20.10.2021 - 10:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Zweiter verkaufsoffener Sonntag innerhalb von drei Wochen

Hinter dem Einzelhandel liegen schwierige Zeiten. Doch jetzt gibt es in Amberg gleich zwei verkaufsoffene Sonntage innerhalb von nur drei Wochen. Den nächsten am 24. Oktober. Das klingt gut, aber rentiert sich das für den Handel wirklich?

So sah es am Sonntag, 3. Oktober, in der Amberger Georgenstraße aus. Mit ähnlichen Menschenmassen rechnen die Einzelhändler auch am kommenden Sonntag, 24. Oktober, an dem die Läden erneut von 13 bis 18 Uhr geöffnet sind. Parallel dazu findet der Krüglmarkt am Malteserplatz statt.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Lange stand nicht fest, ob und wann es in Amberg in diesem Jahr verkaufsoffene Sonntage geben kann und auch wird. Die Entscheidung fiel relativ spät in der zweiten Septemberhälfte, nachdem der erste gewohnte Termin im April der Corona-Pandemie wie im Vorjahr zum Opfer gefallen war. Dafür gibt es jetzt im Oktober gleich zwei Möglichkeiten, an einem Sonntag seinen Laden zu öffnen. Vor dem Auftakt am 3. Oktober, dem nun am 24. Oktober die Fortsetzung folgt, waren nicht alle Einzelhändler begeistert, wie Karlheinz Brandelik, der Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gewerbebau, Anfang des Monats in einem Interview mit Oberpfalz-Medien bestätigte: „Das gefällt jetzt nicht jedem.“ Es gebe nachweislich Händler, denen zwei so kurz aufeinanderfolgende Einkaufssonntage aus Personalgründen Schwierigkeiten bereiteten.

Einer von denen, die ihren Laden am 3. Oktober nicht aufsperrten, war Markus Oeckl. Der Marktleiter des Hervis-Sportgeschäfts an den Franzosenäckern im Stadtteil Bergsteig startete sogar eine Anzeigenkampagne, in der er die Kundschaft darauf hinwies, dem Personal den freien Sonntag zu gönnen. Grundsätzlich, sagt der zweifache Familienvater, seien verkaufsoffene Sonntage immer eine „super Sache“. Nicht aber an besagtem 3. Oktober. Einerseits habe er erst wenige Tage vor dem Termin von der Möglichkeit erfahren, seinen Laden aufmachen zu dürfen, andererseits habe es sich beim 3. Oktober nicht um einen klassischen Sonntag gehandelt, sondern um einen Feiertag, den Tag der Deutschen Einheit: „Das ist dann schon noch was anderes.“

Laden zu, dafür Rabatte

Apropos 3. Oktober. Oeckl erinnerte sich daran, dass der Feiertag 2019 auf einen Donnerstag fiel und sich ein Hervis-Kollege aus Garmisch damals in Absprache mit der in Österreich ansässigen Unternehmenszentrale darauf geeinigt hatte, den in Garmisch erlaubten verkaufsoffenen 3. Oktober ungenutzt verstreichen zu lassen. Als Ausgleich für die Kunden habe es in den Tagen davor und danach satte Rabatte gegeben. „Die Geschichte in Garmisch war ausschlaggebend“, antwortet Oeckl auf die Frage, warum er den ersten Amberger Einkaufssonntag seit April 2019 nicht nutzte. Am Freitag und Samstag davor habe es wie am Montag danach stattdessen 20 Prozent Ermäßigung auf alle Artikel gegeben. Und das sei bei den Kunden besonders gut angekommen. Die Umsätze seien an diesen drei Tagen entsprechen gut gewesen. Definitiv besser, als das an einem Einkaufssonntag der Fall gewesen wäre, sagt Oeckl. Doch der 3. Oktober ist längst vorbei, der 24. naht – und der Amberger wird mit seinem Team Sportartikel verkaufen: „Das erwarten die Kunden jetzt auch von uns, nachdem wir am 3. Oktober zu hatten. Wir freuen uns auch darauf. Ich glaube, das wird ein richtig guter Sonntag.“

„Geschäft verschiebt sich“

Auch Manfred Bock, Geschäftsführer von Foto Frey in der Innenstadt, war anfangs zunächst etwas skeptisch: „Wir machen jetzt mal bei beiden mit, um zu schauen, ob sich das lohnt oder nicht.“ Am 3. Oktober habe er den Eindruck gewonnen, dass die Hälfte der Kunden in den nächsten Tagen ohnehin gekommen wäre. Die Käufe seien aus zeitlichen Gründen quasi nur vorverlegt worden, was Bock zu der Aussage verleitet: „Das Geschäft verschiebt sich.“ Soll heißen: Von großartigen Einnahmensteigerungen geht der Geschäftsführer auch am 24. Oktober nicht aus: „Der verkaufsoffene Sonntag führt nicht zwangsläufig zu mehr Umsatz. Das muss man so deutlich sagen. Und damit, glaube ich, stehe ich auch nicht alleine da.“ Grundsätzlich sei es aber schön, nun wieder sonntags öffnen zu dürfen, denn: „Das zieht Leute in die Innenstadt, die sehen, dass die Läden noch vor Ort sind und dass es den stationären Einzelhandel noch gibt.“ Große Probleme, die beiden Sonntage personell auch bestreiten zu können, habe es nicht gegeben. Bocks Mitarbeiter teilten sich selbst auf freiwilliger Basis so ein, dass nach dem 3. auch der 24. Oktober reibungslos funktioniert.

Hartmut Christl, Inhaber von Waffen Christl am Malteserplatz, verzichtete am 3, Oktober darauf, seine Sport- und Jagdwaffen sowie Vereinsbedarf zu verkaufen. Der Laden blieb zu. „Da hatte ich Urlaub. Den wollte ich nicht verschieben“, da die Einkaufssonntage wie bereits erwähnt erst in der zweiten Septemberhälfte genehmigt worden waren. Am 24. Oktober ist Christls Laden aber offen: „Weil verkaufsoffene Sonntage Leute in die Stadt bringen, die an diesem Tag ansonsten nicht in der Stadt wären.“

Hoffnung auf Neukunden

Er meint damit nicht etwa berufstätige Amberger oder Landkreisbewohner, sondern Menschen aus der Weidener und Neumarkter Region. Vor allem in Verbindung mit dem Krüglmarkt direkt vor seiner Haustür. Auch der locke Leute an. Nicht jeder komme zu ihm in den Laden, aber fast jeder bummele am Schaufenster vorbei. Das nährt bei Christl die Hoffnung auf Neukunden. Doch wie Manfred Bock von Foto Frey kalkuliert auch er eher defensiv, wenn es um die Umsatzerwartungen geht, weil sich das Geschäft im Prinzip nur verschiebe. Elisa-Marie Kontny stimmt ebenfalls in dieses Lied mit ein. Die Filialleiterin der Buchhandlung Rupprecht sagt, dass das Unternehmen keine Sekunde überlegen musste, als klar war, dass es nach der Zwangspause von 2020 gleich zwei verkaufsoffene Sonntage in nur drei Wochen geben wird: „Wir machen an beiden Sonntagen mit. Wenn es die Möglichkeit nun wieder gibt, ist es für uns wichtig, dass wir uns zeigen und auch da sind.“ Es wäre ein falsches Signal an die Kunden, als Händler an einem Einkaufssonntag nicht zu öffnen.

Im speziellen Fall der Buchhandlung habe es am 3. Oktober viele Kunden gegeben, die den Sonntag nutzten. Diese „zusätzliche Stöberzeit“, wie Kontny das nennt, habe auch schon etwas mit den ersten Weihnachtsvorbereitungen zu tun: „Das ist alles etwas stressfreier und entspannter als unter der Woche nach der Arbeit“, sagt sie aus Kundensicht. Natürlich sei die Lösung aus Zeiten von vor Corona, einen Einkaufssonntag im April und einen im Oktober zu haben, besser, aber heuer sei das nun mal nicht so: „Es ging ja auch nicht anders.“

Personelle Herausforderung

Gerade in dem Bewusstsein, dass es sich bei der Regelung von 2021 um eine Ausnahme handelt, sei es auch kein Problem, das Personal innerhalb so kurzer Zeit zweimal an einem Sonntag arbeiten zu lassen, wenngleich die Filialleiterin sagt: „Ja, das ist schon eine Herausforderung, aber wir machen das für unsere Kunden.“ Auch, weil davon auszugehen ist, dass sich die verkaufsoffenen Sonntag 2022 wieder besser über das ganze Jahr verteilen. Davon geht auch Emilie Leithäuser aus. Die stellvertretende Vorsitzende der Park- und Werbegemeinschaft ist froh, dass es beide Einkaufssonntage gibt und ist sich sicher: „Der 24. Oktober wird noch mal besser als der 3. Oktober“, an dem die Straßen und Läden proppenvoll gewesen seien. Warum sie am kommenden Sonntag mit noch mehr Kunden und Frequenz in der Altstadt rechnet: „Weil die Leute jetzt schon eher wieder in Richtung Weihnachtsgeschenke denken.“

So lief der verkaufsoffene Sonntag am 3. Oktober

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Hintergrund:

Am Wochenende auch wieder Krüglmarkt in Amberg

  • Der Krüglmarkt findet normalerweise rund um den 23. April anlässlich des Patroziniums der Pfarrei St. Georg auf dem Malteserplatz (Georgenstraße) statt.
  • Wegen der Pandemie musste der Krüglmarkt im April 2020 und 2021 ausfallen.
  • Veranstalter Gerhard Stock aus Dassel in Niedersachsen rechnet mit 15 Anbietern.
  • Geöffnet ist der Markt am Samstag, 23. Oktober, von 10 bis 20 Uhr, am Sonntag, 24. Oktober, von 10 bis 18 Uhr.
  • Die Geschäfte machen am Sonntag von 13 bis 18 Uhr auf.
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