11.03.2020 - 15:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Wegen Corona: Klimademo in Amberg abgesagt

"Es ist traurig, dass ein Virus für die Umwelt mehr tun könnte als der Mensch", so beurteilt Benedikt Lueger von der Amberger Fridays-for-Future-Gruppe die aktuelle Lage. Die für Freitag geplante Klima-Demo ist abgesagt.

Vergangenen Dienstag gab die Fridays-for-future-Organisation über das soziale Netzwerk Twitter bekannt, dass sämtliche Demonstrationen abgesagt werden.
von Sophia PesoldProfil

Am späten Nachmittag des vergangenen Dienstags gab die Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) via Twitter bekannt, dass sämtliche Demonstrationen aufgrund des akuten Ansteckungsrisikos durch das Coronavirus abgesagt werden müssen. Benedikt Lueger, Pressesprecher der Amberger FFF-Gruppe, führt diesen Umstand auf die Warnungen der Landesregierung und des Robert-Koch-Institutes zurück, die in den vergangenen Tagen die Gefahr von größeren Veranstaltungen betont hatten.

Das Gesundheitsamt Amberg habe zwar den geplante Protest-Termin am Freitag um 14 Uhr auf dem Malteserplatz genehmigt, doch man habe sich, so betont Lueger, aus Gründen des Schutzes vor möglichen Infektionen, gemeinsam mit anderen Ortsgruppen, gegen eine Demonstration entschieden. Diese Maßnahme sei ein "notwendiges Übel". Die Demo-Veranstalter wollen "auf die Wissenschaft hören", wenn es darum geht, das Coronavirus ernst zu nehmen und dabei zu helfen, die Infektionszahlen zu begrenzen.

In Regensburg hat FFF ebenfalls die große Demonstration abgesagt, stattdessen findet eine Mahnwache statt, in der das gesamte kommende Wochenende über kleinere Aktionen geplant sind. Dort bieten geringere Teilnehmerzahlen größeren Schutz vor einer Ansteckung. Lueger sagt, er halte diese Alternative für sinnvoll, vor allem, da die für Freitag geplanten Demonstrationen sich auf die Kommunalwahlen am Sonntag beziehen. Er könne jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, ob es auch in Amberg eine Mahnwache gibt. Anstelle der geplanten Demonstration findet in Amberg nun ein "digitaler Streik" statt. Teilnehmer können hier unter einem bestimmten Hashtag in den sozialen Medien Beiträge posten und so protestieren, ohne sich dem Ansteckungsrisiko auszusetzen.

Bestimmte Vorgaben für die Beiträge gäbe es nicht. "Viele Politiker und Parteimitglieder sind in den sozialen Netzwerken vertreten. Und wenn die Bewegung große Wellen schlägt, werden schließlich auch die Medien davon berichten", erklärt Lueger. Als Beispiel für die Einflussmöglichkeit durch soziale Netzwerke nennt Lueger einen Vorfall, bei dem FFF mit Hilfe von Twitter-Beiträgen den Konzern Siemens dazu brachte, die Eröffnung eines Braunkohlekraftwerkes zu überdenken. "Es ist ein anderes Konzept, erregt aber auch Aufmerksamkeit." Lueger sagt, er befürchte nicht, dass Straßendemonstrationen, auch nach überwinden der Corona-Phase, durch sozial-media-Kampagnen ersetzt werden könnten, denn "beides lief auch zuvor schon gut parallel".

2019 gab es eine Reihe von Klima-Demos auch in Amberg

Amberg

Zur Zeit gäbe es jedoch ein anderes Problem. Durch das Absagen der vielen Demonstrationen ist FFF wieder ins Gespräch gekommen. Jedoch nicht auf die erwünschte Art und Weise. "Über Fridays-for-Future wird momentan nur im Zusammenhang mit dem Coronavirus geredet.", beklagt sich Lueger, "Wenn über das Klima so emotional berichtet werden würde wie über das Coronavirus, dann wären wir schon einen ganzen Schritt weiter". Corona sei eben ein "sensationslüsternes Thema" meint er und spricht damit das Verdrängen der Klima-Problematik aus den aktuellen Schlagzeilen der Medien an.

Coronavirus: Der aktuelle Stand

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"Das kommt aber von selbst wieder, sobald sich die Lage in Europa etwas entspannt." Durch den verringerten Flugverkehr und das vorübergehende schließen vieler Firmen, wirke sich das Coronavirus positiv auf die Umwelt aus. Dennoch meint Benedikt Lueger, im Konsens mit der FFF-Bewegung, dass derartige Vergleiche respektlos gegenüber den Betroffenen des Virus seinen. Nun existiert die FFF-Bewegunng schon seit einem Jahr und habe in diesem Zeitraum bereits viel bewirkt. Die nackten Zahlen, zum Beispiel das nicht erreichte Ziel der Abschaltung von einem Viertel der Kohlekraftwerke bis 2019, scheinen dagegen zu sprechen. Doch selbst dies zeigt laut Lueger, wenigstens den nicht erkennbaren politischen Handlungswillen. "Das ist noch ein langer Weg," meint er, "doch die Fridays-for-Future-Bewegung ist dafür gerüstet". Es gäbe mittlerweile eine viel professionellere Arbeitsweise, professionellere Strukturen und ein sehr gutes Netzwerk. "In diesem einem Jahr Klima-Aktivismus ist das Klima-Thema nun endlich in den Köpfen der Menschen angekommen, und das ist bereits ein großer Erfolg."

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