02.06.2020 - 14:30 Uhr
AuerbachOberpfalz

Stadt Auerbach zieht bei Internet-Auktion literarischen Schatz an Land

"Drei, zwei, eins ... Unseres!": Bei einer Internet-Auktion bot die Stadt Auerbach mit und nennt jetzt ein fast 300 Jahre altes Buch ihr Eigen. Es versammelt das literarische Gesamtwerk eines Abts aus dem Kloster Michelfeld.

Das Schaffen von Abt Wolfgang Rinswerger scheint einigen Anklang gefunden zu haben. Aus der dritten Auflage von 1729, die nach seinem Tod erschien, stammt das Exemplar, das die Stadt Auerbach jetzt für ihr Archiv gekauft hat.
von Autor SCKProfil

Im Sitzungssaal des Rathauses präsentierte Bürgermeister Joachim Neuß am Dienstag den Sammelband von Abt Wolfgang Rinswerger, der von 1707 bis 1721 die Benediktiner-Abtei im Kloster Michelfeld geleitet hat. Seine Gedichte, Dramen und Bühnenstücke erschienen unter dem Buchtitel „E funere Phoenix“, herausgegeben von Rinswergers Mitbruder Pater Johann Evangelist Heigl. Aus der dritten Auflage, 1729 gedruckt, kam kürzlich ein Band auf den Markt, den die Stadt Auerbach erworben hat.

Die Anregung dazu kam von Stadtrat Herbert Appl. Das heimatkundlich interessierte Mitglied aus dem Leitungsteam der Kolpingsfamilie Auerbach hatte das Angebot auf einer Auktionsplattform in Internet entdeckt. Die Stadt Auerbach schaltete sich ein, gab ein Gebot ab und bekam für 230 Euro den Zuschlag. Der Bürgermeister sah es als es eine gute Investition für das fast 300 Jahre alte, in Leder gebundene Werk.

Aus den aktuellen Gegebenheiten heraus blieb die Präsentation am Dienstag einem kleinen Kreis vorbehalten. Bürgermeister Joachim Neuß bat dazu den Ideengeber Appl, den Auerbacher Chronisten Rudolf Weber und Stadtarchivarin Doris Bundscherer ins Rathaus. In Bundscherers Hände legte er dort den literarischen Schatz zur zukünftigen Verwahrung. Mit Museumsleiterin Marion Ringl ist bereits eine Sonderausstellung zum Leben, Wirken und literarischen Schaffen von Abt Wolfgang Rinswerger angedacht, ließ der Bürgermeister durchblicken.

Chronist Weber lieferte Anmerkungen über das Wirken des am 7. April 1658 in München geborenen enediktinermönchs Rinswerger als Bauherr. Er hat die Gebrüder Asam nach Michelfeld zur Um- und Neugestaltung der Abteikirche geholt. Damals sei sie so geschaffen worden, wie sie uns heute erhalten ist. Mit 18 Jahren trat er 1677 im Kloster Tegernsee in den Benediktinerorden ein. In Salzburg studierte er Philosophie und Theologie und wurde im Jahr 1682 zum Priester geweiht. 1683 wurde er als Professor am Akademischen Gymnasium der Universität tätig und lehrte dort - ab 1689 als Professor der Rhetorik - bis 1697. Er verfasste zu dieser Zeit auch Theaterstücke und Dramen, die gerne aufgeführt wurden. In seinen Salzburger Jahren veröffentlichte er fünf Werke. 1698 warb ihn der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher als Professor der Rhetorik für sein neu eröffnetes Lyzeum ab.

Die Benediktinerabtei Michelfeld postulierte beim Mutterkloster Tegernsee die Berufung eines Abts. Diesem Benediktinerstift stand Rinswerger von 1707 bis zu seinem Tod am 14. Oktober 1721 vor. Abt Wolfgang, der als großer Marienverehrer schon in Freising eine marianische Kongregation errichtet hatte, richtete auch in Michelfeld eine Rosenkranzbruderschaft ein. Neben den ernsten Wissenschaften und seinen Berufspflichten war die Dichtkunst seine Lieblingssache.

Berichte zu Geschichte und Gegenwart des Klosters Michelfeld sind hier zu finden.

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