12.04.2019 - 11:24 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Der Ammerthaler Osterbrunnen verbindet Völker und Generationen

Ein falscher Schritt - schon ist das Ei zerbrochen. Auch Plastik hält das nicht aus. Aber der Verlust lässt sich verschmerzen. Bei rund 1000 bunten Eiern, mit denen der Heimat- und Kulturverein (HKV) Ammerthal seinen Osterbrunnen schmückt.

Der Juchzer musste einfach sein: Der Heimat- und Kulturverein Ammerthal hat unter Regie von Jörg Fehlner (links) und Doris Weiß (rechts) zum zweiten Mal einen Osterbrunnen gestaltet.
von Heike Unger Kontakt Profil

Plastik ist bei dieser Aktion nicht verpönt. Im Gegenteil: Echte Eier sind einfach zu empfindlich für so eine aufwendige Dekoration im Freien. Zumindest in dieser großen Zahl. Denn ein paar echte, ausgeblasene Exemplare sind trotzdem dabei. Die Senioren des Vereins und im Ort halten damit die Tradition wach.

Abgesehen davon ist es aber einfacher, Plastik-Exemplare zu nehmen, die man jedes Jahr wiederverwenden kann. Einen "kleinen" Grundstock haben die Ehrenamtlichen um das federführende Geschwisterpaar Doris Weiß (HKV-Vorsitzende) und Jörg Fehlner (Gründungsvorsitzender/Osterbrunnen-Initiator) noch vom vergangenen Jahr: Rund 600 Eier hatten die Ammerthaler 2018 angemalt, um zum ersten Mal bei der Osterbrunnen-Aktion der AOVE mitzumachen (www.onetz.de/2660450).

Jetzt sind sie wieder dabei und verzieren noch mindestens weitere 400 Exemplare. "Damit die Kreativsparte wächst", sagt Doris Weiß. Neben den Kreativen gibt es im HKV Gruppen für Kinder, Tanz, Gesellschaft und Brettspiel und, die wichtigste, die Theaterleute. Und weil der Verein heuer sein Zehnjähriges feiert, legen sich alle besonders ins Zeug - nicht nur für den Osterbrunnen. In Letzteren investieren die Ehrenamtlichen mehrere Tage Zeit. Zuerst wird im Atelier der Ammerthaler Künstlerin Mandy Benndorf eifrig gepinselt. Einige belassen es bei der Tupf-Technik. Andere lassen sich von der Expertin zeigen, wie man einen Osterhasen aufs Ei zaubert: Das ist gar nicht so schwer. Wer eine Birne hinbekommt, kann daraus ganz leicht einen Hasen zaubern. Dazu gesellen sich hübsche Mandala-Variationen, das blaue "Onetz"-Ei von AZ-Praktikantin Verena Schmid, allerlei bunte Blumenmotive - und natürlich typisch Amerikanisches wie die Minions oder ein Football. Schließlich malen auch amerikanische Freunde aus Vilseck mit (Hintergrund). Völkerverbindend ist dieser Osterbrunnen also. Aber auch ein Generationen-Projekt, wie Jörg Fehlner betont: Das Miteinander von Jung und Alt sei das Besondere am Ammerthaler Osterbrunnen. "Und das kommt auch sehr gut an." Tatsächlich ist der jüngste Mitstreiter 6 Jahre alt, der älteste 90.

Ganz schön viel Arbeit, so ein Osterbrunnen. Aber es macht auch Spaß, gemeinsam so ein Werk zu verwirklichen:

Tag zwei gehört dem Grünzeug. Die Helfer schwärmen aus, um bei Hausbesitzern, die dies erlaubt haben, Buchs zu schneiden. Davon haben beide etwas: Das Osterbrunnen-Team bekommt gratis Grünzeug und die Gartler ersparen sich diesen Teil der Frühjahrsarbeit. Ein besonders großer Buchs wird schon mal für nächstes Jahr reserviert. Eigentlich sollte er heuer bereits aus einem Garten verschwinden, weil er einfach zu groß geworden ist. Aber weil das Brunnen-Team inzwischen schon genug Zweige gesammelt hat, lassen die Gartenbesitzer den stattlichen Strauch noch ein Jahr stehen: Dann liefert er 2020 praktisch das gesamte Grün für den Osterbrunnen.

Im Requisitenraum des Vereins werden die grünen Zweige passgenau zusammengeschnitten und auf Eisen-Gestellen fixiert. Das erinnert ein bisschen an Adventskranzbinden. "Mit dem Vorteil, dass es nicht sticht", wie Fehlner augenzwinkernd hinzufügt. So entstehen Quadrate und große Rechtecke, die später am Brunnen zusammengefügt werden. "Christliche Motive" sind es, sagt Fehlner: Eine Osterkrone, ein auferstandener Jesus, frisches Grün und natürlich die bunten Eier. Alles ganz klassisch. "Wir machen das schließlich nicht der Attraktion, sondern der Tradition wegen", betont Fehlner: "So was weiterzugeben, ist auch Aufgabe unseres Vereins."

Im Blickpunkt

Raigering bei Amberg

Im vergangenen Jahr lag Schnee, als der HKV den Osterbrunnen geschmückt hat. Diesmal werden die Helfer beim letzten Akt von warmer Frühlingssonne begleitet. Da macht sogar das zuweilen etwas anstrengende Entwirren der vorgefädelten, langen Eierketten am Brunnen Spaß. Manchmal müssen Doris Weiß und ihre Mitstreiter schon ein bisschen grübeln, welche Kette wo hingehört. Im Eifer des Gefechts sorgt dann ein falscher Schritt sogar für ein zerbrochenes Plastikei. Doch wer kann sich darüber ärgern in der nahezu perfekten Frühlingsidylle an diesem sonnigen April-Tag? Zwischen den zart blühenden Mandelbäumchen, die den Brunnen am kleinen Dorfplatz einrahmen, summen Insekten, im Hintergrund thront die Liebfrauenkirche vor strahlend-blauem Himmel. Kein Wunder, dass die HKV-Crew einen Juchzer tut: Ihr Brunnen ist fertig, jetzt können die Ammerthaler und auswärtige Besucher diesen Anblick genießen. Bis Samstag, 11. Mai. Dann ist die AOVE-Aktion für heuer vorbei.

Hintergrund:

Beim Eierbemalen bekommt der HKV Ammerthal internationale Hilfe: Vertreter der US-Luftwaffeneinheit 2nd ASOS (Vilseck), mit der der HKV Ende Mai ganz offiziell eine Patenschaft eingeht, machen mit. Für die Amerikaner ein besonderer Spaß – denn die meisten von ihnen kannten das Oberpfälzer Osterbrauchtum bislang nicht. Und das Patenbitten mit Holzscheitlknien war auch eine Attraktion.

Genau das wird ein Ziel dieser deutsch-amerikanischen Verbindung sein: Sich gegenseitig Einblick in die jeweils andere Kultur zu geben. Die erste Patenschaft dieser Art zwischen einer Einheit der US Airforce und Vertretern einer deutschen Kommune, wie Jörg Fehlner stolz anmerkt. Offiziell besiegelt wird sie am Freitag, 31. Mai, mit einem Festakt am Dorfplatz. Aber schon jetzt, seit rund drei Monaten, gibt es ein Miteinander zwischen den Amerikanern und dem HKV.

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