22.08.2019 - 18:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Wasserversorgung Amberg: Ein ganzes Meer von Grundwasser

Es ist das kostbarste Lebensmittel und gleichzeitig das billigste: So ambivalent der Wert des Trinkwassers gesehen wird, so stringent achten die Stadtwerke darauf. Rund um die Uhr, draußen im Wasserwerk Engelsdorf.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Stadt Amberg verbraucht jeden Tag zwischen 8000 und 12.000 Kubikmeter Wasser - ungefähr so viel wie zehn gefüllte Schwimmerbecken des Hockermühlbades. Im Winter ähnlich viel wie im Sommer. Selbst wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, schnellt der Wasserbedarf nicht automatisch in die Höhe. "Wir hatten im Hitzesommer 2018 sogar einen relativ geringen Verbrauch", sagt Stadtwerke-Chef Stephan Prechtl. Das könne zum Beispiel daran liegen, dass die Grundstücksbesitzer ihren Rasen gar nicht mehr bewässern, wenn er erstmal ausgetrocknet ist. Oder dass die Leute in Hitzezeiten generell sensibler beim Thema Wassersparen sind. Letztendlich seien das aber nur Vermutungen.

Grund, auf Biegen und Brechen Wasser zu sparen, hätten die Amberger auch in extremen Sommern nicht, erklärt Prechtl. Amberg sei in der glücklichen Lage, Zugriff auf ein mächtiges Grundwasservorkommen in der Engelsdorf-Paulsdorfer Senke zu haben. "Die Grundwasser-Neubildung erfolgt hauptsächlich in den vegetationsarmen Herbst- und Wintermonaten", sagt Prechtl. Ihm ist trotz der jüngsten Trockenperioden nicht bang. Die Stadtwerke hätten dazu vor fünf Jahren ein Gutachten erstellen lassen. Es prognostiziere bis 2050 keine Gefahr für die Ergiebigkeit des Reservoirs. In anderen Regionen Deutschlands könne das natürlich ganz anders aussehen, schränkt er ein.

Rund 124 Liter Wasser verbraucht jeder Mensch in Deutschland täglich. Das waren schon mal mehr. Anfang der 1990er-Jahre lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 150 Liter. Prechtl stellt klar: "Mit dem Lebensmittel Trinkwasser muss immer sorgsam umgegangen werden." Zu viel Wassersparen könne aber sogar kontraproduktiv sein. Denn wenn weniger Wasser fließt, müsse der Netzbetreiber unter Umständen die Leitungen zusätzlich spülen. Prechtl: "Das kann dann insgesamt zu einem höheren Wasserverbrauch führen." Sparen sei vor allem bei warmem Wasser sinnvoll, denn im Erhitzen des Wassers stecke das größte klimawirksame Potenzial.

Die Sorge um das Trinkwasser - sie dreht sich nicht nur um die Verfügbarkeit, sondern auch um die Qualität. Nitrateinträge durch die Landwirtschaft sind schon lange ein Thema. Und ausgerechnet in der Engelsdorf-Paulsdorfer Senke - einem Wasserschutzgebiet - haben sich in den vergangenen Jahren mehrere größere landwirtschaftliche Betriebe angesiedelt. Die Stadtwerke setzen dabei auf einen engen Dialog mit den Bauern. Laut jüngster Trinkwasseranalyse liegt der Nitratwert im Wasser aus dem Werk Engelsdorf bei 11 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt bei 50. Dennoch wirbt Prechtl bei den Landwirten in der Nachbarschaft um Achtsamkeit.

Für Bauernhöfe und landwirtschaftliche Nutzflächen in Wasserschutzgebieten gelten strenge Regeln. So gibt es etwa spezielle Vorschriften für die Düngung und den Einsatz von Pflanzengiften. Bei Güllegruben zum Beispiel müssen Bodenplatten und -fugen auf Durchlässigkeit geprüft werden. Und auch beim Ausbringen der Gülle ist Vorsicht geboten. Die meisten Landwirte binden Nitrat auf den Feldern zum Beispiel in Zwischenfrüchten. Das heißt: Wenn die Ernte im Herbst vorbei ist, wird gedüngt und unmittelbar danach eine Pflanzenart angesät, die den Dünger über den Winter einlagert - Senf beispielsweise. Im Frühjahr grubbern die Landwirte die Zwischenfrucht in den Boden ein. "Das ist nicht nur ein guter Erosionsschutz, sondern verhindert auch die Auswaschung der Gülle", erklärt Milchviehhalter Michael Ströhl aus Kümmersbruck. "Wenn man sich umschaut, sieht man im Winter eigentlich keinen blanken Acker mehr", sagt Ströhl. Das kommt von den Zwischenfrüchten und dem vorausschauenden Umgang mit dem Dünger.

Info:

Engelsdorf-Paulsdorfer Senke

In der Engelsdorf-Paulsdorfer Senke betreiben die Stadtwerke sieben Tiefbrunnen, die Wasser aus einer Tiefe von bis zu 130 Metern nach oben befördern. Im Wasserwerk Engelsdorf wird das Brunnenwasser aufbereitet, gesammelt und weiter in die Amberger Ringleitung gepumpt. Die Engelsdorf-Paulsdorfer Senke gehört zur geologisch weitaus größeren Bodenwöhrer Senke, die eines der bedeutendsten Grundwasser-Vorkommen der Oberpfalz enthält. Diese geologische Einheit erstreckt sich von Südosten nach Nordwesten auf einer Länge von 55 und einer Breite von fünf Kilometern. Die Grundwasserleiter sind Sandsteine, die vor etwa 95 bis 85 Millionen Jahren abgelagert wurden.

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