02.08.2021 - 12:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Zehn Direktkandidaten für Bundestagswahl: Nur ein Amberger Name dabei

Zehn Frauen und Männer wollen als Direktkandidat des Amberger Wahlkreises 232 in den Bundestag. Mit Susanne Witt ist Amberg aber nur einmal vertreten. Zeitgleich gibt es Bewerber aus München und Beratzhausen. Wie kann das sein?

Der Stimmzettel für die Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, wird laut Martin Schafbauer 73 Zentimeter lang sein. Bei nur zwei Zentimetern mehr hätte es laut dem stellvertretenden Kreiswahlleiter ein Problem gegeben.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Seit der allerersten Bundestagswahl, die am 14. August 1949 stattfand, kamen alle Politiker, die das Direktmandat im Amberger Bundeswahlkreis erringen konnten, ohne Ausnahme von der CSU: Josef Schatz (1949), Anton Donhauser (1953), Heinrich Aigner (1957, 1961, 1965, 1969, 1972, 1976), Hermann Fellner (1980, 1983, 1987), Rudolf Kraus (1990, 1994, 1998, 2002) und Alois Karl (2005, 2009, 2013, 2017). Man muss kein Prophet sein, um behaupten zu dürfen, dass Susanne Hierl, die aktuelle CSU-Kandidatin, sehr große Chancen hat, diese Reihe nun fortzusetzen.

Neben der 47 Jahre alten Rechtsanwältin aus Berg bei Neumarkt gehen noch weitere neun Frauen und Männer ins Rennen, von denen nur Susanne Witt (ÖDP) aus dem Stadtgebiet von Amberg stammt. Der Landkreis Amberg-Sulzbach ist dagegen zweimal vertreten: Auch Karl-Heinz Herbst (Grüne) aus Sulzbach-Rosenberg und Alwin Baumert (Die Basis) aus Weigendorf wollen direkt nach Berlin.

Aus München und Beratzhausen

Aus dem Nachbarlandkreis Neumarkt, der ebenfalls zum Wahlkreis 232 gehört, kommen neben Susanne Hierl vier weitere Kandidaten: Johannes Foitzik (SPD) aus Sengenthal, Daisy Miranda (Freie Wähler) aus Lauterhofen, Nils Gründer (FDP) aus Neumarkt und Markus Sendelbeck (Linke) aus Pyrbaum. Zwei Kandidaten haben dagegen ihren Lebensmittelpunkt gar nicht in der Region, sondern im Raum Regensburg beziehungsweise München. Sie dürfen aber dennoch antreten. „Wir haben bei keinem Vorschlag irgendwelche Fehler gefunden“, sagt Bernhard Mitko, der in Amberg nicht nur städtischer Rechtsreferent, sondern auch Kreiswahlleiter ist.

Sein Stellvertreter als Kreiswahlleiter ist der Leiter des Einwohneramts, Martin Schafbauer. Er erklärt, wie es mit Peter Boehringer (AfD) aus München und dem unabhängigen Direktkandidaten Nikolaus Gradl aus Beratzhausen im Landkreis Regensburg zwei Männer auf die Liste geschafft haben, die ihren Lebensmittelpunkt nicht in der Region haben: „Im Wahlrecht ist es so vorgesehen, dass jeder Wahlberechtigte innerhalb Deutschlands dort gewählt werden kann, wo er innerhalb eines Wahlkreises genügend Unterstützer findet.“ Im Fall des 64 Jahre alten Nikolaus Gradl war das so: „Er hat genügend Unterstützer gefunden.“ Mindestens 50 mussten es sein.

Im Juni kurzfristig geändert

Noch vor vier Jahren waren es laut Martin Schafbauer 200: „Der Gesetzgeber hat das im Juni kurzfristig geändert.“ Der Hintergrund: In Corona-Zeiten sei es für Einzelbewerber und erstmalige Bewerber, wie es Peter Boehringer vor vier Jahren für die AfD war, wesentlich schwerer, auf die entsprechende Zahl an Unterstützern zu kommen, weil beispielsweise wegen zu hoher Inzidenz-Werte keine Info-Stände möglich sein könnten. Martin Schafbauer: „Da hat der Gesetzgeber gesagt, wird reduzieren das, um niemandem durch die Pandemie das passive Wahlrecht zu rauben.“ Es sei natürlich viel leichter, 50 Unterstützer zu finden als 200: „Das wäre schon eine andere Hausnummer.“ Gerade diese kurzfristige Änderung der Vorgaben hatte im Alltag von Bernhard Mitko und Martin Schafbauer aber Konsequenzen, die auf den ersten Blick gar nicht so ersichtlich sind. Die Zahl der Einzelbewerber sei schlecht einzuschätzen gewesen: „Es hätte ja sein können, dass da noch 20 hinzukommen“, weil sie eben nur 50 statt der bisher vorgeschriebenen 200 Unterschriften sammeln mussten.“

Dann wäre der Stimmzettel länger geworden als die 73 Zentimeter, die es nun sind. Nicht schlimm? Doch, sagt Martin Schafbauer und erklärt: „Man muss erst einmal eine Druckerei finden. Bei manchen Druckereien ist bei 75 Zentimetern Schluss. Nicht jede Druckerei kann jede Größe drucken. Die Wahrscheinlichkeit, dass kurzfristig noch ein unabhängiger Direktkandidat dazukommt, war größer als in den Jahren zuvor.“ Da die Meldefrist für Bewerber erst vor rund zwei Wochen am 19. Juli ablief und die Stimmzettel wegen der Briefwahl aber bereits rund um den 20. August vorliegen sollen, sei das „schon anspruchsvoll“, denn: „Ich soll das Ganze ja auch noch einem Wettbewerb unterwerfen“ – angesichts von rund 250 000 Stimmzetteln, die für Amberg, den Landkreis Amberg-Sulzbach und die Neumarkter Region am 26. September benötigt werden, kein einfaches Unterfangen.

Vielen „zeitlich zu knapp“

Vor vier Jahren habe sich Martin Schafbauer mehrere Absagen eingehandelt: „Viele Druckereien haben gesagt, keine Chance, das ist ihnen zeitlich zu knapp.“ Fündig wurde Schafbauer damals wie heute in einer Druckerei aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, die alle Vorgaben erfüllt. Mehr noch: Sie druckt klimaneutral auf Recyclingpapier.

So stehen die Chancen der Listenkandidaten aus der Region

Amberg
Hintergrund:

Die Direktkandidaten im Bundeswahlkreis 232

  • Susanne Hierl (CSU) 47 Jahre, Rechtsanwältin, Berg bei Neumarkt
  • Johannes Foitzik (SPD) 60 Jahre, Abteilungsleiter, Sengenthal bei Neumarkt
  • Peter Boehringer (AfD) 52 Jahre, Bundestagsabgeordneter, München
  • Nils Gründer (FDP) 24 Jahre, Student, Neumarkt
  • Karl-Heinz Herbst (Grüne) 63 Jahre, Finanzbeamter, Sulzbach-Rosenberg
  • Markus Sendelbeck (Linke) 37 Jahre, Hygieniker, Pyrbaum
  • Daisy Miranda (Freie Wähler) 21 Jahre, Studentin, Lauterhofen
  • Susanne Witt (ÖDP) 52 Jahre, Diplom-Volkswirtin, Amberg
  • Alwin Baumert (Die Basis) 55 Jahre, Sozial- und Theaterpädagoge, Weigendorf
  • Nikolaus Gradl (Unabhängig) 64 Jahre, Geschäftsführer, Beratzhausen

 

 

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