Mittwochabend auf der Dult, Kindertag. Draußen fahren sie Karussell, drinnen im Bierzelt der Familie Gschrey ist es eng, laut und aufgeheizt. Ein Auftritt ist angekündigt, der in der Region zieht: Markus Söder, Ministerpräsident und CSU-Chef, kommt zur Wahlkampfunterstützung für Stefan Ott, den CSU-Kandidaten für das Amberger Oberbürgermeisteramt.
Pünktlich um 19 Uhr marschiert Söder durch das Zelt. Der Weg zur Bühne ist eigentlich kurz. Doch für den prominenten Politiker dauert er fünf Minuten, denn er badet noch in der Menge. Es werden Hände geschüttelt, Selfies gemacht und Autogramme verteilt. 1800 Leute sind da. Die Stimmung? Heiter, ausgelassen, fast schon familiär. Senioren, Familien, Schüler sitzen dicht gedrängt auf den Bänken. Ein älterer Herr nimmt einen tiefen Schluck aus dem Bierglas. "I mecht den Job niad hom", ringt er sich auf eine unverwechselbare Oberpfälzer Art angesichts der umwerbenden Fans ab. Viele tragen Tracht. Draußen versuchen weitere Neugierige, durch die Seiteneingänge zumindest einen Blick auf die Hauptperson des Abends zu erhaschen. Am Biertisch Söders steht schon eine große Brotzeitplatte. Söder isst. Die Polizei hält sich dezent im Hintergrund, nur die Personenschützer stehen auffällig im Karree.
"Heute ein schwieriger Tag"
Die Seubersdorfer Blaskapelle spielt, der Geruch von Currywurst, Hendl und Bier liegt in der Luft. Als der Kapellmeister den Ministerpräsidenten bei Neil Diamonds „Sweet Caroline“ zum Mitsingen auffordert, winkt dieser ab: „Heute war ein schwieriger Tag.“ Eine Bombendrohung in München hat die Nachrichtenlage geprägt. Doch als das Zelt unisono „Ohhhh, sweet Caroline“ grölt, kann selbst Söder sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Es ist natürlich eine Inszenierung wie für eine Bühnenshow. Die Anheizer sind MdL Harald Schwartz und Stefan Ott, der Mann, der bald in Amberg regieren will. Er positioniert sich als einer mit Stallgeruch, Humor und einem gewissen unterhaltsamen Redetalent. Er habe zwei Katzen, vier Hühner, einen Gockel namens „Han Solo“ und einen Hund. „Auch wenn meine Mutter mich dafür schimpfen wird: Es ist ein geiler Anblick hier“, ruft er vom Rednerpult aus ins vollbesetzte Zelt. Er zieht Parallelen zwischen sich und Söder: beide Hundebesitzer, beide leidensfähige Club-Fans, beide Star-Wars-Nerds. Söder lässt das weitgehend unkommentiert. Als Ott anregt, dem Ministerpräsidenten ein Reiterstandbild als Denkmal in Amberg zu setzen, wenn Amberg wieder Regierungshauptstadt wird, kontert der Ministerpräsident: „Ein Denkmal ist mir wurscht, da setzen sich nur Tauben drauf.“ Nein, Söder sagt nicht: Wählt diesen Mann. Er adressiert stattdessen an den OB-Bewerber: "Du wirst hart arbeiten müssen, ich wünsch dir viel Erfolg dabei, das fortzusetzen, was Michael Cerny über viele Jahre aufgebaut hat." Amberg sei eben auch eine Stadt "nicht ohne Probleme". Dann wechselt er das Thema.
Die alten Volksfest-Gags
Ob die örtliche CSU-Riege samt interessierten Besuchern sich gewünscht hätte, dass diese Probleme auch angesprochen werden, bleibt ein Geheimnis. Stattdessen applaudieren sie tapfer bei Söders verlässlichsten Volksfest-Gags: Plastikdeckel-Verordnung, Gender-Wahnsinn oder Veganer ("Ein Leben ohne Bratwurst ist möglich, aber nicht sinnvoll"). Es gibt aber kein offensichtliches Grünen-Bashing mehr wie sonst zu ähnlichen Anlässen, stattdessen spricht er ernst über die Wehrpflicht, über Drohnen, über Sicherheit. Die CSU sei „wieder in der Verantwortung“ – jetzt müsse geliefert werden. Die Migration, die sozialen Leistungen, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit: Alles Themen, die ihm jetzt wichtiger sind, als der störende Deckel auf seiner Cola Light. Man merkt: Die Rolle hat sich verschoben. Der Bierzelt-Söder 2025 ist ein bisschen anders als in den Jahren zuvor. Er erzählt von seiner Kindheit neben einer amerikanischen Kaserne und stellt die Frage, ob man sich heutzutage noch auf seine amerikanischen Freunde verlassen kann, angesichts der "ernsten Bedrohung" aus dem Osten. Auch wenn Kanzler Merz "recht gut" mit Trump umgehen könne, "wir müssen auf Verteidigung setzen, Schwäche wird nicht belohnt".
In einer Disziplin bleibt Söder sich aber treu. Er sieht das Festzelt als Mutterkuchen fürs bayerische Lebensgefühl. „In jedem Oberpfälzer Bierzelt steckt mehr Verstand als in mancher Regierungszentrale“, sagt er dann doch ein bisschen einteufelnd auf Berlin. Das gefällt allen und es wird zustimmend applaudiert, vielleicht ist es sogar der lauteste Applaus des Abends.
Am Schluss beweist Stefan Ott, dass er sich doch nicht so leicht vom bühnenerfahrenen Ministerpräsidenten die Show stehlen lässt. Nach Söders Rede zückt er ein Geschenk: eine Bach-Blüten-Mischung „für Revierkämpfer und Krawallmacher“. Ein kleiner Seitenhieb. „Für den Hund“, schiebt Ott grinsend hinterher. Söders Reaktion geht im Gelächter der Festzelt-Besucher unter.































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