17.05.2021 - 14:11 Uhr
AuerbachOberpfalz

Auerbach: Jugendliche kämpfen gegen "Vermüllung"

Sechs Jugendliche aus Auerbach wehren sich gegen den Vorwurf, sie seien "Umweltverpester": "Bewaffnet" mit Müllsäcken, Handschuhen und Gummistiefel unterstützen sie den BUND Naturschutz beim Müllsammeln – freiwillig und mit neuen Ideen.

Nino, Tim und Lion (von links) helfen zusammen mit Justin, Chiara und Marius (nicht auf dem Bild) dem Bund Naturschutz Auerbach beim Müllsammeln. Drei Mülltüten voll hat die Gruppe allein am Speckbach gesammelt.
von Jasmin EhbauerProfil

Die Bund Naturschutzgruppe (BN) Auerbach hat Unterstützung bekommen: Seit März helfen Jugendlichen aus der Umgebung beim Müllsammeln mit. Einmal im Monat treffen sich Tim, Justin, Chiara, Lion, Nino und Marius - bewaffnet mit Müllsäcken, Handschuhen und manchmal auch Gummistiefeln - mit Gertrud Burger, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Auerbach, um den Müll anderer Menschen aufzusammeln.

Während der Corona-Pandemie nahm die Vermüllung Burgers Einschätzung nach zu: "Es wird mehr draußen konsumiert, weil man sich vor allem dort trifft. Und dann fliegen die Schokoladenverpackung und die Plastikflaschen eben in den nächsten Busch."

Mehr Mülleimer gefordert

Die Gruppe sucht sich jedes Mal ein besonders zugemülltes Gebiet heraus und ist dort etwa drei Stunden beschäftigt. Ohne die Hilfe der Jugendlichen würde Burger den ganzen Tag beschäftigt sein, da ist sich die 51-Jährige sicher. "Das letzte Mal haben wir drei Mülltüten vollbekommen.", erzählt Tim. Die Jugendlichen sind der Meinung, dass mehr Mülleimer ein Anreiz wären, den eigenen Müll dort zu entledigen als in der freien Natur.

Doch um das Müllproblem nachhaltig zu beseitigen, muss nach Ansicht der Jugendlichen und Gertrud Burger auch die Stadt mehr unternehmen. "Wir würden uns für den Anfang mehr Mülleimer wünschen. Zum Beispiel am Dörtpark. Da laufen sonntags oder bei schönem Wetter viele Menschen durch und da steht kein einziger Eimer", sagte Tim, einer der Jugendlichen.

Die Stadt Auerbach ist da jedoch anderer Ansicht. Generell unterstütze sie jede Säuberungsaktion engagierter Bürger, indem sie den Müll an einem vereinbarten Sammelpunkt abhole und diesen dann fachgerecht entsorge, so die Stadt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Den Vorschlag Burgers lehnt sie allerdings mit der Begründung ab, dass dies "keine zielführende und praktikable Lösung" sei. "Wer absichtlich die Natur verschmutzt, wird noch weniger bereit sein, zum Müllkorb zu laufen, sondern auch weiterhin seinen Abfall dort fallen lassen, wo er diesen gerade loswerden will", hieß es seitens der Stadt.

Gertrud Burgers Vorschlag, die Mülleimer selbst herzustellen, lehnte die Stadt auch ab, da nicht sichergestellt werden könne, dass von diesen keine Unfall- und Verletzungsgefahr ausgehe. Zudem müssten Hunderte von Abfalleimer aufgestellt werden, um die gesamte Gemeindefläche abzudecken. Und um diese regelmäßig zu entleeren, müsste die Stadt mehr Mitarbeiter einstellen. Dafür sieht die Verwaltung derzeit keine Notwendigkeit.

Hinzu kommt, dass es sich nach Einschätzung der Stadt bei der Müllentsorgung häufig nicht um Kleinabfall, sondern um größere Gegenstände handelt, etwa Elektrogroßgeräte. Teilweise fänden regelrechten illegale Entsorgungsaktionen von Hausmüll oder Bauschutt statt. Bemerken Bürger Sperrmüll oder größere Müllansammlungen, können sie sich an die Stadt oder den Bauhof Auerbach wenden, die den Müll beseitigen.

Reifen und Felgen im Speckbach

Auch Burger und die Jugendlichen haben dies schon mehrmals getan, stoßen sie bei ihren Müllsammel-Aktionen doch regelmäßig auf die Überbleibsel dieser illegalen Aktionen. Im Speckbach, einer der Müll-Hotspots Auerbachs, fand die Gruppe beispielsweise mehrere Autoreifen mitsamt Felgen. "Wir haben versucht die Reifen rauszuziehen, aber sie war schon zu zugewachsen", erzählt Tim. "Wer macht denn sowas?"

Für die Gruppe steht fest: Die Vermüllung der Auerbacher Natur kann so nicht weitergehen. Deshalb sammeln sie fleißig weiter und überlegen sich, wie das Problem noch angegangen werden kann. Das Beste wäre Burgers Ansicht nach, neben mehr Abfalleimer das Einführen des gelben Sacks beziehungsweise der gelben Tonne. Denn die gibt es im Landkreis Amberg-Sulzbach bislang nicht.

"Ohne gelben Sack ist keine Mülltrennung Zuhause möglich. Und nur wenige machen sich die Mühe und fahren zum Wertstoffhof, um dort den Plastik- und Verpackungsmüll zu sortieren. Da wird der Müll lieber in der Restmülltonne entsorgt und was nicht reinpasst, landet am Straßenrand", erzählt die 51-Jährige. Auch Bußgelder seien wohl der falsche Weg: "Die Erkenntnis, den eigenen Müll fachgerecht zu entsorgen, muss von innen kommen, nicht durch Strafen."

Vorwürfe von Erwachsenen

So war es auch bei Tim, Justin, Chiara, Lion, Nino und Marius. Die Jugendlichen trafen im März zufällig auf Burger, während diese Müll sammelte, und boten ihr Hilfe an. "Wir hatten wegen Corona eh nichts zu tun und da dachten wir, wir können uns auch nützlich machen", erzählt Tim. Ein wichtiger Beweggrund der Jugendlichen war auch, dass ihnen selbst schon oft von Erwachsenen unterstellt wurde, für die Müllverschmutzung verantwortlich zu sein.

"Wir halten uns oft am Spielplatz in der Nähe des Stadtweiher auf. Dort liegt immer sehr viel Müll herum. Von den vorbeigehenden Erwachsenen muss sich die Gruppe dann Sätze anhören wie: Was fällt euch ein, euren Müll einfach in der Gegend liegen zu lassen" und "Ihr habt den Müll verursacht, jetzt räumt in gefälligst auch weg". Auf die Beteuerung der Jugendlichen, das nicht gewesen zu sein, kommt meist nur: "Das kann ja jeder behaupten." Mit dem Hintergedanken, nicht mehr die zu unrecht Beschuldigten sein zu wollen, fing die Gruppe deshalb selbst an, Müll aufzusammeln. Seitdem unterstützen sie Burger – und wollen damit auch weitermachen.

Auerbacher Naturschützer hoffen auf eine Renaturierung des Speckbachs

Auerbach
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