Unser Wasser kommt aus Urspring oder Engelsdorf und unsere Lebensmittel kaufen wir im Supermarkt, beim Bäcker oder Metzger. So einfach ist das. Oder vielmehr: So hätten wir das gerne immer und für alle Ewigkeit. Aber was ist, wenn das nicht mehr so ist? Wenn beispielsweise plötzlich draußen in Engelsdorf im Wasserwerk – aus welchen Gründen auch immer – dauerhaft der Strom ausfällt. Oder wenn die weltumspannenden Lieferketten überraschend eine Lücke bekommen. Weil beispielsweise Amerika den Iran angreift und sich in Folge Öltanker und Containerschiffe in der Straße von Hormus stauen. Zugegeben, bis vor kurzem ein eher unrealistisches Szenario.
Auf das Problem mit dem Trinkwasser bereiten sich die Stadtwerke mit diversen Katastrophen-Szenarien vor – es ist im Verhältnis ja relativ "einfach" und lokal zu lösen. Doch was ist mit unseren Lieferketten? Wie resilient ist dieses System, um mal ein vielzitiertes Modewort zu verwenden? Fragen wir die Expertin. "Wir sind ganz schön angreifbar", sagt Professor Andrea Büttner, seit 2020 geschäftsführende Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV. Das tut sie natürlich im Rahmen der Erlanger Universitätstage im ACC vor einer durchaus ansehnlich zu nennenden Anzahl von Menschen, die sich offenbar für diese Problematik interessieren.
Pandemie als Trainingsfeld
Professor Büttner, die auch noch den Lehrstuhl für Aroma- und Geruchsforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innehat, wurde 2020 bei der Übernahme der Institutsleitung selbst in das sprichwörtlich kalte Wasser geworfen. Von heute auf morgen war Corona und plötzlich gab es kein Klopapier mehr. Was natürlich ein Symbol ist für das irrationale Denken von uns Menschen und für die von jetzt auf gleich abreißenden Lieferketten. Bei Fraunhofer hieß es: "Unsere Arbeit muss weitergehen." Insofern war die Pandemie ein weites Trainingsfeld für Szenarien der schlimmsten Sorte.
Tatsächlich machte sich das Team von Professor Büttner vor sechs Jahren auch Gedanken über einen ganz unwahrscheinlichen Fall, so erzählt sie: Donald Trump wird als amerikanischer Präsident wiedergewählt und fängt an, völlig erratisch – also wirr und unkontrolliert – Zölle zu erheben, geht völlig unverständliche und ständig wechselnde Bündnisse ein – und es kommt zu einer Dominanz von Tech-Konzernen, die zum Teil über der Demokratie stehen. Was damals wohl für ziemliche Heiterkeit im Institut gesorgt hat, wurde längst von der Realität überholt.
Welt wird immer aggressiver
Es ist aber sehr ernster Ausdruck einer Entwicklung in einer Welt, die immer aggressiver und rücksichtsloser wird, wie Andrea Büttner sagte. "Versorgung wird zunehmend als Waffe eingesetzt." Und daher muss unsere Versorgungswirtschaft für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Andrea Büttner zählte einen ganzen Katalog an Maßnahmen auf, wie wir uns in Europa und Deutschland hier absichern können. Zum Beispiel durch den intelligenten Umgang mit der Ressource Wasser, mit der Verbesserung der Bodenqualität, der Gewinnung von Rohstoffen aus Klimagasen, der Suche nach alternativen Rohstoffquellen und so weiter und so fort.
Alles das, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Übrigens lief diese Forschung im Institut über Jahrzehnte unter der Überschrift "Nachhaltigkeit". Ein Begriff, der bei Politikern bestimmter Couleur aber offenbar nicht so gut ankam. Seit diese Forschung unter dem Oberbegriff der Resilienz angesiedelt ist, ist das Interesse hingegen sehr groß. Denn tatsächlich ist, was nachhaltig ist, meist auch immun gegen Störungen von außen.
Zu viele Ideologien
Insofern stören Professor Andrea Büttner auch die ideologischen Auseinandersetzungen, wie sie beispielsweise zwischen vegan und nicht-vegan geführt werden. Wenn sie bei Fraunhofer an Lebensmitteln aus Ersatzstoffen forschen – beispielsweise Camembert aus Erbsmilch – passiert das nicht unter dem Hintergrund, ob das vegan ist oder nicht. "Wir tun das zunächst einmal aus Sicherheitsgründen." Auf der Suche nach Ersatz für tierische Milch. Dass es dann möglicherweise noch gut für die Umwelt ist, kommt als erfreulicher Nebeneffekt dazu.
Andrea Büttner kennt viele solche "Problemstellen", mit denen sich die Forschung herumschlagen muss. "Kunststoffe sind nicht nur böse", so sagt sie. Sie schützen unsere Lebensmittel. Dumm ist es nur, wenn diese Kunststoffe nach einmaligem Gebrauch weggeworfen und möglicherweise verbrannt werden. Bei Fraunhofer haben sie eine Anlage erfunden, die Kunststoffpolymere, also die Ur-Teile von Kunststoff, abtrennen und "waschen" kann, so dass man sie zu neuen, hochwertigen Kunststoffen zusammenfügen kann. Der Nachteil: Die Herstellung von Kunststoff aus Rohöl ist derzeit noch billiger. Der Blick in die Straße von Hormus lässt erahnen: Das kann sich schon bald ändern.















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