06.07.2020 - 14:17 Uhr
AuerbachOberpfalz

Wie ein Gnadenbild seinen Weg aus Wien nach Auerbach findet

Was verbindet Auerbach mit Wien und Valencia? Den Namen "Verlassene Mutter" tragen in ganz Europa nur drei Kapellen an den genannten Orten. Jetzt hat jemand nachgeforscht, welche Zusammenhänge es da gibt.

Den neuen Jahresband des Arbeitskreises für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz stellen vor (von links): Manuela Pappenberger (AFO), Reinhold Böhm, der zur Illustration beigetragen hat, Bürgermeister Joachim Neuß, die Autorin der Beiträge aus dem Raum Auerbach, Leonore Böhm, Buchhändler Eckhard Bodner und Bernhard Frahsek (AFO) im Sitzungssaal des Auerbacher Rathauses vor.
von Autor CSProfil

Die Corona-Pandemie bremst auch den Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz (AFO) aus. Seine Jahrestagung in Zusammenarbeit mit dem Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz soll aber nachgeholt werden. Geplant war sie heuer in Auerbach im Bergbaumuseum auf Maffei. Anstelle der Tagung beschränkte sich der 1978 gegründete Arbeitskreis auf die Präsentation des Jahresbandes im kleinen Kreis. Die Ausgabe 2020 beleuchtet auch zahlreiche Kleindenkmäler rund um Auerbach.

Blick zurück auf die Jahrestagung 2019 des AFO

Wiesau

Der Zweite Vorsitzende und Geschäftsführer, Bernhard Frahsek, sowie Manuela Pappenberger, zuständig für die Adressen-Verwaltung, brachten den Jahresband mit zu Bürgermeister Joachim Neuß ins Rathaus. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm aus Grafenwöhr und Eckhard Bodner vom gleichnamigen Buchhandel in Pressath gesellten sich dazu. Die Mitarbeiterin im Rathaus, Sabine Wiesent, hatte sich ehrenamtlich engagiert und die handschriftlichen Beiträge auf den PC übertragen.

"Außerordentliche Autorin"

"Mit der Vorstellung dieses hervorragenden Werkes wollen wir Öffentlichkeit schaffen", erklärte das Auerbacher Stadtoberhaupt. In Leonore Böhm, die aus Auerbach stammt, habe sich eine außerordentliche Autorin der Beiträge für diese Region gefunden. "Sie hat es nicht nur bei ein paar trockenen Sammelergebnissen belassen. Hinter all ihren Nachforschungen stecken Geschichten."

Zum Beispiel ging sie der Frage nach, wie ein Wiener Gnadenbild nach Auerbach gekommen ist. Den sehr seltenen Namen der Kapelle Verlassene Mutter - neben Auerbach kommt er in Europa nur noch in Valencia und Wien vor - erklärt Leonore Böhm: "Das kam wohl so, dass der Geschäftsreisende Wiener Ludwig von Sampo ein marianisches Gnadenbild mit dem Titel Verlassene Mutter sah. Es gefiel ihm, und so nahm er eine Kopie in die Pfarrkirche St. Laurentius in Breitensee bei Wien mit. Das Gnadenbild ist eine Gottesmutter mit Kind, das ein Kreuz hält, die Mutter zeigt einen blühenden Lilienstängel. Die Gottesmutter trägt einen schweren Mantel mit floralem Muster. Zu beiden Seiten der Gottesmutter haben zwei Kinder Schutz gefunden. Sie sind keine verlassenen Kinder mehr."

Heimatstadt nicht vergessen

Weiter schreibt Böhm im Jahrbuch: "Im 18. Jahrhundert gab es in Wien zwei Brüder, Alexander (* 1739) und Johann Michael (gest. 1780) Niller, geboren in Auerbach. Sie waren in Wien zu Vermögen gekommen und haben sich immer wieder als großherzige Spender gegenüber ihrer Heimatstadt erwiesen. Rudolf Weber verdanken wir die Auflösung der Bauinschrift." 1975 ließ der damalige Bergwerkschef Johannes Pfeufer die hölzerne Tür durch eine neue ersetzen. Der Begriff Verlass findet sich übrigens auch im Bergbau. Die abgebauten Teile eines Bergwerkes erhielten die Bezeichnung "Verlassener Schacht".

Warten auf junge Mitarbeiter

Bernhard Frahsek plauderte aus dem Nähkästchen. Manche der ehrenamtlichen Mitarbeiter seien zunächst noch skeptisch und könnten nicht viel damit anfangen, "aber wenn sie sich einmal rein gebissen haben, lassen sie nicht mehr locker". Er fand es schade, dass der Altersdurchschnitt zusehends ansteigt und hoffte auf Unterstützung von jüngeren Leuten. "Da gibt es viele Möglichkeiten." Dazu seien keine großen wissenschaftlichen Vorkenntnisse erforderlich.

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Wissenswertes über Auerbacher Kapellen

Das 192 Seiten starke Jahrbuch kostet zwölf Euro. Seinen Vertrieb unterstützt die Pressather Buchhandlung Bodner; Verkaufsstellen in Auerbach sind im Rathaus und bei Schreibwaren Kleefeldt. Das Titelbild zeigt die Pestsäule in der Michelfelder Straße. Leonore Böhm schreibt über die Lauberkapelle, die Poppenkapelle, die Kapelle Zum guten Hirten in der Rosenhofsiedlung, die Pinzigbergkapelle, die Dreifaltigkeitskapelle in Reichenbach, die Friedhofskirche St. Helena, die Kapellen in Nitzlbuch und Zur Heiligen Familie in Welluck.

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