27.07.2020 - 16:47 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Gästezahl im Sibyllenbad schwappt nicht über

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Die Badelandschaft des Sibyllenbads hat seit Montag wieder geöffnet – wenn auch unter strengen Hygienemaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie. Es ist ein Baden auf Abstand – das merkt man auch an der Gästezahl.

Gerhard Geiger (links) ist Leiter des Sibyllenbads. Ihm ist der Kontakt zu seinen Gästen wichtig, er hat immer ein offenes Ohr - selbst am Beckenrand. Marina Koch (rechts) besucht seit zehn Jahren das Sibyllenbad. "Es ist schon auffallend leer", sagt sie.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Nur wenige Autos stehen am frühen Morgen auf den Parkplätzen des Sibyllenbads. Das Kurmittelhaus liegt etwas außerhalb von Bad Neualbenreuth umgeben von Natur. Die Gäste schätzen die Ruhe des Kurorts. Es gebe viele Stammgäste, die seit Jahren immer wieder herkommen, sagt Werkleiter Gerhard Geiger. Doch in diesem Jahr ist vieles anders als sonst.

Seit Montag hat der Badebetrieb wieder begonnen – wenn auch mit Einschränkung. Im ganzen Gebäude entdeckt man Desinfektionsspender und dezente Schilder, sie weisen auf Abstand und Maskenpflicht hin. Die Bodensprudler, die Schwanenhälse, der Whirlpool und eine der Hauptattraktionen, der orientalische Badetempel, müssen aufgrund der Pandemie-Vorgaben weiterhin geschlossen bleiben. „Das tut schon weh“, gibt Geiger zu.

Maximal 300 Gäste dürfen gleichzeitig ins Sibyllenbad:

Bad Neualbenreuth

Vor der Öffnung habe noch Unsicherheit geherrscht, sagt der Leiter. Steht am Montag früh um 8 Uhr eine Schlange vor dem Bad oder bleibt es ruhig? Letzteres trat ein, gegen 8 Uhr seien gerade einmal zwei Badegäste erschienen, sagt Geiger.

Stammgast aus Lübeck

Im Laufe des Vormittags füllen sich die Becken zumindest mit sieben Personen, die allesamt mit großem Abstand baden. Die Liegen im Innen- und Außenbereich sind größtenteils verwaist. Marina Koch ist Stammgast aus Lübeck, schon seit zehn Jahren besucht sie immer wieder das Sibyllenbad. Koch genießt die warmen Sonnenstrahlen im Außenbecken, die Wassertemperatur liegt bei 27 Grad. Auffällig sei es, wie leer es hier in den Becken ist. „Für uns ist das natürlich schön“, sagt sie und lacht. „Aber für die Betreiber eher weniger.“

Angst vor Ansteckung habe sie hier im Sibyllenbad keine. Die Schutz-Maßnahmen seien „absolut gerechtfertigt“. Jede Stunde wird das Bad durch eine externe Firma gründlich desinfiziert und auch den Bademeister sieht man immer wieder bei kleinen Reinigungsarbeiten.

Die Lübeckerin mittleren Alters sagt, sie habe gar nicht gewusst, wie gebeutelt der Landkreis Tirschenreuth von der Corona-Krise war. Dass fast jeder in dieser Gegend jemanden kenne, der infiziert war. Norddeutschland sei hinsichtlich der Pandemie „gut weggekommen“, sie kenne keinen Infizierten in ihrem Bekanntenkreis.

Aber dennoch herrscht auch bei ihr Unsicherheit im täglichen Leben. „Man überlegt sich schon dreimal, ob man irgendwo hingeht und ob es denn wirklich sein muss.“ Sie schüttelt den Kopf, sagt, es sei „schon eine schreckliche Zeit“. Doch sie hofft, dass es wieder aufwärts geht. „Auch für die Mitarbeiter hier.“ Denn nach dem Lockdown konnte das Sibyllenbad erst am 15. Juni zumindest wieder ein Teilangebot schaffen.

Sicherheit an erster Stelle

Geiger versucht, die aktuelle Situation gelassen zu nehmen, auch wenn er schon Kritik gehört habe, dass sein Bad vergleichsweise spät aufgemacht hat. Seine Linie ist klar: „Für uns steht die Sicherheit der Gäste an oberster Stelle.“ Erst am Wochenende habe es wieder eine Corona-Masseninfektion auf einem Bauernhof in Niederbayern gegeben, sagt er. Sowas wolle er auf keinen Fall für sein Bad. Für ihn haben die wenigen Badegäste am ersten Öffnungstag aber nicht unbedingt nur etwas mit den Corona-Maßnahmen zu tun. "Im Sommer ist es hier immer etwas ruhiger."

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Deutschland & Welt

Geiger ist nah dran an den Gästen, der Kontakt ist ihm besonders wichtig. Immer wieder plauscht er mit Besuchern, die an ihm vorbeikommen. Er nimmt sich viel Zeit für Fragen, die am ersten Tag auftreten. Er merke, dass ein kleines Gespräch am Flur oder am Beckenrand für manche Leute sehr viel bedeutet - vor allem in der aktuellen Zeit. „Denn gerade ältere Menschen oder Verwitwete wollen Kontakt, sonst vereinsamen sie.“ Für Geiger ist das Sibyllenbad deshalb nicht nur ein Erholungsort, sondern eigentlich auch ein Kontaktbad, sagt er. Er schmunzelt ein wenig, doch er klingt wehmütig, wenn er erzählt: "Durch den Abstand, der auch im Becken gilt, müssen sich die Leute teilweise anschreien, um sich zu unterhalten."

Doch die Pandemie ist eben noch nicht vorbei. Und das sagt er auch seinen neuen Kurgästen, darunter sogenannte Präventionsgäste aus allen Teilen Deutschlands, bei der Einführungsveranstaltung am Montag. Geiger führt die Gruppe durch alle Räume des Kurbads. Unter anderem auch durch die spärlich bevölkerte Badelandschaft.

Überall im Bad stehen Hinweisschilder für die Gäste bereit. Sie erinnern an Abstand und Mund-Nasen-Schutz.
13 Gäste führte Leiter Gerhard Geiger durch die Räume des Kurbads. Insgesamt haben knapp 30 Präventionsgäste aus ganz Deutschland am Montag neu eingecheckt.
Hintergrund:

Die Coronaregeln im Überblick

Seit Montag ist die Bade- und Wellnesslandschaft wieder in Betrieb. Es gelten allerdings einige Einschränkungen

  • Registrierungspflicht: Einzelformulare liegen vor der Badekasse aus.
  • Öffnungszeiten: Badelandschaft von 8-20 Uhr, Wellnesslandschaft von 10-20 Uhr.
  • Eintrittspreise: ausschließlich Drei-Stunden-Tickets für Badelandschaft (8,90 Euro), auch in Kombination mit Saunalandschaft (16,50 Euro). Vorabreservierung derzeit nicht erforderlich.
  • Mund-Nasen-Schutz: muss im Eingangsbereich, auf dem Weg zur Umkleidekabine und in der Medizinischen Abteilung getragen werden. In Nassbereichen nicht erforderlich, auch nicht in Außenbereichen.
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