26.05.2021 - 17:01 Uhr
BärnauOberpfalz

Ziegler-Group streicht 60-Millionen-Projekt in Bärnau

60 Millionen Euro wollte die Ziegler-Group Plößberg in ein neues Holzfaser-Dämmplattenwerk in Bärnau investieren. Bis zu 100 Arbeitsplätze sollten entstehen. Am Dienstag kam das Aus für das Großprojekt.

Auf einer Fläche von 12 Hektar (schraffiert) wollte die Ziegler-Group ein Holzfaser-Dämmplattenwerk an der Umgehungsstraße von Bärnau bauen. Am Dienstag erhielt Bürgermeister Alfred Stier die Mitteilung, dass das Plößberger Unternehmen das Projekt nicht weiter verfolgt.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Der Anruf kam ohne Vorwarnung", sagte am Mittwoch ein völlig geknickter Bärnauer Bürgermeister. Andreas Sandner, Prokurist der Ziegler-Group, hatte Alfred Stier am späten Dienstagnachmittag in einem Gespräch mitgeteilt, dass das Unternehmen das Holzfaser-Dämmplattenwerk in Bärnau nicht bauen wird. "Was mit den 12 Hektar passiert, die die Ziegler-Group bereits gekauft hat, ist noch offen", bestätigte der Bürgermeister.

Rekord bei Bauleitplanung

Die Stadt habe nach der Ankündigung des Vorhabens Anfang Dezember 2020 mächtig vorgelegt. "Wir hatten einen Rekord bei der Bauleitplanung aufgestellt, wir waren schon fast vor dem Spatenstich", sagte das Stadtoberhaupt. Baubeginn sollte noch in diesem Jahr sein, die Produktion 2022 in dem Werk beginnen. Zusätzlich wollte die Ziegler-Group 40 Holzhäuser hinstellen.

Keine Aussagen dazu, warum das Projekt in Bärnau jetzt nicht verwirklicht wird, gibt es von dem Unternehmen. Die Ziegler-Group hat auf die Bitte von Oberpfalz-Medien um eine Stellungnahme am Mittwoch nicht geantwortet.

Die Absage treffe ihn besonders hart, so Stier. "Ich bedauere das zutiefst, ich bin maximal enttäuscht. Es wäre eine Jahrhundertchance gewesen." Der Bürgermeister hatte auf die Gewerbesteuereinnahmen spekuliert, um anstehende Projekte zu verwirklichen. "Uns fehlen drei Millionen Euro jährlich. Und das ist eher tief gestapelt", so der 60-Jährige.

"Viele Halb- und Unwahrheiten"

Warum das Projekt nicht zum Tragen kommt, ist für Stier klar: "Ziegler will keinen Zwist in Bärnau reinbringen. Die Umstände wären für das Unternehmen ein schlechter Start. Zudem werden viele Halb- und Unwahrheiten über Ziegler verbreitet, das finde ich nicht gut."

In Teilen der Bärnauer Bevölkerung war in den vergangenen Wochen großer Widerstand gegen das Vorhaben des Plößberger Unternehmens laut geworden. In einem Schreiben an Bürgermeister und Stadtrat hatten die Bewohner des Gebiets "Am Kellerberg" ihre Bedenken gegen das geplante Sondergebiet "Am langen Rain" zusammengefasst. Der Brief wurde am 3. Mai im Rathaus abgegeben, unterschrieben von allen 45 Anwohnern.

Zehn Prozent schnell erreicht

Zudem gründete sich eine Initiative mit Anna Schwamberger, Doris Kraus, Roman Mühlmeier und Cornelia Schwamberger. Sie forderten die Einbindung der Bevölkerung in die Entscheidung. Grundsätzlich seien sie nicht gegen die Expansionschancen für die Industrie, erklärten sie. Allerdings würden für sie bei der Standortwahl die Nachteile überwiegen. "Die Zehn-Prozent-Hürde aller Wahlberechtigten, die das Bürgerbegehren befürworten, wurde mit Leichtigkeit erreicht", teilten die Initiatoren in einer Pressemeldung vorige Woche mit. Die Voraussetzungen für den Bürgerentscheid wären somit in Rekordzeit gegeben gewesen.

Am Pfingstmontag seien in der Stadt Plakate "Kontra Ziegler" aufgetaucht, bestätigte der Bürgermeister. Von einem "Monster-Werk" sei unter anderem die Rede gewesen. "Ich habe sie sofort entfernen lassen, da das nicht genehmigt war."

Bürgermeister fordert Rücktritt

„Ich bedauere das zutiefst, ich bin maximal enttäuscht. Es wäre eine Jahrhundertchance für unsere Stadt gewesen.“

Alfred Stier, Bürgermeister Bärnau

Alfred Stier, Bürgermeister Bärnau

Hart ins Gericht geht Stier mit Stadträtin Anna Schwamberger, eine der Hauptinitiatorinnen des Bürgerbegehrens. "Sie hat als Stadträtin einen Eid geschworen, zum Wohle der Stadt zu entscheiden", sagte der Bürgermeister. Das sei seiner Meinung nach aber nicht gegeben. "Ich werde sie in der nächsten Stadtratssitzung zum Rücktritt auffordern. Ich erwarte nämlich von jedem, egal welcher Partei, maximale und positive Unterstützung." Das Verhalten von Schwamberger sei "unverantwortlich und äußerst schwach".

Den Bürgerentscheid will Stier auf jeden Fall durchziehen. Zur Abstimmung steht am 20. Juni nach wie vor, unabhängig vom Rückzug der Ziegler-Group, ob Projekte weiterverfolgt werden sollen. "Ich will generell wissen, wie die Bärnauer Bevölkerung zu Industrieansiedlungen steht. Das Holzfaser-Dämmplattenwerk kommt zwar nicht, aber nachdem die Ziegler-Group das Grundstück gekauft hat, möchte ich sie, wenn möglich, in der Stadt halten", so Stier.

Jeder wahlberechtigte Bürger von Bärnau soll am 20. Juni folgende Frage mit "Ja" oder "Nein" beantworten: "Sind Sie dafür, dass das laufende Bebauungsplan- und Flächennutzungsplanverfahren der Stadt Bärnau (Bauleitplanung für das geplante Sondergebiet am langen Rain mit der Zweckbestimmung holzverarbeitende Betriebe) weitergeführt werden soll?" Dann habe er Klarheit und könne danach handeln, so Stier.

Anmerkungen der Redaktion: In der ersten Version des Textes hieß es in der Überschrift, dass die Absage der Ziegler-Group am Telefon kam. Dies ist falsch. Wie Bürgermeister Alfred Stier am Donnerstag mitteilte, hatte er am Dienstag einen Anruf mit der Bitte um ein Gespräch bekommen. "Wir hatten bei der Ziegler-Group vor Ort dann eine zweieinhalbstündige Unterredung. Es war für mich kein schönes Gespräch, aber das Unternehmen hat angemessen und auf anständige Weise die Gründe für den Rückzug erklärt", so Stier.

Gegenwind von Bürgerinitiative

Bärnau

Infos zur Firmenansiedlung von den Verantwortlichen

Bärnau
Hintergrund:
  • Dezember 2020: Im Bärnauer Stadtrat wird bekanntgegeben, dass die Ziegler-Group ein Holzfaser-Dämmplattenwerk „Am langen Rain“ an der Umgehungstraße baut, dazu noch 40 Holzhäuser.
    Geplanter Baubeginn: Mitte 2021
    Produktionsbeginn: 2022
    Investitionsvolumen: 60 Millionen Euro
    Flächenbedarf: 12 Hektar, Ziegler-Group ist Eigentümer des Grundstücks.
    Arbeitsplätze: 80 bis 100
  • 3. Mai 2021: 45 Anwohner des Wohngebietes „Am Kellerberg“ übergeben Unterschriftenliste gegen das Projekt an Bürgermeister und Stadtrat. Sie befürchten eine Zunahme des Verkehrsaufkommens und des Lärms.
  • 21. Mai 2021: Bürgerinitiative hat für das Bürgerbegehren 10 Prozent der geforderten Unterschriften erreicht.
  • 25. Mai 2021: Ziegler-Group gibt bekannt, dass sie das Holzfaser-Dämmplattenwerk in Bärnau nicht baut.
  • 20. Juni 2021: Das geplante Bürgerbegehren soll trotzdem stattfinden.

 

 

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