04.10.2021 - 11:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Würdigung für Ambergs großen Komponisten Erwin Walther

Er wäre 2020 genau 100 Jahre alt geworden: H. E. Erwin Walther, der bedeutendste Komponist Ambergs. Am Freitag wurde im Stadttheater mit würdevollem Festakt und -konzert nachgefeiert.

Das Alban-Berg-Ensemble Wien gestaltete famos den Festakt im Stadttheater.
von Peter K. DonhauserProfil

Wie feiert man eine Persönlichkeit wie den Jubilar, der nie große Worte um sich und sein Werk machte, der die sicheren aber ausgetretenen Wege mied, der nicht vorrangig nach Ansehen und Gewinn bringendem Ruhm strebte? Bei der Festveranstaltung für H. E. Erwin Walther, dem bedeutendsten Komponisten Ambergs, wurden nicht zu viele Worte gesprochen, keine großen Reden geschwungen. Komponist Christof Johannes Weiß leitete mit erhellenden Texten durch das Programm. Er wie seine Kollegin Katrin Klose von „The Next Generation“ sind eng mit Amberg verbunden, sie hatten ihr Abitur am Max-Reger-Gymnasium abgelegt. Das eigentliche „Wort“ führte Frau Musica, als Dolmetscher war das vorzügliche Alban Berg Ensemble Wien angereist, das mit seinem überlegenen Spiel das Schaffen und die Persönlichkeit Walthers greifbar und begreifbar machte.

Inspirationen aus Wien

Am Anfang und Ende des Konzert stand Musik, die den „Heinrich Ernst Erwin“ als jungen Studenten in Würzburg fasziniert, begeistert, angeregt hatte: Die Kammersymphonie op. 9 von Arnold Schönberg (1906), ein visionäres Werk mit dicht gewebter Struktur und rotem Musik-Faden, aber auch voll dramatischer Emotion. Es spielt herausfordernd mit Annäherung an und Entfernung von der Grundtonart E-Dur. Stiller, nachdenklich verklingend zum Schluss das Adagio aus der 10. Symphonie von Gustav Mahler (1910), näher an den traditionellen Tonarten, mit leichter fassbaren Melodien.

Bilder einer Stadt am Berg

Von beiden hat sich Walther anregen lassen: Von Schönbergs revolutionärem Ansatz, von Mahlers Bodenhaftung bei den Melodien. Sie trafen Walthers selbstbewusstes Vertrauen auf Führung durch seine Intuition; er hat sich nie gängigen Komponisten-Schulen angebiedert, pflegte aber die Werte Respekt und Toleranz (wie aktuell!). Er hatte keinerlei Schwellenängste vor Volksmusik, vor Jazz, vor Filmmusik. Er wagte neue Wege: 300 Audiogramme, das sind kunstvolle Grafiken, die Klänge beim Betrachter oder Musiker wecken wollen. Sein Quintettsatz „Das grüne Ei“ (1951) versteht sich als Programm-Musik und spielt mit Stimmungen, Personen, Ereignissen aus Ambergs Herz, herausfordernd, knorrig, skurril, mittelalterlich, aber verständlich, dabei ohne sentimentale oder verklärende Heimattümelei.

Walther wirkt weiter

Geben wir das Schlusswort an die „Next Generation“, die Auftragswerke in Würdigung Walthers geschrieben hatte. Schon am Vorabend war in BR Klassik die Kammersymphonie „into the uncertain“ von Christof Weiß zu hören gewesen. Im Theater folgte „Gläserne Blätter“ aus dem Quartett von Katrin Klose, sie lotet kenntnisreich und faszinierend Klangmöglichkeiten der Streichinstrumente (Obertöne) aus. Angeregt durch Walthers Audiogramme schuf sie eine unkonventionelle, berührende und befreiende Musik, die geradezu aufatmen ließ. Begeisterter Applaus!

Ehre für Ambergs Musiker

Walthers Tochter Michaela Grammer würdigte bewegt den frühen Förderer vor Ort, den Violinpädagogen und Orchesterleiter Franz W. Rösch (1914-1994), sie dankte der „Next Generation“, den grandiosen Musikern des Alban Berg Ensembles Wien, der Förderung durch die Stadt. Sie überreichte Oberbürgermeister Michael Cerny die neu herausgegebenen Noten von Walthers Zyklus „Bilder einer Stadt am Berg“ als Impuls, dass seine Musik in den Programmen präsent bleibe. Cerny gab sein Wort drauf und drückte die hohe Wertschätzung der Stadt für ihren großen Sohn aus.

Informationen aus dem Amberger Stadttheater

Amberg

 

 

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