(ll) Das Gefährliche an der Larve bzw. Raupe sind die feinen Härchen, die bei Menschen allein durch Hautkontakt allergische Reaktionen hervorrufen können. Die Stadt Auerbach ist sich dieses Problems bewusst und hat im Frühjahr etliche Eichen mit einem Spritzmittel auf der Grundlage von Bakterien behandelt, wie Bauhofleiter Matthias Regn erzählt. Wie viel es geholfen hat, könne man derzeit aber noch nicht abschließend sagen.
Regns Leute schauen sich alle 14 Tage die Bäume auf städtischem Grund an, bei denen man ein Gefahrenpotenzial in Sachen Befall durch den Eichenprozessionsspinner vermutet. Wo ein Nest der Tiere entdeckt wird, muss man es erst absaugen und dann abflammen. Vor allem die Nachbehandlung mit Feuer sei wichtig, sagt Regn, weil nur dadurch die feinen Härchen zuverlässig vernichtet würden.
Es gibt Kommunen, die für diese Arbeiten Spezialfirmen engagieren, doch wenn sie wie in Auerbach hauptsächlich in einem kleineren Rahmen erfolgen, können das auch die Bauhof-Mitarbeiter erledigen. "Sie müssen sich dabei aber schützen." Mindestens mit einer Atemmaske, eventuell aber auch mit Ganzkörperschutzanzügen. Was schnell passiert ist, zeigt laut Regn der Fall einer Mitarbeiterin, die im Frühjahr einen schmerzhaften Ausschlag bekam, nachdem sie Abfallmaterial von Eichen beseitigt hatte. "Wir wissen nicht, ob das auf den Eichenprozessionsspinner zurückzuführen ist, aber wir vermuten es."
Einen dramatischen Befall mit den kleinen Tierchen kann Regn in Auerbach nicht feststellen, aber drei bis vier Absaugaktionen habe es heuer bereits gegeben, und auf einige Nester stoße man bei den Kontrollen immer wieder. Warnschilder weisen dann Passanten auf die Gefahr hin. "Aber eine hundertprozentige Sicherheit ist in der Natur nie zu erreichen", meint Regn.
Dass andere Auerbacher unliebsame Bekanntschaft mit den brennenden Härchen der Raupe gemacht haben, ist dem Bauhofleiter noch nicht zu Ohren gekommen. Anfragen von Privatleuten, was man gegen die gefürchteten Tierchen machen kann, bekommt er aber immer wieder. Denn die Stadt ist zwar nicht für den Befall von Privatgrundstücken zuständig, berät aber die Eigentümer gerne, was sie am besten dagegen unternehmen.
Eichenprozessionsspinner: Nicht meldepflichtig, aber inzwischen flächendeckend
Der Eichenprozessionsspinner ist nicht erst dieses Jahr in der Region aufgetaucht. „Der war mit Sicherheit schon früher da“, sagt Michaela Basler, die Gartenfachberaterin des Landkreises. „Aber heuer sind die Leute erstmals sensibilisiert dafür.“
Der Eichenprozessionsspinner ist kein meldepflichtiger Schädling. Michaela Basler kommt also nicht von Amts wegen mit dem Problem in Kontakt, sondern sehr häufig als Beraterin von Gemeinden, die anrufen, weil sie nicht mehr wissen, wie sie mit dem weit verbreiteten Befall umgehen sollen. „Denn inzwischen ist der Eichenprozessionsspinner im Landkreis ziemlich flächendeckend vorhanden.“
Verantwortlich ist immer der Besitzer des Grundstücks, auf dem der befallene Baum steht. Wobei er nicht gesetzlich verpflichtet ist, die Raupen zu bekämpfen. Wenn von dem befallenen Baum etwa keine Gefahr ausgeht, weil der in einem Teil des Gartens steht, den ohnehin nie jemand betritt, entscheidet sich so mancher, hier nichts zu unternehmen. Michaela Basler rät aber in jedem Fall, mit Vorsicht an die Sache ranzugehen und zu berücksichtigen, dass Menschen gegenüber solchen Reizungen, wie sie die Härchen der Tiere hervorrufen, unterschiedlich empfindlich sind. Viele Kommunen hätten sich entschieden, die Bekämpfung Spezialfirmen zu überlassen. Zwei davon seien im Landkreis tätig. In manchen Fällen auch für Privatleute, die sich nicht selbst der Gefahr einer allergischen Reaktion aussetzen möchten.
Kritisch sieht die Gartenfachberaterin die Methode des Abflammens der befallenen Stellen. „Die gefährlichen Brennhaare sind nämlich mikroskopisch klein und können durch die Hitze noch zusätzlich verwirbelt werden.“ Wer den Eichenprozessionsspinner absaugen wolle, müsse mit einem Industriestaubsauger mit einem geeigneten Filter arbeiten und sich auch über die richtige Entsorgung des eingesaugten Materials Gedanken machen.
Derzeit verpuppen sich die Raupen allmählich, um zu Faltern zu werden. Doch auch verlassene Nester sind nicht zu unterschätzen. „Da sind immer noch Häutungsreste und Brennhaare drin“, weiß Michaela Basler. „Das kann immer noch allergische Reaktionen hervorrufen.“ (ll)













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