23.01.2019 - 19:34 Uhr
AuerbachOberpfalz

Schießlärm: Auerbach misst jetzt selbst

Beim Schießlärm sind die Auerbacher einiges gewohnt. Was sie in den letzten Tagen abbekamen, macht aber nicht nur Bürgermeister Joachim Neuß wütend: "Es ist einfach nicht mehr erträglich." Neuß setzt seine Hoffnungen auf ein neues Gerät.

Amerikanische Soldaten fahren mit einem Stryker Radschützenpanzer.
von Markus Müller Kontakt Profil

Was den Auerbachern seit einigen Tagen an nahezu pausenlosem Schießlärm aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr um die Ohren wabert, wird durch die US-Übung "Combined Resolve XI" verursacht. Die "Kombinierte Entschlossenheit" vereinigt nach Angaben der US-Armee 5500 Teilnehmer aus 16 Nationen in Grafenwöhr und dem kleineren Übungs-Areal Hohenfels. Der im Januar ablaufende Teil ist vom 14. bis zum 25. angesetzt, wobei das Ausbildungskommando der US-Armee in Grafenwöhr über seine Pressestelle schon vor einer Woche darauf hingewiesen hat, dass vom 17. bis 19. Januar Ausbildung mit Artillerie vorgesehen ist und dass vom 22. bis 24. Januar Kampf- und Schützenpanzer sowie die Artillerie mit einer Ausnahmegenehmigung bereits ab 6 Uhr schießen dürfen. Dabei könne es "zu vermehrter Geräuschentwicklung ... kommen".

Bürger, die sich über den auch in die Nacht reichenden Schießlärm beschweren wollen, rufen oft im Rathaus an. Bisher konnte ihnen Bürgermeister Joachim Neuß (FW) nur sagen, dass die Stadt bereits seit Jahren gegen diesen Lärm kämpfe oder dass sie sich (wie zuletzt im November) bei der Wehrbereichsverwaltung Süd, dem Bundesverteidigungsministerium und der US-Armee darüber beschwert habe. "Aber wir hatten bislang keine belastbaren Zahlen", benannte Neuß am Mittwoch im Gespräch mit der Amberger Zeitung ein Dilemma dabei. Denn bei längerfristig angesetzten externen Messungen sei der Lärm regelmäßig nie so stark gewesen wie außerhalb der Messzeiten. Deshalb habe die Stadt sich entschieden, ein eigenes Messgerät anzuschaffen und die Daten selbst zu erheben. "Heute morgen waren es über 100 Dezibel", berichtete der Bürgermeister über die im Wohngebiet "Am Dornbach" festgestellten Werte. Zum Vergleich: Bei 85 Dezibel beginnt der für die Ohren kritische Grenzwert. Man habe das Messergebnis den zuständigen Stellen mitgeteilt und werde jetzt prüfen, wie die Stadt weiter vorgehen könne. Die Hoffnung von Neuß: "Wenn wir das methodisch angehen, kommen wir damit auf eine neue Ebene."

Privat hat der Bürgermeister von seiner Wohnung aus in den vergangenen Nächten zwischen 22 und 24 Uhr vor allem viel Lärm wahrgenommen, der offenbar durch die Verlagerung von Fahrzeugen entstanden ist. Viel drastischer beschrieb es Werner Dier gegenüber der AZ. Der Vorsitzende von BUT (Bürgerforum - Umwelt und Truppenübungsplatz) wohnt in Bernreuth, also unmittelbar am Übungsplatz und ganz nahe an der Schießbahn 213: "Wir hören 24 Stunden am Tag Panzergeräusche. Unser ganzes Haus zittert." Das gehe schon seit vergangener Woche so. Wobei die Schießbahn 213 bisher nur Aufmarschgebiet gewesen sei. Geschossen hätten dort die Panzer oder die schwere Artillerie nicht. Das deckt sich mit den Erkenntnissen von Bürgermeister Neuß: "Die schießen nicht von der 213, sondern aus dem freien Raum." Zum Teil aus Stellungen, die keine 1000 Meter vom Dornbach-Wohngebiet entfernt seien.

Was kann das Bürgerforum gegen den aktuellen Lärm tun? Die Beschwerdestelle der Bundeswehr informieren, so Dier, ansonsten erst einmal nicht viel. Den betroffenen Bürgern empfiehlt er, sich direkt an das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr zu wenden. Die Adresse finde sich auf der BUT-Homepage (www.but-buergerforum.de). "Wir können das sonst auch nur weiterleiten."

Das nächtliche Schießen bei Übungen ist laut Dier erlaubt, weil die US-Armee dafür stets Sondergenehmigungen des deutschen Verteidigungsministeriums bekomme. Auf der anderen Seite gebe es ein Gutachten, nach dem jeder Schuss auf der Bahn 213 rechtswidrig sei, weil das Bundesimmissionsschutzgesetz auch für die US-Armee gelte. "Aber wegen der Lärmschutzmaßnahmen dort schiebt einer dem anderen den Schwarzen Peter zu."

Von den offiziellen Messungen zum Schießlärm hält Dier ähnlich wenig wie Neuß. Im Herbst habe er vier Wochen lang eine Messstation auf seiner Terrasse gehabt, so der BUT-Vorsitzende. "Aber da haben sie dann nicht geschossen, und auf der Schießbahn 213 ist in dieser Zeit relativ wenig passiert."

Ein neuer Panzer Stryker mit 30mm-Kanone der US-Armee schießt am 20. Februar 2018 während einer Vorführung auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes in Grafenwöhr. Derzeit bekommen die Auerbacher viel vom Schießlärm der Übung "Combined Resolve XI" ab.

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