28.05.2020 - 13:07 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Für Sibyllenbad Licht am Ende des Tunnels

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Die dreimonatige Schließung des Sibyllenbads neigt sich dem Ende zu. Los geht es mit der medizinischen Abteilung. Doch noch ist offen, wann sich alle 85 Mitarbeiter wieder um Badegäste kümmern dürfen.

Einladend präsentiert sich die Kurpromenade am unteren Ende des Kurmittelhauses. Das Sibyllenbad hat in den vergangenen Jahren hier mächtig investiert. Bleibt zu wünschen, dass auch bald wieder Menschen und Gäste hier an der Südseite des Hauses zu sehen sind.
von Josef RosnerProfil

"Wir hatten in den Jahren 2018 und 2019 eine tolle Steigerung bei den Besucherzahlen in unserem Sibyllenbad. Auch 2020 war in den ersten zehn Wochen hervorragend angelaufen, das ließ uns alle hoffen. Dann hat die Coronakrise uns alles zunichte gemacht", klagt Sibyllenbad-Geschäftsführer Gerhard Geiger. Seit 14. März ist das Bad geschlossen. Doch nun gibt es Licht am Ende des Tunnels: Am 15. Juni öffnet die Medizinische Abteilung für Patienten und Gäste wieder.

Mit dieser "frohen Botschaft" kehrte Geiger von einem Termin mit Bezirkstagspräsident Franz Löffler aus Regensburg zurück. Klar, dass sich die 85 Mitarbeiter des Hauses über diese positiven Nachrichten freuen, können sie doch allmählich wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkommen.

Gerhard Geiger freut sich, dass sich damit zumindest für einen Teil der Gäste wieder die Türen zum Sibyllenbad öffnen. Wann das Herzstück, die Bade- und Wellnesslandschaft sowie der Orientalische Badetempel, aufsperren darf, steht dagegen noch nicht fest.

Leere Becken, keine Gäste

Wenn Werkleiter Geiger durch die Badehalle geht, wird ihm wehmütig zumute. Die Becken sind leer. Dort, wo sich normalerweise Hunderte von Gästen von nah und fern tummeln und die gesundheitsfördernde Wirkung des Heilwassers der Sibyllenquelle genießen, herrscht derzeit gähnende Leere. Gleichwohl ist Geiger überzeugt, dass die Entscheidung, schon am 14. März den Betrieb im Rahmen der vorbeugenden Corona-Schutzmaßnahmen komplett einzustellen, richtig war. Die Schließung fand drei Tage vor der Allgemeinverfügung des Freistaates Bayern statt. "Wir hatten zum damaligen Zeitpunkt keinen bekannten Fall einer Infektion von Gästen oder im Team, und das war gut so."

Geiger betont, dass in einer solchen Ausnahmesituation alle Akteure gefordert seien, ihren Beitrag zum Gesundheitsschutz der Menschen zu leisten. Gleichwohl weiß er, dass trotz rückläufiger Infektionszahlen Covid-19 weiter bleibt. Die Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln habe weiter oberste Priorität. Der 57-Jährige macht deutlich, dass es wesentlich von den Vorgaben aus München abhängt, "inwieweit das Sibyllenbad wieder langsam zum üblichen Betrieb zurückkehren kann".

In den vergangenen Wochen hatten die Beschäftigten des Kurmittelhauses, trotz Kurzarbeit seit 1. April, keinen absoluten Stillstand. Vielmehr wurde die für den Sommer geplanten Inspektionsmaßnahmen vorgezogen. Die Bademeister mit Leiter Helmut Forster hatten da allerhand zu tun. Weiter wurden an der Betriebstechnik Arbeiten durchgeführt, ohne damit die Kunden und Gäste zu beeinträchtigen. Fremdfirmen waren mit Sanierungsarbeiten im Technikkeller beauftragt. Bei der Kurparkpflege fand Sibyllenbadgärtner Patrick Schön zahlreiche freiwillige Helfer aus dem Team der Badelandschaft, die ihn bei der Arbeit unterstützten. Damit ist sichergestellt, dass sich das Kurmittelhaus zu Betriebsbeginn von seiner attraktiven und schönen Seite zeigen kann. Das Kurzarbeitergeld wurde übrigens in dieser schwierigen Phase für alle Mitarbeiter auf bis zu 80 Prozent aufgestockt.

Auszeichnung erneuert

Weiter fand im Mai das jährliche Audit des Qualitätsmanagementsystems durch den TÜV Rheinland statt. Schon 2008 hatten das Sibyllenbad und die Gästeinformation als "Vorreiter im Freistaat" erstmals diese begehrte Auszeichnung erhalten. Und auch heuer wurde die Rezertifizierung, wesentlich bearbeitet von Ursula Stingl, der Leiterin der Gästeinformation, ohne Beanstandungen abgewickelt.

Hintergrund:

Sibyllenbad auch ein wirtschaftlicher Faktor

Seit 2018 bis zum Beginn der Coronakrise wurde das Sibyllenbad von nahezu täglich 800 Gästen besucht. "Im vergangenen Jahr wurden 320 000 Gäste gezählt", sagte Geiger. Rund zehn Prozent kamen aus dem benachbarten Tschechien. Mehr als 105 000 Übernachtungen pro Jahr in der Marktgemeinde Neualbenreuth zeugen von einem wirtschaftlichen Faktor.

Medizinische Abteilung

Das Kurmittelhaus Sibyllenbad verfügt über eine medizinische Abteilung mit badeärztlicher Betreuung sowie Fango- und Bäderabteilung. Dort werden die ortsgebundenen Heilmittel - die radon- und kohlensäuremineralhaltigen Heilquellen sowie Naturfango - im Rahmen ambulanter Vorsorgemaßnahmen (Badekuren) oder privat abgegeben.

Ergänzende Angebote

Ergänzt wird das medizinische Angebot durch Krankengymnastik, Massagen, Physikalische Therapie sowie Bewegungstherapie auch im Heilwasser. Alle Anwendungen können privat oder über Kassenrezept abgerechnet werden.

Badelandschaft

Erholung und Entspannung finden die Gäste in der Heilwasser-Badelandschaft mit Außenbadebereich oder in der Wellnesslandschaft mit acht unterschiedlichen Saunen und einem orientalischen Badetempel. Im Fitnessraum auf der Ruhegalerie können die Gäste im Synchro-Trainingszirkel trainieren. Die wohltuende Wirkung der Sibyllenquelle können die Gäste in Einzelwannenbädern genießen. Sie ist auch in den Becken der Heilwasser-Badelandschaft beigemischt.

Besondere Zielgruppe

Eine besondere Zielgruppe, auch in Coronazeiten, sind laut Vertriebsleiterin Barbara Bannert Präventionsgäste, die zertifizierte Kurse im Bereich Bewegung und Entspannung mit einem Zuschuss der Krankenkasse absolvieren. Diese Kunden, die zum Teil schon seit mehr als zehn Jahren einen Wochenaufenthalt in der Kurgemeinde verbringen, werden befragt, ob sie ihre Buchung aufrecht erhalten und die medizinischen Anwendungen wünschen, auch wenn die Badelandschaft und Wellness derzeit noch nicht geöffnet sind. Bannert betont, wie wichtig ihr die Gäste sind, deshalb kümmere sich das Bad um sie ganz speziell. Es gibt schließlich noch vieles andere rund um die Tillenberg-Gemeinde zu entdecken und genießen.

Für Werkleiter Gerhard Geiger ist klar, dass ein Betriebsablauf mit Mund-Nasen-Schutz und Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln für Mitarbeiter und Gäste schwierig wird. Zusätzlicher Zeit-, Personal- und Kostenaufwand seien im Sibyllenbad ähnlich wie in der Gastronomie zu bewerten. Als Kaufmann, so Geiger, müsse er dies betriebswirtschaftlich sehr kritisch sehen, aber es gehe um ein deutliches Zeichen an Patienten, Gäste und Touristikpartner. Geiger stellt heraus, dass das Sibyllenbad weiter Partner der Region bleiben will.

Auch Hotel öffnet

Erfreulich ist für Geiger, dass am 15. Juni auch das Nachbarhotel "Pyramide" wieder öffnen wird. Für den Werkleiter, der seit 2006 in der Verantwortung steht, ist 2020 sicherlich das bisher schwerste Jahr. Seinen Optimismus freilich hat er nicht verloren, "wir machen weiter, es geht wieder aufwärts". Ab Dienstag, 2. Juni, werden unter Telefon 0 96 38 / 93 30 Terminanmeldungen für die medizinische Abteilung angenommen.

Hier geht es zum Bericht über die Schließung des Bads:

Bad Neualbenreuth
Derzeit herrscht auf den Parkplätzen rund ums Kurmittelhaus noch gähnende Leere, das soll sich bald wieder ändern.
Werkleiter Gerhard Geiger und seine Mannschaft sind für den Restart bestens gerüstet. Neu eingebaut wurden Desinfektionsspender.
Der Eingangsbereich zum Kurmittelhaus des Sibyllenbades mit den Anmeldebereichen.
Ab kommenden Dienstag, 2. Juni sind wieder Anmeldungen für die Medizinische Abteilung möglich, die ab dem 15. Juni starten wird. Gerhard Geiger freut sich auf viele Anmeldungen.
Einladend präsentiert sich die Kurpromenade am unteren Ende des Kurmittelhauses. Das Sibyllenbad hat in den vergangenen Jahren hier mächtig investiert. Bleibt zu wünschen, dass auch bald wieder Menschen und Gäste hier an der Südseite des Hauses zu sehen sind.
Noch herrscht gähnende Leere in der Badelandschaft des Sibyllenbades, aber es gibt Aufbruchstimmung. (jr)
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