberg gedient, auch fürs Bierbrauen. "Die Nutzungszeit reicht hier weit ins Mittelalter zurück." Wegen der naturbedingten klimatischen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte sei es aber nicht verwunderlich, "dass gerade Quellen mit kleineren Grundwassereinzugsgebieten (wie hier) über lange Zeiträume hinweg aufgrund der unterschiedlichen Grundwasserneubildungsraten größere natürliche Schüttungsunterschiede aufweisen können". Konkrete Unterlagen zu diesen Quellen lägen dem Wasserwirtschaftsamt aber nicht vor.

Einige zusätzliche Informationen kann man aber einer „WasserWanderWeg-Karte“ der Stadtwerke Amberg entnehmen. Demnach stand auf dem Mariahilfberg früher eine Burg an der Stelle, wo sich heute die Wallfahrtskirche und das Kloster befinden. Und die Bewohner der Burg hätten aus dem Kräuterbrünnerl ihren täglichen Wasserbedarf decken können.

Das Jesuitenbrünnerl habe seinen Namen vom Umstand, dass im Jesuitenkolleg (Maltesergebäude) die Patres schon Ende des 17. Jahrhunderts Bier gebraut hätten. 1746 habe man sogar eine Holzwasserleitung vom Berg zum Kolleg gebaut. "Damals floss allerdings wesentlich mehr Wasser." Bis 1893 (in diesem Jahr wurde in Amberg die zentrale Wasserversorgungsanlage in Betrieb genommen) sei es zum Bierbrauen verwendet worden. Eine Restaurierung des Kräuter- und des Jesuitenbrünnerls erfolgte im Jahr 2003. (ll)

Die Infotafel erzählt von einstigen glorreichen Zeiten des Jesuitenbrünnerls.
Im Jahr 2004 floss noch Wasser aus dem Kräuterbrünnerl.
Im Juli 2019 ist es an derselben Stelle staubtrocken.
Kommentar:

Keine trockene Theorie

Häufig ist der Klimawandel ja eher was Theoretisches. Wo man mit Zahlen und Begriffen hantiert, die auf den ersten Blick nicht furchterregend sind. Zwei Grad Temperaturanstieg? Ja, und? Wird es halt wärmer. Und die Dürre in den beiden letzten Sommern? Hat es ja wohl irgendwie früher auch schon gegeben. Zu viel CO2-Ausstoß? Sollen doch die anderen zurückstecken, mir passt das jetzt nicht.
Warum sollte man seinen Lebensstil ändern, wenn es viel bequemer ist, den menschengemachten Klimawandel zu leugnen? Vielleicht weil jetzt schon Quellen versiegen und manche Bäche im Sommer kaum noch Wasser führen. Aber als Einzelner kann man daran nichts ändern, nicht einmal ein einzelner Staat, lautet ein beliebtes Gegenargument. Bloß wird bei dieser Denkweise nie irgendetwas besser. Und plötzlich versteht man die Vehemenz, mit der die Fridays-for-Future-Schüler für ihr Anliegen eintreten und lieber einen Verweis riskieren, als allem tatenlos zuzusehen. Denn es droht der Tag, an dem auch im Herbst die Quellen trocken sind. Und dann?

Markus Müller

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