05.08.2020 - 11:28 Uhr
AuerbachOberpfalz

Dolinen, Ponore, bizarre Felsen: Exkursion in den Herzogswald bei Auerbach

Herzogswald und Bischofswald liegen sich an der oberen Pegnitz gegenüber. Die Namen greifen auf die Montangeschichte der Region zurück, stehen aber auch für einen reichen Naturraum.

Versteckt liegt diese Durchgangshöhle in der Abteilung Lohgraben des Herzogswalds.
von Autor WSLProfil

Der östlich der Pegnitz gelegene Herzogswald bei Auerbach war das Ziel einer Exkursion von Karst- und Naturfreunden. Diese herrliche an die Pegnitz grenzende Waldlandschaft weist ähnliche Karsterscheinungen auf wie der westlich des Flusses gelegene Bischofswald. Die Leitung oblag Heimatpfleger Walter Schraml.

Eindrucksvolle Dolinen, Ponore und eine bizarre Felsenwelt kennzeichnen den zum Veldensteiner Forst gehörenden Naturraum, dessen erdgeschichtliche Entstehung in die Jura- und Kreidezeit vor vielen Jahrmillionen zurückgeht. Aber dieser einmalige Waldkomplex ist auch reich an montangeschichtlichen und sonstigen Spuren einer uralten Kulturlandschaft, wie sich die Exkursionsteilnehmer überzeugen konnten.

Faszinierende Naturerscheinungen im Karst

Neukirchen

Verschwundenes Hammergut

So erinnert nur mehr das kleine Turbinenhaus am Oberlauf der Pegnitz an das fast 600-jährige Hammergut Rauhenstein, das vor mehr als 30 Jahren samt der gleichnamigen Ortschaft der Schutzzone der Nürnberger Wasserversorgung weichen musste. Mehr als 200 Jahre wurden hier Eisen und Blech produziert. In der Folgezeit zogen dann eine Getreidemühle, ein weiteres Mal ein Metallhammerwerk, eine Alu-Bronzefabrik und zuletzt bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine Farbmühle ein.

Über Jahrhunderte war Rauhenstein mit dem Kloster Michelfeld verbunden, das zudem auch den nahe gelegenen uralten Eisenhammer Fischstein in Besitz hatte und überhaupt in der Bewirtschaftung dieses Waldkomplexes eine große Rolle spielte. So betrieben die Mönche auch die Fischzucht im idyllisch gelegenen Kammerweiher.

Zu den jüngsten montangeschichtlichen Relikten in diesem Raum gehört auch die ehemalige Trasse der Nebenbahn Auerbach - Ranna, die seit 1982 stillgelegt ist und seither in Teilen als Wander- und Fahrradweg dient. Über den Haltepunkt Hohe Tanne führte bis zum Bau dieser auch als Erzbahn bezeichneten Strecke im Jahre 1903 die einstmals längste dampfbetriebene Drahtseilbahn Deutschlands. Sie transportierte Auerbacher Eisenerz von der alten Zeche Leonie zum Schienenweg nach Ranna. Von dort gelangte es über Hersbruck rechts der Pegnitz und Neukirchen zur Maxhütte nach Rosenberg.

Herzogswald östlich und Bischofswald westlich der Pegnitz: Beide Bezeichnungen leiten sich von historischen Abmachungen zwischen dem Bamberger Bischof und dem bayerischen Herzog über die Gewinnverteilung aus der Eisenproduktion in diesen beiden Waldkomplexen ab.

Typische Karsterscheinungen

Diese Waldgebiete sind ein wahres Musterbeispiel für eine von Menschen hinterlassene Kulturlandschaft. Das aufmerksame Auge entdeckt neben den Spuren der Eisenverarbeitung alte Grenzsteine, Flurdenkmäler in Form von Gedenksteinen und Marterln sowie Altstraßen, zum Beispiel im Umfeld des Kammerweihers, und auch im Wald künstlich aufgeschüttete Dämme (Weiherdämme) insbesondere im Bereich von Dolinen und Ponoren. Und zu diesen letzteren typischen Karsterscheinungen zählen der große Kammerberg- sowie der Lohbühl- und der legendäre Fuchsbühlponor (allesamt Wasserschlinger oder Schwinden). Mit einigen Höhlen bildeten sie weitere Ziele der Exkursion.

50 Jahre Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst

Neukirchen
Das ehemalige, schlossartige Hammergut Rauhenstein vor dem Abbruch 1987.

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