Es ist früh am Morgen, als die Polizeibeamten den Tatort fotografieren. Die Bilder entstehen wenige Stunden nach dem Einbruch in das Haus der Seniorin aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach im Winter 2025. Eine Leiter lehnt an der Hinterseite des Gebäudes, das obere Fenster ist aufgebrochen. Dichter Nebel umringt das Anwesen der 94-Jährigen an diesem Novembermorgen. Die Szene wirkt gespenstisch. Rund ein Jahr später sitzen die mutmaßlichen Einbrecher auf der Anklagebank des Landgerichts Amberg. Ein Mann (46) sowie ein Ehepaar (36 und 37) aus dem Raum Landshut sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft innerhalb weniger Tage gleich zweimal bei der Betroffenen eingebrochen sein. Dabei blieb es allerdings nicht: Im Dezember seien sie laut Anklageschrift ein drittes Mal eingestiegen. Die 94-Jährige soll bei den Diebstählen zu Hause gewesen sein. Während sie schlief, seien die mutmaßlichen Täter in das Haus eingebrochen – unbemerkt von der Betroffenen.
Erst als die 94-Jährige am nächsten Morgen festgestellt habe, dass ihr Waffenschrank fehle, habe sie den Notruf abgesetzt. „Sie war sehr verängstigt und hat fast kein Wort rausbekommen“, berichtete eine Polizeibeamtin, die am dritten Prozesstag als Zeugin vor Gericht auftrat. Die Polizistin sei zuerst skeptisch gewesen: „Man weiß nie, vielleicht ist es Demenz.“ Am Einsatzort habe sie die 94-Jährige allerdings vernommen und festgestellt: „Die Dame ist sehr fit im Kopf und sie sagt die Wahrheit.“ In dem Waffenschrank sollen sich vier Langwaffen, zwei Kurzwaffen, die dazugehörige Munition, ein Testament sowie 10.000 Euro Bargeld befunden haben. Drei Tage später seien die Angeklagten erneut in das Haus eingebrochen – mutmaßlich, um den Schlüssel zum Waffenschrank zu suchen. Dabei durchwühlten die Täter vor allem das Wohnzimmer und die Küche. Welches Chaos sie hinterließen, dokumentierten die Beamten mit der Kamera. Auf den Fotos sind herausgezogene Schübe, offene Schranktüren und Kratzspuren am Boden zu erkennen.
Standortdaten und DNA-Spuren
Die Diebe sollen aber nicht nur den Waffenschrank, sondern auch den unter dem Sofa versteckten Schmuck im Wert von etwa 10.000 Euro geklaut haben, heißt es in der Anklageschrift. Zusammen mit dem gestohlenen Bargeld vom dritten Diebstahl im Dezember sollen die Täter rund 70.000 Euro entwendet haben. Wie ein Polizist am dritten Prozesstag im Zeugenstand bestätigte, hinterließen die Einbrecher nicht nur Chaos. Die Ermittler konnten auch eine Sturmhaube sicherstellen – ganz zum Verhängnis des 46-jährigen Angeklagten. Die Spurensicherung habe die DNA des Mannes auf der Haube feststellen können. Die Kriminalpolizei Landshut soll zu dem Zeitpunkt bereits gegen den Angeklagten ermittelt haben – ebenfalls wegen eines Einbruchs bei einer Seniorin. Dabei sei auch der 36-Jährige verwickelt gewesen. Durch Handyauswertungen konnten die Beamten feststellen, dass sich die beiden Männer beim dritten Einbruch am Tatort befunden hätten. „Die Daten von der Frau habe ich nicht im Funk gesehen. Sie hatte entweder kein Telefon dabei oder war nicht vor Ort“, so der Polizeibeamte vor Gericht.
Die 37-Jährige wurde bereits am zweiten Prozesstag aus der Untersuchungshaft entlassen. Die beiden Männer gaben die Taten schon in der ersten Sitzung zu. Mutmaßlich wegen der hohen Beweislast, denn in einer Halle im Raum Landshut, die die Angeklagten womöglich für einen älteren Herrn „verwalteten“, konnten die Ermittler den Tresor mit den dazugehörigen Waffen sicherstellen. Auch in der Wohnung des 46-Jährigen sowie in der des Ehepaares sollen die Polizisten weitere mutmaßlich gestohlene Gegenstände aus dem Besitz der Betroffenen gefunden haben. Einige Schmuckstücke habe die 94-Jährige sofort identifizieren können, zum Beispiel ein Münzarmband. „Das hat sie gleich erkannt. Es war eines ihrer Lieblingsstücke“, so der Polizist. Laut dem Beamten soll die Betroffene allerdings nicht allen gestohlenen Schmuck wiedererkannt haben. Er vermutete deshalb, ihr habe weitaus mehr gehört.
Schon 2024 da gewesen?
Auf Bildern, die am dritten Prozesstag gezeigt wurden, sind die Wohnungen der Angeklagten zu sehen. In fast jeder Ecke und jeder Schublade blitzen goldene Gegenstände hervor. Ob die Stücke aus weiteren mutmaßlichen Diebstählen stammen, war nicht Teil der Verhandlung. Dagegen rückte die Vernehmung der Betroffenen in den Vordergrund. Wie der Beamte vor Gericht bestätigte, habe er die 94-Jährige ein zweites Mal zu den Einbrüchen befragt, möglicherweise um ihr eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Die Frau berichtete davon, bereits im Sommer 2025 von einem Mann und einer Frau aufgesucht worden zu sein. Sie hätten sich für eines ihrer Autos interessiert. „Sie war so grantig, weil die Personen schon mal ein Jahr vorher da waren. 2024 hat sie schon gesagt, sie verkauft nichts.“ Die Frau habe zudem zwei Mal gefragt, ob sie ins Haus dürfe. „Die Dame soll schwanger gewesen sein. Ich habe mich so geärgert, weil die ein Kissen unter dem T-Shirt hatte“, gab der Beamte Teile der Vernehmung wieder. Ob es sich bei den Angeklagten um diese Personen handelt, könne die 94-Jährige allerdings nicht mit Sicherheit bestätigen, „aber sie haben Ähnlichkeiten.“ Der Prozess wird am 19. Oktober fortgesetzt.

















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