27.05.2021 - 21:11 Uhr
BärnauOberpfalz

Nach Aus in Bärnau: Mögliche Standorte für Zieglerwerk

Die Entscheidung der Ziegler-Group, auf das 60-Millionen-Euro-Werk in Bärnau zu verzichten, schlägt hohe Wellen. Es bleiben Fragen: Baut das Unternehmen woanders? Haben andere Gemeinden Interesse? Wie sieht es die Bürgerinitiative?

Die Ziegler-Group wird das Holzfaser-Dämmplattenwerk in Bärnau nicht bauen. Standort für das 60-Millionen-Euro-Projekt wäre an der Umgehungsstraße (rechts im Bild nach der Straße) gewesen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Seit Dienstag ist klar: Die Ziegler-Group Plößberg verzichtet auf den Bau des Holzfaser-Dämmplattenwerks in Bärnau. Warum das 60-Millionen-Projekt nicht zum Tragen kommt, darüber hüllt sich die Ziegler-Group weiter in Schweigen. Auf eine erneute Anfrage von Oberpfalz-Medien wurde wieder nicht reagiert.

Wie berichtet, informierte das Unternehmen den Bärnauer Bürgermeister Alfred Stier am Dienstagnachmittag. "Ich muss allerdings deutlich klarstellen, dass es nicht am Telefon war. Wir hatten bei der Ziegler-Group vor Ort eine zweieinhalbstündige Unterredung. Es war für mich kein schönes Gespräch, aber das Unternehmen hat angemessen und auf anständige Weise die Gründe für den Rückzug erklärt."

Nur Spekulationen möglich

Richtig sei allerdings, dass er ohne jegliche Vorahnung, was ihn erwarte, zu dem Treffen gefahren sei. Als Begründung für das Aus des Holzfaser-Dämmplattenwerks an der Bärnauer Umgehungsstraße sei ihm gesagt worden: "Ziegler will keinen Zwist nach Bärnau bringen." Stier hofft aber nach wie vor, dass "sich eine andere Tür" bezüglich Industrieansiedlung auftut.

So bleibt nur, über die wahren und weiteren Gründe zu spekulieren. Braucht die Ziegler-Group das Werk nicht mehr, aus welchen Gründen auch immer? Ist ein anderer Standort, an dem es keine Widerstände aus der Bevölkerung gibt, schon ausgemacht und in Planung? Wechselt die Ziegler-Group gar den Landkreis? Schon vor einigen Wochen, als bekannt wurde, dass sich eine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung gegründet hatte, hatte Neustadts Landrat Andreas Meier auf einer Onetz-Facebook-Seite gepostet: "Wir finden in NEW bestimmt noch eine geeignete Fläche."

Bürgerinitiative: Kein Sieg

Für sie gehe es um die Sache, sagt die Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Stadtratsmitglied in Bärnau, Anna Schwamberger. "Wir feiern den Rückzug von Ziegler nicht als Sieg." Am Mittwochvormittag hörte die Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens die ersten Gerüchte, die sich am Nachmittag bestätigten. "Mich würden die eigentlichen Gründe der Firma interessieren. Es fehlt eine klare Stellungnahme. Warum hat Ziegler nicht den Bürgerentscheid abgewartet?", fragt sie sich zudem.

Auf einer öffentlichen Versammlung vor einigen Wochen habe nämlich der Prokurist des Unternehmens, Andreas Sandner, betont, wie wichtig für Ziegler die Bürgerbeteiligung sei. Skeptisch ist Schwamberger bezüglich der Tatsache, dass der Bürgerentscheid trotzdem durchgezogen wird.

„Mich würden die eigentlichen Gründe der Firma interessieren. Es fehlt eine klare Stellungnahme. Warum hat Ziegler nicht den Bürgerentscheid abgewartet?“

Anna Schwamberger, MdL und Stadträtin Bärnau

Anna Schwamberger, MdL und Stadträtin Bärnau

Für die Aussagen des Bärnauer Bürgermeisters, der sie wie angekündigt in der nächsten Stadtratssitzung zum Rücktritt auffordern will, habe sie kein Verständnis: "Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen für meine Heimatstadt gehandelt. Ich bin nicht gegen das Projekt, sondern gegen den Standort für das Werk. In einer Demokratie muss man auch den anderen ihre Meinung zustehen."

Die Bürgerinitiative habe noch keine Versammlung gehabt und nur eine Unterschriftensammlung durchgeführt. "Wir haben die Aktion nur angestoßen. Wenn das als Gegenwind schon reicht . . . " Auch mit der Plakataktion an Pfingsten habe die Initiative nichts zu tun. Am Pfingstmontag waren in der Stadt Transparente aufgetaucht mit Parolen gegen die Ziegler-Group. Bürgermeister Stier hatte die Transparente sofort entfernen lassen.

Keine Sorgen in Tirschenreuth

Aufdrängen wolle sich der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz nicht, sagt er am Donnerstag in einem Telefonat aus seinem Urlaubsort Meran. "Ich habe die Meldung über den Ziegler-Rückzug heute morgen auf meinem Handy gelesen. Die Fairness gebietet, dass wir nicht gleich was unternehmen." Die Entscheidung des Unternehmens bedauere er. "Der Landkreis hat nämlich derzeit eine riesen Entwicklungsmöglichkeit."

„Ich habe die Meldung über den Ziegler-Rückzug heute morgen auf meinem Handy gelesen. Die Fairness gebietet, dass wir nicht gleich was unternehmen.“

Toni Dutz, Bürgermeister von Wiesau

Toni Dutz, Bürgermeister von Wiesau

Sollte die Ziegler-Group, die mit ihrer Logistik-Sparte schon am Wiesauer Bahnhof ist, allerdings auf ihn zukommen, würde er sich um einen Standort für das Werk bemühen, erklärte Dutz. Das interkommunale Gewerbegebiet als Zusammenschluss mehrerer Gemeinden, derzeit 20 Hektar, wäre erweiterbar und die Flächen weit weg von jeglicher Wohnbebauung.

Beim Engagement der Ziegler-Group in der Region steht das 220-Millionen-Projekt in Tirschenreuth an erster Stelle. Die Absage für das Vorhaben in Bärnau ist für Bürgermeister Franz Stahl kein Grund zu Sorgen, dass das Unternehmen seine Absichten in Tirschenreuth überdenken könnte.

Stahl, derzeit auf Reha am Chiemsee, hat den geplanten Neubau eines "Holzbau-Kompetenz-Zentrums" zur Produktion von Fertighäusern zur "Chefsache" erklärt. Tirschenreuth als Alternativ-Standort für die Dämmplatten-Fertigung schließt der Bürgermeister aus.

Stahl könne sich die Enttäuschung in Bärnau sehr wohl vorstellen: "Die Absage muss für Bürgermeister Alfred Stier ein harter Schlag gewesen sein. Immerhin hat er sich massiv für die Betriebsansiedlung eingesetzt." Stahl ist auch von der Reaktion der Anwohner in der Nachbarschaft überrascht. Schließlich sei von Anfang an bekannt gewesen, dass auf dem Areal jenseits der Umgehungsstraße ein Gewerbegebiet vorgesehen ist. Jedoch erachtet Stahl auch die Uneinigkeit im politischen Gremium als kritischen Punkt.

Für das Vorhaben in Tirschenreuth ist er weiter zuversichtlich. Noch vor zwei Tagen hätte er den aktuellen Stand mit den Verantwortlichen des Unternehmens besprochen. Und es werde weiter nach Plan verfahren. Als einer der nächsten Schritte folge die Bürgerbeteiligung. "Wir werden alles sehr transparent über die Bühne bringen", versichert der Tirschenreuther Bürgermeister. Die Vorgänge in Bärnau sollten Ansporn für die Menschen sein, dass so etwas in Tirschenreuth nicht passieren dürfe.

Landrat erwartet Unterstützung

"Ich habe Stefan Ziegler und die Ziegler-Group als heimatbewussten Unternehmer kennengelernt, der zur Region steht, jedoch auch Unterstützung der Region und Rückhalt der Menschen erwartet", schreibt Landrat Roland Grillmeier in einer Presseerklärung. "Deswegen hätte ich mir ein positives Votum der Mehrheit der Menschen in Bärnau erhofft."

„Von diesen Akteuren, die etwas infrage stellen, erwarte ich auch Pläne für die Zukunft der Heimat. Nur dagegen sein, ist mir zu einfach.“

Landrat Roland Grillmeier

Landrat Roland Grillmeier

"Wer soll sich jetzt in Bärnau ansiedeln? Hat man andere Betriebe?", fragt der Landrat. Nur "Nein" zu sagen, sei keine Alternative. Die Politik mit Landrat, Bürgermeister und Stadträten sollte zu den Unternehmen der Region stehen. "Natürlich gehören Diskussion vor Ort und auch berechtigte Interessen dazu. Ob Bürgerentscheide aber der richtige Weg sind, stelle ich in den Raum. Ich bin immer gut gefahren mit Gesprächen, die man derzeit zum Beispiel in Tirschenreuth führt." Aktionen wie in Bärnau würden zeigen, wie es nicht laufen sollte. "Von diesen Akteuren, die etwas infrage stellen, erwarte ich auch Pläne für die Zukunft der Heimat. Nur dagegen sein, ist mir zu einfach", so der Landrat.

Seit Dienstag offiziell: Ziegler baut nicht in Bärnau

Bärnau
Kommentar:

Zukunft ohne Ziegler

Zwischen Bangen und Hoffen manövrieren sich die geplanten Werksansiedlungen durch eine holprige emotionelle Landschaft. Dabei sind es verständlicherweise die direkt betroffenen Bürger, die als erste reagieren. Ob dieses Stimmungsbild dann der allgemeinen Einschätzung entspricht, sei dahingestellt. In Bärnau jedenfalls sind dadurch die Würfel gefallen. Dass Alfred Stier am Ratsbegehren festhält, erscheint etwas eigensinnig. Sollte die Mehrheit das Projekt stützen, würde das wohl auch nichts mehr ändern. Oder gibt es einen Plan B? Bärnau jedenfalls muss bei der Planung und Finanzierung der urbanen Zukunft neu kalkulieren. Der Faktor Ziegler ist keine Option mehr.

Werner Schirmer

 

 

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