09.07.2018 - 15:41 Uhr
AuerbachOberpfalz

Wie Pfarrer Ritter die Nazis zum Nachgeben zwang

Von seiner Sorte gibt es nicht mehr viele: Richard Lehner ist ein gebürtiger Hopfenoher. Und aufgrund seines guten Gedächtnisses ein wertvoller Zeitzeuge. Auch vom legendären Pfarrer Ritter kann er erzählen.

Richard Lehner (83) wurde noch in der Pfarrkirche Peter und Paul in Hopfenohe getauft. Er erinnert sich an Pfarrer Ritter und seinen Ministrantendienst bei dem Geistlichen in den 40er Jahren. Mit Lehner kehrten anlässlich des Jubiläumsbesuchs des Dekanats Auerbachs auch die Statuen der Heiligen Peter und Paul nach Hopfenohe zurück. Sie haben schon vor langer Zeit in Troschenreuth eine neue Heimat gefunden.

(mor) Zwei Tage nach seiner Geburt in Hopfenohe am 2. April 1935 wurde Richard Lehner in der Pfarrkirche St. Peter und Paul getauft. Der heute 83-Jährige nahm jüngst am Gottesdienst des Dekanats Auerbach in der Kirchenruine teil und erinnert sich noch, als er im Gotteshaus der bereits geräumten Ortschaft ministrierte. Auch über die Aktivitäten von Pfarrer Ritter und die Erweiterung des Gotteshauses wusste Richard Lehner zu berichten.

Pfarrer Johann Ritter, später Stadtpfarrer von Auerbach, wurde 1933 Pfarrer in Hopfenohe und wollte die Ortschaft durch die Erweiterung des Gotteshauses vor dem Zugriff des Militärs schützen. Dazu sammelte Ritter Geld von den Pfarrbürgern ein, was ihm aber die NSDAP verbot.

Haussammlung verboten

Richard Lehner erzählte noch von der Geschichte, die auch der Auerbacher Heimatschreiber Hans-Jürgen Kugler in seiner Pfarrchronik von Hopfenohe niederschrieb: Da Pfarrer Ritter keine Haussammlung machen durfte, sammelte er beim Gottesdienst Gelder für den Kirchenausbau ein. Diese Kuverts nahmen ihm die Nazis auf dem Weg von der Kirche bis zum nahe gelegenen Pfarrhaus ab; außerdem erhielt Ritter eine Anzeige der Bayerischen Politischen Polizei, weil er das Vorgehen als "Akt des Bolschewismus" bezeichnete.

Der engagierte und umtriebige Pfarrer Ritter schaffte es im Kampf mit den Reichsbehörden, die Geldsammlung in Höhe von 6000 Reichsmark wiederzubekommen und auch die Klage abzuwenden. Der Umbau - der eigentlich fast einem Neubau der Kirche entsprach - begann. Gelder gab es auch vom Bistum Bamberg, größten Anteil hatten allerdings die Pfarrbürger. Mit Spenden von Baumaterial sowie Hand- und Spanndiensten errichteten sie das Gotteshaus; bezahlt wurden sie mit Biermarken. 1935 wurde wieder Gottesdienst in Hopfenohe gefeiert.

Aufschluss über Kosten und Finanzierung gibt die Kirchenrechnung von 1936. Sie beziffert sich auf insgesamt 38 000 Reichsmark, ein Posten - "1800 Reichsmark, Bier für Hilfsarbeiter" - stach dabei besonders hervor. Die Kirchenerweiterung und all der Aufwand konnte nicht verhindern, dass die Nazis den Übungsplatz erweiterten und die letzten Hopfenoher 1939 abziehen mussten.

Die verlassene Ortschaft verwilderte zunehmend, die Häuser dienten zeitweise als Wohnung für Familien der Zielbauarbeiter des Militärs, nach dem Krieg wurden auch Flüchtlinge einquartiert. In der noch voll ausgestatteten Pfarrkirche Peter und Paul hielt Pfarrer Ritter weiter Gottesdienste, an denen auch deutsche Soldaten und polnische Kriegsgefangene teilnahmen.


"Gespenstischer Eindruck"

Richard Lehner stand dabei als Messdiener am Altar. "Auch als Hütebuben kamen wir oft auf die Hopfenohe und streiften durch das verlassene Dorf. Wir schauten durch die eingeschlagenen Fensterscheiben der Häuser, alte Öfen und verwüstete Einrichtungen machten einen gespenstischen Eindruck", erinnert sich der 83-Jährige. Pfarrer Ritter stellte schließlich die Inneneinrichtung von Hopfenohe für die durch Kriegseinwirkungen ausgebrannte und wiederaufgebaute Kirche von Troschenreuth zur Verfügung. Dort fanden auch die wertvollen Barockschnitzereien des Auerbacher Bildhauers Johann Michael Doser eine neue Heimat.

Die Statuen Peter und Paul durften bei der Messe des Dekanats kurz auf die Hopfenohe zurückkehren. Was aus der durch die US-Armee gesicherten Kirchenruine im Sperrgebiet einmal wird, fragte Regionaldekan Josef Zerndl in seiner Predigt: "Wer weiß, ob nicht unsere jungen Ministranten in 80 Jahren in ein Dorf und eine Kirche kommen können, wo wieder neues Leben eingekehrt ist?"

Die Kirche von Hopfenohe
Pfarrer Johann Ritter
Die Kirche von Hopfenohe
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