17.10.2019 - 11:47 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Von der Ammerthaler Lokalpolitik zerrieben

Mit viel Enthusiasmus und hohen Ansprüchen an sich selbst rückte Host Buhl in den Gemeinderat nach. Keine zwei Jahre später will er sein Mandat niederlegen. Die Begründung sollte schwer zu denken geben.

„Da ich eine politisch motivierte Tat vermute“: Dem früheren Ammerthaler BFA- und jetzt fraktionslosen Gemeinderat Horst Buhl wurde das Auto zum zweiten Mal verkratzt. Deshalb möchte er zurücktreten.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Selbst die nur noch fünf Monate bis zum Auslaufen seines Gemeinderatsmandats möchte Horst Buhl nicht mehr abwarten. Am Mittwoch erklärte er in der Sitzung des Plenums seinen Rücktritt. Formell vollzogen werden soll dieser Schritt im November. Buhls Gesuch traf zu spät im Rathaus ein, so dass es nicht mehr auf die Tagesordnung gesetzt werden konnte. Denn der Gemeinderat muss formal den Rücktritt eines seiner Mitglieder bestätigen, damit er Rechtskraft erlangt.

Nun steht aber ein harter Satz im Raum: "Da ich eine politisch motivierte Tat vermute, bitte ich den Gemeinderat, per Beschluss mich schnellstens aus allen Ämtern und der Verantwortung als Gemeinderat zu entlassen." Buhl las diese Worte aus einer vorbereiten Erklärung ab, in der er darlegte, dass ihm vor wenigen Tagen nunmehr zum zweiten Mal sein Auto offenbar gezielt verkratzt wurde. Der materielle Schaden liege inzwischen bei 4000 Euro.

Kein typische Vandalismus

Der Gemeinderat ist fest davon überzeugt, dass sich diese Taten gegen sein lokalpolitisches Engagement richten. "Ich habe keine persönlichen Feinde", erklärte er gegenüber Oberpfalz-Medien. Buhl bezog sich auf mehrere Indizien für seine Mutmaßungen. So sei das Schadensbild jeweils gleich, aber untypisch für gängigen Autoverkratzer-Vandalismus. Ziel der zweiten Tat vor wenigen Tagen sei sein nagelneues Auto gewesen, das er noch nicht einmal einen Monat fahre und das deshalb ihm wohl nur wenige Leute zuordnen könnten. "Die Polizei meint, solche Zufälle gäbe es nicht, schließt - genau wie ich - eine politische Tat nicht aus", erklärte Buhl.

Politisch isoliert

Seine Mutmaßungen gehen noch deutlich weiter in die Richtung "von politischen Mitstreitern". Einstigen muss es korrekt heißen. Buhl war einer der Mitbegründer des Bürgerforum Ammerthal (BFA), das aus dem jahrelangen, erbitterten Streit um die Zukunft der früher selbstständigen Trinkwasserversorgung der Gemeinde hervorgegangen ist. Im Februar 2018 als Listennachrücker auf sein BFA-Mandat vereidigt, trat der frühere Zeitsoldat und heutige Berufsbetreuer ein Jahr später im Januar aus der Fraktion sowie Wählergruppierung aus.

Februar 2018: Horst Buhl rückt für die BFA in den Ammerthaler Gemeinderat nach

Januar 2019: Horst Buhl kehrt Fraktion und Wählervereinigung den Rücken

Ammerthal

Er sah sich damals von seinen Mitstreitern zu wenig unterstützt in seinem lokalpolitischen Herzensanliegen, einen bestehenden Spielplatz im Pürschläger Tal zu einem generationenübergreifenden Naherholungsareal mit Spiel- und Fitnessgeräten für Kinder und Senioren weiterzuentwickeln. Dazu erklärte der Noch-Gemeinderat, anfangs "zumeist von Weitem gegrüßt" worden zu sein. "Nun sieht man gezwungen weg, will mich nicht wahrnehmen."

Der Bruch

"Über Nacht nach meinem Austritt aus dem Bürgerforum Ammerthal" habe sich das geändert. Auch die erste Tat weise eine zeitliche Nähe zu seinem Fraktionsaustritt auf. Buhl möchte sich all dem nicht mehr aussetzen und einen endgültigen Schlussstrich unter sein lokalpolitisches Engagement in Ammerthal setzen. Das Plenum nahm die Stellungnahme kommentarlos entgegen. Der formelle Gemeinderatsbeschluss soll im November auf die Tagesordnung gesetzt werden. Konnte früher gemäß der Gemeindeordnung ein ehrenamtliches Kommunalmandat lediglich aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen niedergelegt werden, so ist das inzwischen auch ohne Begründung möglich, bestätigte das Landratsamt auf Anfrage.

Obwohl Buhl zuletzt fraktions- und parteilos war, wird ihm ein Nachrücker der BFA-Liste folgen, weil dieses Mandat ursprünglich an diese politische Gruppierung gebunden war.

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