02.08.2019 - 11:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Zigarettenfreies Amberg: Initiatoren feiern erste Erfolge

Es geht in Tippelschritten voran, statt mit Siebenmeilenstiefeln: Karin Meixner-Nentwigs Kampf gegen die Flut von Zigarettenkippen auf Straßen und Plätzen. Andererseits kann sie erste kleine Erfolge vorweisen.

Die Initiatorin Karin Meixner-Nentwig kämpft für ein Amberg, auf dessen Plätzen und Straßen keine Zigarettenkippen liegen.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Zehn neue Abfalleimer mit eigenem Fach für benutzte Zigarettenfilter sind schon aufgestellt, 50 weitere sollen im Stadtgebiet noch folgen. Eine Entwicklung, die Meixner-Nentwig mit Freude erfüllt. Andererseits, so die Streiterin für mehr Sauberkeit, bedauere sie, dass sich die Stadt mit den gesammelten Kippen dem Recycling-Projekt des Kölner Vereins TobaCycle verweigert und stattdessen auf Müllverbrennung setzen möchte.

"Über eine mit dem Zweckverband Müllkraftwerk Schwandorf verbandelte Firma", erläutert sie. Und fügt ergänzend hinzu, dass dazu aus dem Rathaus zu hören sei, der Transportweg nach Köln sei zu weit und würde die Umwelt unnötig belasten.

Amberg

Acht Lokale dabei

Dem hält Meixner-Nentwig entgegen, dass der Geschäftsführer des Kölner Vereins vorgeschlagen habe, den Zigarettenmüll auf der Schiene zu verschicken. Die Kosten dafür würde TobaCycle tragen. Als weiteren Erfolg erachtet die frühere Chefin des Kinderschutzbundes, dass inzwischen acht Kneipen und Restaurants in Amberg ihrem Werben folgen und Kippen gezielt sammeln. Darunter ist Roberts Trattoria Bavaria am Marktplatz/Rathausstraße. Er hat einen Schlüssel zum Innenhof des Rathauses, in dem die Stadt einen größeren Sammelbehälter aufgestellt hat. "Wenn jemand gesammelte Kippen los werden will, sperrt der Chef die Tür auf." Zu den positiven Signalen zählt Meixner-Nentwig auch die Begegnung mit einer älteren Frau. Sie hatte ein Einweckglas mit aufgeklaubten Kippen dabei. Nein, sie rauche nicht selbst, so die Seniorin: "Ich sammle die Kippen vor meiner Tür." Ebenso freut sich die Initiatorin, die gerne eine Vielzahl von Mitstreitern haben würde, dass ihr Appell an Stadt, Stadtwerke und Polizei Früchte trägt. Am Kurfürsten- und am Hockermühlbad werden Aschenbecher aufgestellt und auch bei städtischen Einrichtungen sowie bei der Inspektion an der Kümmersbrucker Straße. Auf eine ähnliche Resonanz setzt Meixner-Nentwig bei der Hochschule, bei Schulen mit älteren Schülern und bei 22 Firmen: "Sie alle habe ich schon angeschrieben." Nicht zuletzt wünscht sie sich auch finanzielle Unterstützung von Unternehmen, um mit diesen Mitteln Werbung für die Kippenaktion betreiben zu können.

Stundenlang gepickt

Fasziniert von ihrer Idee sei auch Toby Mayerl, der Organisator von "Sommer in der Stadt". Bei der letzten Veranstaltung dieser Art im Landesgartenschaugelände seien dessen Helfer stundenlang beschäftigt gewesen, weggeworfene Zigarettenstummel aus dem Rasen zu picken. "Heuer sollen schon am Zugang zum Gelände praktische Handaschenbecher verteilt werden."

Um Ähnliches für das Brunnenfest an diesem Wochenende einfädeln zu können, dafür sei der zeitliche Vorlauf zu knapp gewesen, so Meixner-Nentwig. Sie habe allerdings Aschenbecher bei TobaCycle geordert und hoffe, dass sie diese beim Fest gegen eine Leihgebühr von zwei Euro noch unter die Leute bringen kann. Wer sich für das Thema allgemein interessiert, dem empfiehlt Meixner-Nentwig, hin und wieder die eigens bei Facebook angelegte Seite "Amberg Kippenjäger" anzuklicken.

Info:

Reaktion der Stadt Amberg

Die Stadt Amberg hat am Freitag auf den Artikel im Onetz reagiert. Nachfolgend die Stellungnahme im Wortlaut: "Gemäß TobaCycle werden dort mobile Ascher (TABYC) aus Kippen hergestellt. Dieser Abfall ist jedoch mit gefährlichen Stoffen belastet und daher nicht verwertbar. Darum werden 95 Prozent an zusätzlichem Material (Verpackungskunststoffe) und ein zusätzlicher Energieaufwand benötigt, um ein verwendbares Produkt fertigen zu können. Dieses enthält dann versteckt den unbrauchbaren und mit giftigen Stoffen behafteten Abfall enthält (Anteil im Material laut Angabe von TobaCycle 5 Prozent). Folglich handelt es sich hierbei um keine Abfallvermeidungsmaßnahme, wie TobaCycle angibt, sondern um eine scheinbare Verwertungsmaßnahme mit schlechter Ökobilanz.

Zur Ökobilanz: Die Zigarettenkippen haben für diese Maßnahme lange Transportwege zur Verwertung nach Köln zurückzulegen. Außerdem wird für die Produktion der Behälter Energie eingesetzt. Dies bedeutet mehr CO2-Ausstoß und schädlichere Auswirkungen auf das Klima und damit eine schlechtere Ökobilanz als wenn die Kippen über den Restmüll entsorgt und mit kurzen Transportwegen zur Müllumladestation nach Amberg gebracht werden.

Denn auch bei der Sammlung über den Restmüll werden die Zigarettenkippen in Amberg umweltfreundlich auf die Schiene verladen und nach Schwandorf in die Müllverbrennungsanlage gebracht. Die Müllverbrennungsanlage ist mit umfassenden Abluftfilteranlagen ausgestattet, die in drei Reinigungsstufen die Abgase behandeln, inklusive einer kontinuierlichen Überwachung mit modernsten Messanlagen. Zudem produziert die Müllverbrennungsanlage Energie.

Unsere Abfallberatung kommt daher zu folgendem Schluss: Die hergestellten Auffangbehälter sollen dafür sorgen, dass die Zigarettenkippen nicht in der Umwelt landen. Dieses Ziel kann man mit anderen Mitteln erreichen, die es nicht erfordern, Energie einzusetzen und lange Transportwege zurückzulegen, um Produkte zu fertigen, deren Absatz zudem ungesichert ist. Raucher rauchen täglich viele Zigaretten, aber sie brauchen nicht ständig neue Auffangbehälter – deshalb kann dieses Projekt aus Sicht der Abfallwirtschaft nicht befürwortet werden.

Zusätzlich wird die Vorgehensweise, einen unbrauchbaren, potentiell giftigen Abfall (Kippen) in einem Recycling-Produkt zu verstecken und dort anzureichern, für eine abfallrechtlich fragwürdige Maßnahme gehalten. Laut Abfallwirtschaftsplan Bayern (AbfPV, Abschnitt II, Ziffer 3, Schadstoffminimierung) und Kreislaufwirtschaftsgesetz (§ 7 Abs. 3) dürfen Abfälle verschiedenen Ursprungs mit unterschiedlichen Schadstoffgehalten nur unter bestimmten Voraussetzungen miteinander vermischt werden.

Wird ein belasteter Abfall durch einen unbelasteten Abfall verdünnt, der Schadstoffgehalt dadurch verringert und es kommt dadurch zu einer Schadstoffanreicherung im Wertstoffkreislauf „Kunststoff“, so ist das aus abfallrechtlicher Sicht fragwürdig.

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