25.06.2021 - 10:26 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Schutzhaus am Tillenberg bei Bad Neualbenreuth: Initiative verwirft Pläne für Wiederaufbau

Ein Jahrzehnt befasste sich eine Bürgerinitiative auf tschechischer Seite mit dem ehrgeizigen Projekt. Jetzt aber geben die Initiatoren auf. Mit den wichtigsten Partnern war keine Einigung zu erzielen.

Ein Wegweiser mit vielen Wanderzielen auf bayerischer und tschechischer Seite am Tillenberg. Es ist auf beiden Seiten der Grenze beliebtes Naherholungsgebiet. Der geplante Wiederaufbau der Schutzhütte ist jetzt auf Eis gelegt worden.
von Magdalena Becher Profil

Auf dem bayerisch-tschechischen Grenzberg Dylen (Tillenberg) wird es in absehbarer Zeit kein neues Schutzhaus geben. Die tschechische Bürgerinitiative "Život na Dylen" – was so viel heißt wie "Leben auf den Dylen bringen" – gibt ihre diesbezüglichen Bemühungen auf. 1925 hatte der Deutsche Alpenverein Eger und Egerland (bis 1920 Sektion Eger und Egerland des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins) dort ein Grundstück erworben und eine Hütte gebaut. Sie sollte als Ersatz für die 1907 errichtete Egerhütte in den Dolomiten dienen. Diese war nach dem Untergang der Donaumonarchie von der italienischen Regierung geplündert und beschlagnahmt worden.

Die 1926 auf dem Tillenberg eröffnete Hütte, war ein gemütliches, gut ausgestattetes Schutzhaus. Es wurde für Besucher von Nah und Fern zum beliebten Ausflugsziel. Vor der Hütte war ein kleiner Springbrunnen mit Wasserspiel, der aus der Granatquelle gespeist wurde. Die Hütte wurde von einem Verwalter betrieben und bot den Gästen Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten. Das Bergfest, das bereits im Mai 1924 zum ersten Mal auf dem Tillenberg ausgerichtet wurde, wurde zur beliebten Tradition.

Nach dem Krieg im Grenzgürtel

Der Verein kümmerte sich um die touristische Markierung, die die Hütte in das touristische Wegenetz im Oberpfälzer Wald integrierte, bewarb die Hütte bei den Gästen der umliegenden Kurbäder und veranstaltete verschiedene Aktionen und Feste. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich das Tillenschutzhaus im Grenzgürtel, verfiel und wurde 1948 schließlich abgerissen. Nur der Sockel blieb erhalten.

Für die nächsten mehr als 40 Jahre besetzte die Armee den Berg und betrieb dort Abhörstationen. Auf dem weiter eingezäunten Gipfel werden heute Rundfunk-Sendemasten betrieben.

Keine Einigung mit CZ-Staatsforsten

Auf tschechischer Seite bemühte sich die Bürgerinitiative seit mehreren Jahren um eine Erneuerung der Hütte mit dem Ziel, dort wieder Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten für Touristen bereit zu stellen. Bis heute leider vergeblich: Eine Einigung mit der Verwaltung der Tschechischen Staatsforsten, Lesy ČR, die dort Jagd-und Forstwirtschaft betreiben, ist nicht gelungen.

Jiří Maliňak ist der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative. Wie er erzählt, befürchtet die Forstverwaltung einen großen Besucheransturm und hat Bedenken, dass die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet werden könne. Interessenskonflikte könnten die Bewirtschaftung des Waldes etwa Holzfällarbeiten und dergleichen beeinträchtigen. Auf das Angebot, die Erneuerung der Hütte gemeinsam zu realisieren oder ganz selbst zu übernehmen, ging die Forstverwaltung nicht ein.

Projekt in Palič

Die Bürgerinitiative wird die Pläne nun nicht weiter verfolgen, erklärt Maliňak. Nach mehr als einem Jahrzehnt wolle man sich nun auf andere Aktivitäten konzentrieren.

Die Organisation "Život na Dylen" ist bereits seit 2015 dabei, die Kirche St. Anna in Palič zu sanieren. Dort soll ein Kultur-und Gesellschaftszentrum entstehen, das auch grenzüberschreitend ein touristischer Anziehungspunkt werden soll. Geplant ist ein Multifunktionsraum für gesellschaftliche Feiern, Theatervorstellungen, Schulungen und Konzerte.

Die Gemeinde Bad Neualbenreuth bezieht ihr Trinkwasser vom Tillenberg

Bad Neualbenreuth

 

 

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