04.12.2020 - 19:06 Uhr
AuerbachOberpfalz

Stadtrat Auerbach uneins über Anlage mit 23 Eigentumswohnungen

Die „Wohnanlage Meiergraben“ mit 23 Wohneinheiten ist ein weiteres Großprojekt eines Investors in Auerbach. Die jüngsten Erfahrungen mit dem „Wohnpark Adolf-Kolping-Straße“ ließen dazu im Stadtrat mahnende Stimmen aufkommen.

Diese Darstellung zeigt die Ansicht der "Wohnanlage Meiergraben" von Westen. Ein Kinderspielplatz ist im Anschluss an das linke Gebäude vorgesehen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die „Wohnanlage Meiergraben“ soll auf der Brachfläche zwischen Elektro Friedl und der Baywa Technik entstehen, wie Bürgermeister Joachim Neuß den Standort allgemeinverständlich beschrieb. Weil dieses Bauprojekt aber die Vorgaben des dort gültigen Bebauungsplans nicht erfüllt, kann es nur umgesetzt werden, wenn der Stadtrat vorher einen vorhabenbezogenen Bebauungs- und Grünordnungsplan verabschiedet. Und das soll im vereinfachten Verfahren geschehen.

Den Antrag, das so zu machen, stellte die „ProMei GmbH“ als Vorhabenträger. Laut Neuß ist sie eine 100-prozentige Tochter der Raiffeisenbank Auerbach-Freihung. Der Bürgermeister sieht das Projekt als gutes Beispiel für flächensparendes Bauen, wie er sagte. Auf zwei Flurstücken mit einer Gesamtfläche von 3100 Quadratmetern sollen zwei größere Blöcke mit 23 Wohneinheiten entstehen. Die Wohnflächen liegen jeweils zwischen 50 und 90 Quadratmetern.

Bedarf an Mietwohnungen steigt

Ursprünglich waren auf dem Areal in einem „Allgemeinen Wohngebiet“ zwei Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus angedacht. Neuß sah in der Änderung einen Fortschritt, denn: „Der Mietwohnungsbedarf wird in Auerbach stärker steigen als der Eigenheimbedarf.“ Die „ProMei GmbH“ schloss aus der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung, in Zukunft werde „verstärkt Wohnraum für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte benötigt mit einem erhöhten Anteil an barrierefreien Wohneinheiten“. Man wolle mit der neuen Anlage – „23 Komfortwohnungen in zwei attraktiven Mehrfamilienhäusern“ – den „angespannten Wohnungsmarkt in Auerbach bedienen“.

Die beiden Blöcke, die laut Stadtbaumeisterin Margit Ebner bis zu 11,50 Meter hoch und mit einer Erdgasheizung betrieben werden, fanden bei Bernd Scheller (Grüne) Zustimmung. Sie bewirkten eine Nachverdichtung innerhalb der Stadtgrenzen. Die Tiefgarage lobte Scheller, weil sie mehr Grünfläche rund um die Häuser ermögliche.

Alles Eigentumswohnungen

Martin Weiß (FW) hob hervor, es handle sich nicht um ein Grundstück der Stadt, sondern die Raiffeisenbank habe es von einem auswärtigen Erben gekauft. Die Verwertung sei in Form von Eigentumswohnungen vorgesehen, erfuhr Weiß.

Während Peter Danninger für die SPD von einem „zukunftsweisenden Wohnprojekt“ sprach, signalisierte Herbert Appl, die CSU werde dem Vorhaben nicht zustimmen. Zwar begrüße man kleine Wohnungen und eine verdichtete Bauweise sehr, doch störe die CSU-Fraktion die massive Abweichung der Höhen vom Bebauungsplan. „Wir haben uns bei dem Plan von 2002 schon was gedacht“, sagte Appl. Die Anwohner hinter dem Wohnanlagen-Komplex hätten davon ausgehen dürfen, dass auf diesem Grundstück in ähnlicher Höhe wie bei ihnen selbst gebaut werde.

Zudem, so Appl weiter, habe man im Fall des Wohnparks Adolf-Kolping-Straße gesehen, dass Anwohner, die man nicht zu einem Bauvorhaben höre, sich übergangen fühlten und entsprechend reagierten. „Wir sollten diesen Fehler nicht zweimal machen.“

Es sei jedenfalls nicht richtig, dass die Bürger aufgrund des vereinfachten Verfahrens nicht gehört würden, entgegnete Bürgermeister Neuß. Sie hätten dabei in einer Vier-Wochen-Frist Gelegenheit zu einer Stellungnahme. Und genauso sei es bei der Adolf-Kolping-Straße gehalten worden. Bei der „Wohnanlage Meiergraben“ wende man dieselbe Regelung an, „aber eine eigene Anhörung der Anwohner ist dabei nicht vorgesehen“.

"Nicht am Bedarf vorbei"

Josef Lehner (CUU) betonte, es dürfe nicht der Eindruck aufkommen, in Auerbach würden vom Stadtrat nur Großprojekte durchgewunken, kleine Bauvorhaben dagegen nicht. Auch 24 Einfamilienhäuser seien in jüngster Zeit genehmigt worden.

Joachim Neuß hob hervor, hier stelle genau wie bei der Adolf-Kolping-Straße (da ist es die Michelfelder HD Bau GmbH von FW-Stadtrat Dieter Hofmann) ein lokaler Akteur den Antrag. „Wir dürfen uns darüber freuen, dass wir sie haben und dass sie die Bereitschaft haben, hier zu investieren. Und die investieren bestimmt nicht am Bedarf vorbei.“ Solche Wohnprojekte benötige man nicht zuletzt mit Blick auf die 4200 Arbeitsplätze in Auerbach, die neue Bürger anlockten.

Für die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Wohnanlage Meiergraben“, dessen Planungskosten die „ProMei GmbH“ trägt, votierten 14 Stadträte. 4 waren dagegen – alle von der CSU-Fraktion. Der fünfte Mann der CSU, Siegfried Neukam, der erst seit Oktober dem Gremium angehört, erkundigte sich zuerst, ob auch eine Enthaltung möglich sei. Als Neuß das verneinte, stimmte Neukam mit „Ja“.

Was den Anwohnern am Wohnpark Adolf-Kolping-Straße in Auerbach nicht gefällt

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