16.10.2020 - 17:34 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Gemeinderat Ammerthal: Große Diskussion um winzige Häuser

Wenn man nur nach dem Namen geht, sind „Tiny Houses“ winzig. Doch im Gemeinderat Ammerthal lösten sie eine größere Diskussion aus. Und das Thema konnte die ansonsten gerne hart nach Fraktionsgrenzen verlaufenden Abstimmungslinien auflösen.

Der Prototyp eines "Tiny Houses", wie es im "Tiny House Village Mehlmeisel" steht. Es gibt diese Häuser in verschiedenen Ausprägungen. Eine gängige Breite ist 2,50 bis 3 Meter, die Länge liegt oft zwischen 6,50 und 8 Metern.
von Markus Müller Kontakt Profil

Der Sitzungsvorlage des Gemeinderats war zu entnehmen, dass ein Bauherr zwei Modulhäuser, volkstümlich als „Tiny Houses“ bekannt, auf einem Grundstück in der Nähe des Weiherzanter Wegs errichten möchte. Dafür braucht es eine Baugenehmigung, die aber das Landratsamt erteilen muss, wobei laut Andreas Wittmann, dem Geschäftsleiter der Gemeinde Ammerthal, unklar ist, wie die vorläufige Einschätzung des Landratsamtes zu dieser Frage lautet.

Der Gemeinderat sollte nun jedenfalls entscheiden, ob er das gemeindliche Einvernehmen zu dem Bauprojekt erteilt. Eine klare Richtung sei hier schon dem vorberatenden Bauausschuss schwergefallen, hörte man. „Der Zweck des Ganzen ist mir auch nicht klar“, beschrieb Stefan Badura (CWG) seine Probleme mit dem Bauvorhaben. Dienten die beiden Häuser jetzt Ausstellungszwecken oder tatsächlich zum Wohnen?

Sie fügten sich auf jeden Fall nicht ins Ortsbild ein, meinte Robert Weiß (CSU), der von „Schachtelhäusern“ sprach. Außerdem stünden sie zu nahe am Bach, seien also überschwemmungsgefährdet. Weiß wollte lieber eine Gesamtplanung der Gemeinde für dieses Areal. Für Josef Schaller (CSU) gehören diese Haustypen eher in ein Gewerbegebiet.

Plädoyer für mehr Mut

Stefan Anderle (BZA) hatte sich zusammen mit dem Bauherrn („er hat Zeitdruck, weil er vom jetzigen Standplatz weg muss“) die Häuser angeschaut und plädierte für Zustimmung, zumal auch die Nachbarn keine Einwände hätten: „Wir sollten hier mutiger sein, auch mal was anderes probieren.“ Er verstehe das als eine Art Aufbruch in die Zukunft. Bei Stephan Koller (BFA) rannte er damit offene Türen ein: „Der Ort verträgt etwas Modernität.“

Bürgermeister Anton Peter sah allerdings die Gefahr, dass an dieser Stelle eines Tages zehn Tiny Houses stehen und man weder wisse, wer dort wohnt, noch, wie der Müll entsorgt wird. Für Auflagen in diesen Punkten sei das Landratsamt zuständig, meinte Koller.

Georg Paulus (CWG) sah zu viele offen Fragen. Sein Vorschlag, den Bauantrag zurückzustellen und den Bauherrn in der nächsten Sitzung das Konzept vorstellen zu lassen, wurde aber mit 7:8 abgelehnt.

Planungshoheit behalten

Denjenigen, die das gemeindliche Einvernehmen lediglich als „Arbeitsauftrag für das Landratsamt“ verstanden, hielt Gerhard Schuller (CSU) entgegen: „Die Planungshoheit liegt bei uns, und die sollten wir auch bei uns belassen.“ Von daher brauche die Gemeinde einen Bebauungsplan: „Wir müssen für jedes Haus eine Erschließung machen.“

Laut Andreas Wittmann ist die entscheidende Frage die, ob es sich bei dem Areal um Innen- oder Außenbereich handelt. Im Innenbereich brauche man keinen Bebauungsplan, im Außenbereich könne man einen aufstellen, aber normalerweise werde der Bauantrag abgelehnt.

Der Vorschlag von Stefan Anderle, den in der Sitzung anwesenden Bauherrn zu Wort kommen zu lassen, fiel mit 4:11 Stimmen durch. Nach weiteren Einschätzungen, dass das Landratsamt das Verfahren stoppen werde, wenn etwas daran nicht passe, dass es für jedes zusätzliche Haus einen eigenen Bauantrag brauche und dass der Gemeinderat diesen jederzeit ablehnen könne, erteilte das Gremium mit 8:7 Stimmen das gemeindliche Einvernehmen.

Ein Erfahrungsbericht aus einer "Tiny House"-Siedlung

Amberg
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