01.04.2020 - 11:17 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Corona und die Partnerschaft zwischen Modiin und Ammerthal

Seit über 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Gemeinde Ammerthal und der Kommune Hevel Modiin in der Nähe von Tel Aviv. Kein Jahr ohne gegenseitige Besuche und das seit über 30 Jahren. Heuer wird diese Tradition unterbrochen.

Leere Straßen in Tel Aviv. Normalerweise pulsiert dort das Leben.
von Autor OEProfil

Die Prioritäten haben sich verschoben. Gesundheit, Vorsicht und Vermeidung von Ansteckungen haben Vorrang. Die Einreise nach Israel ist derzeit nicht mehr gestattet. Israelis können auch nicht ins Ausland reisen. Das sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Der „Verein zur Pflege der Partnerschaft Ammerthal-Modiin“ (Modiin-Verein) hält ständig Kontakt mit den Freunden in Hevel Modiin. Derzeit leider nur per Internet oder Telefon. Die geplante Delegationsreise der Ammerthaler nach Israel wurde aus verständlichen Gründen abgesagt. Ob der geplante Jugendaustausch, Ammerthal erwartet im August Jugendliche aus der Partnerkommune, stattfindet, ist noch nicht geklärt. Eher nicht, so der Vorsitzende des Modiin-Vereins, Gerhard Doerfler, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Aber wir sind gewappnet und unsere aktive Jugendgruppe bereitet sich jetzt schon gut vor", so der vorsitzenden weiter.

Insbesondere die Jugend hat Dank Handy und Internet laufend Kontakt mit den israelischen Freunden. Die meist gestellten Fragen von beiden Seiten sind „Wie geht’s?“ und „Was macht ihr den ganzen Tag?“. Die junge Nadine, Beirätin im Verein, hat regen Kontakt mit Jugendlichen, die auch schon in Ammerthal waren. "Wir haben Ausgangsbeschränkungen und dürfen das Haus nur im Umkreis von 100 Metern verlassen", berichten die jungen Israelis. Einkaufen dürfe immer nur ein Familienmitglied. "Die, die derzeit beim Militär sind, können nicht wie sonst an den Wochenenden nach Hause." Die Schulen seien geschlossen und "natürlich", so ein Jugendlicher, "gibt es wie in Deutschland Hamsterkäufe". Toilettenpapier und Desinfektionsmittel stünden hier ganz oben. Eden, der vergangenes Jahr beim Jugendaustausch in Ammerthal war, brachte es auf den Punkt: "Es fühlt sich alles an wie in einem Film."

Gugi, Organisator für Jugendaustausch und Delegationsbesuche, arbeitet zum Teil von zu Hause aus. "Leider kann ich meine Mutter und auch Enkelkinder nicht besuchen", teilte er dem Modiin-Verein mit. "Wir behelfen uns mit Videoanrufen. Den Schabatt verbringen wir nur im engsten Familienkreis." Normalerweise treffen sich am Schabatt, einer der wichtigsten Feiertage der Israelis, nicht nur die Familie sondern auch Freunde und Bekannte. Die Synagogen seien auch geschlossen.

Nechama, eine religiöse Frau aus dem Dorf Mevo Modi´im, teilte dem Verein mit, sie hätte nicht gedacht, dass mit Corona ein weiteres unerwartetes Unglück kommt. Vor neun Monaten hat ein Waldbrand die meisten Häuser des Dorfes vernichtet. Die Bewohner sind derzeit noch in provisorischen Unterkünften in der Umgebung untergebracht. Nechama bedauert es sehr, dass die Familien in Israel zu den jetzt beginnenden Pessachferien allein sein werden. An Pessach gedenkt man an die Befreiung des jüdischen Volkes von der Sklaverei in die Freiheit. Nechama lobte die Arbeit von Hevel Modiin. "Die 23 Dörfer des Kreises Hevel Modiin werden täglich mit sozialen Diensten, Notdiensten und kommunalen Diensten versorgt. Möge Gott uns segnen, gesund, glücklich und geduldig zu sein", teilte Nechama mit.

Natan, Direktor im Büro Hevel Modiin erklärt, die Verwaltung Hevel Modiin in Shoham ist derzeit nur zu 20 Prozent besetzt. "Unglücklicherweise", so Natan, "sind die Synagogen geschlossen. Jetzt ist unser Balkon die Synagoge", teilte Natan schmunzelnd mit. "Hier beten wir und feiern Schabatt."

Hevel Modiin liegt in der Nähe von Tel Aviv. Eine Stadt, die den Ruf hat, niemals still zu stehen. Es heißt Tel Aviv ist eine Stadt, die niemals schläft, man finden zu jeder Tages- und Nachtzeit Gründe zum Tanzen und Feiern, um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Auch hier hat Corona derzeit gewonnen. Die Straßen sind wie leergefegt und der sonst so belebte Strand am Mittelmeer ebenso.

Die Hauptstraße am Strand (Mittelmeer), auf der normalerweise das Leben pulsiert, ist nahezu menschenleer.

Partnerschaft zwischen Ammerthal und Modiin vertieft

Ammerthal

Zu Hause sitzen, telefonieren, Emails und Kurznachrichten schreiben, eigene Videos drehen und versenden sind derzeit die einzigen Möglichkeiten, Kontakt mit Freunden zu halten. Polizei und Sicherheitskräfte achten streng auf Einhaltung der Regeln. Zu Beginn der Krise las ein 80-jähriger Mann im Fernsehen eine Kindergeschichte vor, um den gestressten Eltern unter die Arme zu greifen, berichten die Betroffenen. Es war Staatspräsident Reuven Rivlin. In vielen Medien wird berichtet, dass der Loriot-Sketch „Ich will hier nur sitzen“ auf der Hitliste ganz oben steht. Der Sketch wurde ins Hebräische übersetzt.

Partnerschaft zwischen Ammerthal und Modiin vertieft

Ammerthal
Zufahrtstraßen nach Tel Aviv. In Normalzeiten sind diese immer voller Autos und nach Büro-/Geschäftsschluss ist Schrittgeschwindigkeit angesagt.
Hauptstraße in Tel Aviv - Nähe Strand.
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