24.11.2021 - 12:34 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Corona-Regeln bremsen auch Betrieb im Sibyllenbad

Die gute Nachricht: Es ist noch offen. Die schlechte: Es wird komplizierter, sich ein paar Stunden Wellness im Sibyllenbad zu gönnen. Wenn er an die Konsequenzen denkt, muss der Werkleiter tief durchatmen.

Seit Mittwoch sind die Badehalle und der Wellnessbereich im Sibyllenbad aufgrund neuer Vorgaben aus München nur noch nach der 2G-Plus-Regel nutzbar.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Noch vor vier Wochen, bei Inzidenzen unter 50 im Landkreis Tirschenreuth, schien der Badebetrieb wieder ein Stück Normalität. Jetzt ereilt die im Freistaat angeordnete Notbremsung auch das jüngste Kurbad Bayerns. Wie ist die Lage im Sibyllenbad, nachdem über Nacht die Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene dazukam? "Sehr ruhig", kommentiert Werkleiter Gerhard Geiger beim Blick auf den Monitor. Wo sich sonst vielleicht 40 Badegäste tummeln, verlieren sich 4 oder 5 Leute in den Becken. Dennoch steht eine komplette Schließung momentan nicht an. "Da müssen wir gemeinsam durch", lautet die Durchhalteparole.

Am Dienstag hatte die Staatsregierung beschlossen, dass in Freizeiteinrichtungen und damit auch Thermen und Bädern der Zutritt nur noch gemäß der 2G-plus-Regel erlaubt ist. Auch Besucher mit vollständigem Impfschutz oder Genesene brauchen jetzt einen negativen Corona-Testnachweis. Gerhard Geiger ist froh, dass in der jüngsten Verordnung zum Infektionsschutzgesetz wenigstens Tests erlaubt sind, die vor höchstens 24 Stunden gemacht wurden, also nicht "tagesaktuell" sein müssen. "Das bedeutet, dass Besucher immerhin schon am Tag vorher eine Teststation aufsuchen können."

Vor ausverkauften Regalen

Auch über die Qualität der Tests wurde erst von heute auf morgen informiert. Im Gegensatz zu den höheren Anforderungen bei 3G plus genügt nun ein Schnelltest aus dem Discounter, der unter Aufsicht an der Badekasse zu machen ist. Allerdings konnte das Sibyllenbad-Team nur einen sehr begrenzten Vorrat horten: "Ganze sieben Tests haben wir bekommen", sagt der Werkleiter. Er stand selbst vor ausverkauften Regalen, die noch vor wenigen Wochen massenweise mit Tests im Sonderangebot bestückt waren.

„Viele Gäste schütteln aktuell nur noch den Kopf“, weiß der Sibyllenbad-Chef aus Kundengesprächen. "Ich fand die 2G-Regel sicher, mit der wir Ungeimpfte ja schon ausgeschlossen haben." Dass die Regierung höhere Hürden bei Diskothekenbesuchen aufbaue, sei richtig. Aber schmerzbehafteten Menschen den Besuch der Heilwasser-Badelandschaft deutlich zu erschweren, könnten viele Gäste kaum nachvollziehen.

Dass die Inzidenzentwicklung mit dramatischen Situationen auf den Intensivstationen Konsequenzen fordert, sieht der Sibyllenbad-Leiter ein. „Seit Sommer 2020 ist aber auch bekannt, dass Chlor in den Becken und Saunatemperaturen über 60 Grad Celsius dem Virus keine Chance lassen. Bäder und Thermen waren nie Treiber der Pandemie." "Mit 2G plus geht es uns aber noch besser als den Kollegen in Niederbayern", spricht Geiger die komplette Schließung der Thermen bei Inzidenzen über 1000 an.

Anzahl der Spinde entscheidend

Eine weitere Vorgabe aus München begrenzt den Zutritt in Bädern auf 25 Prozent der Kapazität. Maßgeblich ist im Sibyllenbad die Anzahl der Spinde: 120 Kunden gleichzeitig sind erlaubt. "Herbst und Winter, das ist eigentlich unsere Saison", verweist der Werkleiter auf ansonsten um die 1000 Gäste pro Tag. Dabei hatte man zuletzt, bei steigenden Inzidenzen im Landkreis Tirschenreuth, sogar freiwillig auf den Betrieb von Badetempel und Dampfbädern sowie Wedeln bei Sauna-Aufgüssen verzichtet.

Ist ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb unter 2G-plus-Bedingungen überhaupt noch möglich? „Wir brauchen zunächst Fakten über das aktuelle Verhalten der Gäste, um Weiteres entscheiden zu können.“ Gerüchten, wonach die Bade- und Wellnesslandschaft Ende November schließe, widerspricht Gerhard Geiger mit Nachdruck. Allerdings müsse man die Situation immer auch unter dem Aspekt sehen, dass ein Kurbad letztlich mit Steuergeldern subventioniert ist, kündigt der Diplom-Kaufmann eine gründliche Bewertung in den nächsten Tagen an.

„Wir freuen uns über jeden Gast, der regelkonform zu uns kommt“, versichert der Sibyllenbad-Chef. Ein Hinweis ist ihm noch wichtig: "Medizinische Leistungen sind ausdrücklich von der 2G-plus-Regel ausgenommen." Das heißt im Klartext: Wer ein Rezept hat, braucht weder einen Impfnachweis noch einen Coronatest, um im Sibyllenbad eine ärztlich verordnete Behandlung abzuholen.

Die Discos haben schon schließen müssen

Tirschenreuth

„Viele Gäste schütteln aktuell nur noch den Kopf“

Sibyllenbad-Chef Gerhard Geiger

Service:

Diese Regeln gelten im Sibyllenbad

  • Zutritt für die Bade- und Wellnesslandschaft nur geimpft oder genesen und zusätzlich mit negativem Schnelltest
  • Die FFP-2 Maskenpflicht gilt bis zu den Umkleiden und zurück zur Badekasse sowie bei Einzelanwendungen.
  • Limitierung der Anzahl der anwesenden Gäste in Badehalle und Saunabereich: Es wird empfohlen, die kostenfreien Vorreservierung von Tageskarten zu nutzen, Telefon 09638/933-0.
  • Aufgüsse in Saunen ohne Aufgussverteilung („Wedeln“)
  • Dampfbäder und orientalischer Badetempel sind geschlossen.
  • Die medizinische Abteilung (ausschließlich für Rezeptanwendungen) bleibt weiterhin ohne Nachweis zugänglich.
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