21.07.2021 - 09:15 Uhr
AmbergOberpfalz

"Er wollte mit ihr noch einmal über die Trennung reden"

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Seine Freundin hatte sich von ihm getrennt. Doch das mochte ein 38-Jähriger in Amberg nicht akzeptieren. Er suchte permanent Kontakt und ließ auch dann nicht locker, als sich die Polizei eingeschaltet hatte.

In Amberg musste ein 38-Jähriger vor Gericht.
von Autor HWOProfil

Man wusste es aus vorliegenden Unterlagen sehr genau: Am 26. März 2019 beendete eine 27-Jährige aus Amberg das Verhältnis mit ihrem Freund. Für sie war die Partnerschaft damit hinfällig, für ihn nicht. Was dann folgte, waren Wochen, in denen sich die junge Frau mehrfach an eine Gewaltschutzbeauftragte der Polizei wandte. Weil sie in ihrer Not schlichtweg nicht mehr weiter wusste.

Der 38-Jährige mochte die Trennung nicht hinnehmen. Er drang mit einem Nachschlüssel in die Wohnung seiner Ex-Partnerin vor, schickte Sprachnachrichten übers Handy, stieß über das Telefon Drohungen aus, versetzte die Frau in Angst und Schrecken. Das führte seitens der Polizistin zu mehreren sogenannten Gefährderansprachen, bei denen der 38-Jährige mit Nachdruck darauf verwiesen wurde, dass er seine ehemalige Partnerin in Ruhe zu lassen habe. Auch strafrechtliche Konsequenzen wurden ihm dabei vor Augen geführt.

Geldbuße über 3600 Euro

Irgendwann nach längerer Zeit lag eine Anzeige auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft. Sie erwirkte einen richterlich unterzeichneten Strafbefehl gegen den Arbeiter, der erst dann von seinen Annäherungsversuchen Abstand nahm. Die Geldbuße, wegen Nachstellung auf 3600 Euro festgesetzt, mochte er allerdings nicht akzeptieren. Über den Einspruch hatte nun Amtsrichterin Sonja Tofolini zu befinden.

"Er wollte mit ihr noch einmal über die Trennung reden", beschrieb Anwalt Jürgen Mühl zum Prozessauftakt die Absicht seines Mandanten. Doch dieses Argument war für Staatsanwältin Barbara Tutsch vollkommen untauglich. "Der Mann hat nach den Gefährdergesprächen gewusst, dass es so nicht gehen konnte", beschrieb sie ihren Standpunkt und fügte hinzu: "Trotzdem haben sich die Nachstellungen fortgesetzt."

Einspruch zurückgenommen

Zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens gab es eine überraschende Festellung, die nahezu gleichzeitig von der Anklagevertreterin als auch von der Richterin getroffen wurde. Wegen eines Drogendelikts stand bei dem Beschuldigten eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von 20 Monaten offen. "Da muss dann eine Gesamtstrafe aus den Delikten gebildet werden", erfuhr er. Verbunden war dies mit dem Hinweis, dass unter dem Strich durchaus auch eine Ahndung ohne Bewährung herauskommen könne.

Damit war eine Wende eingeleitet. Verteidiger Mühl bekam Gelegenheit zum Beratungsgespräch mit seinem Mandanten. Danach schlossen sich die Aktendeckel: Der 38-Jährige nahm den Einspruch zurück und zahlt nun die 3600 Euro. Seine Ex-Freundin, als Nebenklägerin von Anwalt Michael Trummer vertreten, konnte ohne Vernehmung den Gerichtssaal verlassen.

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Info:

Gespräche zur Gefahrenabwehr

Polizei oder Verwaltungsbehörden haben das Recht, bei dem Verdacht auf mögliche bevorstehende Straftaten eine Person zu einer Gefährderansprache vorzuladen oder aufzusuchen. Dies dient der Gefahrenabwehr. Belehrungen solcher Art können auch schriftlich erfolgen. Dabei handelt es sich dann um ein Gefährderanschreiben.

Bei Minderjährigen, so sieht es das Gesetz vor, darf eine Gefährderansprache nur in Anwesenheit eines gesetzlichen Vertreters erfolgen. "Es sei denn", so heißt es, "durch dessen Anwesenheit würde der Zweck der Maßnahme in Frage gestellt." In diesem Fall muss der gesetzliche Vertreter allerdings unverzüglich über den Inhalt des Gesprächs unterrichtet werden.

 

 

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