30.07.2020 - 18:08 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Gebrochener Kletterhaken: Ungewöhnlich

Dem an der Roten Wand bei Ammerthal verunglückten Kletterer sei eigentlich nichts vorzuwerfen, meint Markus Arnold, von der Bergwacht Amberg nach dem schweren Unfall vom Mittwoch. Einen Warnhinweis gab es aber.

Der Umlenkhaken, das silberfarbene Metallteil oben links, ist gebrochen: So etwas habe er noch nie gesehen, sagt Markus Arnold von der Bergwacht Amberg.
von Heike Unger Kontakt Profil

Markus Arnold, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Amberg, war direkt nach dem Kletterunfall bei der Roten Wand am Mittwochabend in Ammerthal im Einsatz. Und hat sich die Sache auch am Tag danach noch einmal angeschaut – insbesondere den durchgebrochenen Haken, der eigentlich als Sicherung in den Fels gebohrt war. "Ich hab' noch nie gesehen, dass ein Haken bricht", sagt der erfahrene Kletterer. Das Metallteil habe sich nicht etwa aus dem Felsen gelöst, sondern sei tatsächlich abgebrochen. "Da interessiert mich jetzt auch, was dabei rauskommt", meinte Arnold deshalb mit Blick auf die polizeilichen Ermittlungen.

Garantien gibt es nicht

Eine Garantie für solche Sicherungen auf Kletterrouten gebe es grundsätzlich nicht, erklärt Arnold. Haken wie der an der Roten Wand "werden in der Regel vom Erstbegeher angebracht" – also von dem Kletterer, der als Erster auf dieser Route unterwegs ist, und zwar "eigenfinanziert oder teilfinanziert von der IG Klettern". Jeder, der diese Route danach klettert, müsse selbst entscheiden, ob er sich auf die angebrachten Sicherungen verlassen möchte.

Nachdem sich Arnold die Sache selbst genau angeschaut hat, kommt er zu der Einschätzung, dass die Kletterer, die dort am Mittwoch verunglückt sind, nichts falsch gemacht haben. "Denen ist nichts vorzuwerfen", meint er, der Sicherungshaken sei der Schwachpunkt gewesen.

Unfall bei Ammerthal: Kletterer stürzt ab

Ammerthal

Es gab einen Warnhinweis

Allerdings, so fügt er noch hinzu, habe es seit August 2018 einen Hinweis darauf gegeben, dass an der Roten Wand Vorsicht geboten ist. Arnold verweist dazu auf die Internetseite frankenjura.com, die unter anderem auch Informationen für Kletterer und ihre Ziele in der Region veröffentlicht. Hier werden nicht nur Klettertouren vorgestellt, sondern auch Hinweise gepostet, wenn es Probleme gibt, weil eine Wand gesperrt ist.

Aktuell ist dort auch ein Bericht der Bergwacht zum Kletterunfall bei Ammerthal zu lesen. "Zu diesem Haken gab es eine Vorwarnung", weiß Arnold. Tatsächlich gibt es hier seit fast einem Jahr den Hinweis, dass "der Umlenkhaken der Route ´Hey Ho Let´s Go´ (5-) an der Ammerthaler Wand" ein gutes Stück aus dem Fels heraussteht, verbunden mit dem Appell: "Bitte vor Gebrauch auf Lockerung prüfen."

Mehr Andrang wegen Corona

Markus Arnold hat festgestellt, dass in letzter Zeit besonders viele Menschen in der Natur unterwegs sind – das merke man auf Wanderwegen, aber auch bei Mountainbikestrecken, überhaupt im Wald und eben auch an Kletterfelsen. Hier mache sich sicher die Coronakrise bemerkbar: Durch Kurzarbeit hätten viele Menschen auch mehr Freizeit und wegen der Unsicherheit bezüglich des Virus würden viele auch ihren Urlaub heimatnah in Deutschland verbringen.

Das zeigten auch die Kennzeichen parkender Autos in der Nähe von Klettergegenden wie dem Frankenjura, zudem die Rote Wand gehört: Die Münchener Kletterer seien hier sonst eigentlich "eher selten" anzutreffen, sie seien normalerweise am Garadsee unterwegs. Da Corona aber nun viele solcher Pläne durchkreuze, geschehen auch "viele Kletterunfälle heimatnah". Dass solche Unglücke zunehmen, könne man aber in allen Freizeit-Segmenten feststellen: Die Bergwacht, die ausrückt, wenn es um Rettungseinsätze in unwegsamem Gelände geht, ist entsprechend häufiger gefragt.

Bergwacht ist gut gerüstet

Die Amberger Wache sei mit ihren derzeit 28 Aktiven aber gut dafür gerüstet, zumal es in Sulzbach-Rosenberg noch eine ergänzende Wache mit weiteren rund zehn Aktiven gebe. "Das passt schon", bilanziert Arnold, der zudem anmerkt, dass die hiesige Bergwacht "einen sehr aktiven Nachwuchs" hat. Die Aktiven der Bergwacht sind übrigens alle auch Kletterer. In ihrer Ausbildung sei "von Klettern bis Skifahren alles dabei".

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