23.07.2021 - 17:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Wegen Coronaschutz: Grippe und Keime auf dem Rückzug – vorübergehend

Der Kampf gegen Corona wirkt auch gegen andere Krankheitserreger. Professor Hamid Hossain warnt aber auch: Die Medaille hat zwei Seiten.

Hygiene hilft gegen Viren und gegen Keime.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Corona-bedingt verschärften Hygieneregeln machen sich zunehmend auch bei anderen Krankheitsbildern bemerkbar. Dies bestätigt auf Nachfrage Professor Hamid Hossain, gemeinsamer Chefarzt Mikrobiologie der Kliniken Nordoberpfalz und des Klinikums St. Marien Amberg. Die Corona-Pandemie habe weltweit zu verschärften Hygienemaßnahmen geführt: Masken, Handschuhe und Schutzausrüstung, Isolation von Patienten, häusliche Quarantäne sowie regelmäßiges Desinfizieren von Händen und Oberflächen. Hossain macht keinen Hehl daraus, dass er dies alles begrüßt: "Das, was sich Hygieniker seit Jahren für Krankenhäuser wünschten, wurde Realität: Kein Händeschütteln mehr, dafür freiwilliges und regelmäßiges Desinfizieren der Hände von Patienten, Personal und Besuchern."

Und die Maßnahmen zeigen Wirkung über Corona hinaus: "Die Maßnahmen führten grundsätzlich dazu, dass weniger Menschen das Krankenhaus betraten und damit weniger Keime von außen ins Krankenhaus eingeschleppt wurden." Auch Grippe-Viren und Krankenhauserreger seien weniger eingeschleppt und übertragen worden. "Die Zahl der Infektionen mit Influenza oder der Nachweise von multiresistenten Krankenhauskeimen war in 2020 und 2021 deutlich geringer als in den Vorjahren", stellt Hossain klar.

Allerdings warnt Hossain davor, diese Nachricht zu überschwänglich zu feiern. Zum einen seien die Erreger und Keime nicht verschwunden. Sobald die Maßnahmen weniger streng umgesetzt würden, kämen auch die Erreger zurück. Und dann könnte sich ein weiterer Nebeneffekt der Corona-Pandemie bemerkbar machen: "Während der Pandemie wurden weltweit vermehrt Antibiotika eingesetzt." Das Medikament hilft zwar nicht gegen Viren. "Gerade während der Pandemie wurden weltweit vermehrt Antibiotika eingesetzt, um bakterielle Sekundärinfektion entweder zu verhindern oder zu behandeln." Diese Strategie sei oft notwendig und alternativlos gewesen, stellt Hossain klar. So sei sichergestellt gewesen, dass zusätzliche Komplikation vermieden wurden. "Die Folgen werden wir in den nächsten Jahren sehen und spüren", warnt Hossain. Bereits jetzt seien vermehrt Nachweise bestimmter multiresistenter Krankenhauskeime festzustellen, die besonders schnell auf den Einsatz von Reserve-Antibiotika mit Resistenz-Entstehung reagieren. "Umso wichtiger ist es, die Hygienemaßnahmen aufrecht zu erhalten", fordert der Mediziner.

Langfristig sei es nötig, den Einsatz von Antibiotika deutlich zu reduzieren. "Corona und die Krankenhauskeime sind wie die zwei Seiten einer Medaille: Einerseits gibt es kurzfristig weniger Nachweise von multiresistenten Krankenhauskeimen, anderseits hat der vermehrte Antibiotikaeinsatz den Boden für Antibiotika-Resistenzen gesät." Für Hossain wäre es deshalb sinnvoll, wenn gewissen Hygienemaßnahmen über die Pandemie hinaus bestehen bleiben würden: Masken, kein Händeschütteln, regelmäßige Händedesinfektion und Besuchsregelungen in den Krankenhäusern. "Denn Fakt ist: Die meisten Erreger werden von außen ins Krankenhaus eingeschleppt – und das gilt es zu verhindern."

Corona in Zahlen

Weiden in der Oberpfalz
Prof. Dr. Hamid Hossain
Info:

Bakterien und Viren

  • Bakterien sind Lebewesen und als solche deutlich größer als Viren. Bakterien bestehen aus einer Zelle, die sich ernähren muss. Das Aussehen ist unterschiedlich, es gibt u. a. stäbchenförmige, runde, spiralförmige oder fadenförmige Bakterienarten.
  • Viren gelten nicht als Lebewesen, besitzen keinen Stoffwechsel zur Energiegewinnung. Deshalb sind sie auf eine fremde Zelle angewiesen, um bestehen und sich vermehren zu können.

 

 

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