06.03.2020 - 12:36 Uhr
BärnauOberpfalz

Bald kommen Garnelen aus Bärnau auf die Teller

Der Fischereibetrieb von Alfred Stier ist für Innovationen bekannt. Jetzt wartet er mit neuen Zuchttechniken auf. Damit will er auch Garnelen für den Markt produzieren.

Garnelen der Gattung Litopenaeus vannamei, white shrimp oder Weißbeingarnele gibt es bald frisch auf den Tisch, direkt von der Zuchtanlage auf der Wendermühle von Alfred Stier. Die Tiere werden als Larven gesetzt und wachsen nach etwa einem halben Jahr zur Speisegröße von rund 25 bis 30 Gramm auf 15 bis 20 Zentimeter heran.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Auf einer Stippvisite durch die Region stattete die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, auch der Fischzuchtanlage Stier auf der Wendermühle einen Besuch ab. Der Hauptgrund, warum die Ministerin die Anlage besuchte, ist eine neue Holzvergaseranlage.

Käferholz verstromen

Vor sechs Wochen, bei einem Gespräch aller Oberpfälzer Bürgermeister mit Ministerpräsident Markus Söder, ging es auch um die Themen Energie und Käferholz. Alfred Stier nahm daran teil und warf die Frage auf: "Warum verstromt ihr euer Käferholz nicht einfach?" Denn seine Hackschnitzel, die er verwendet, um sowohl Strom als auch Wärmeenergie zu produzieren stammten zum Großteil aus Käferholz und davon sei immer mehr zu erwarten.

Wie das funktioniert wollte sich Kaniber vor Ort selbst anschauen. Die Holzvergasergeschichte sei gerade für Waldbauern sehr interessant, weil sie darauf angewiesen seien ihre Betriebe auf mehrere Standbeine zu stellen. Stier bekannt für Überraschungen, was das Metier Fischzucht betrifft, hat nämlich wieder einmal Neuheiten vorzuweisen. Eine davon befasst sich eben mit der Energieerzeugung aus dem Holzvergaser. Wie das genau funktioniert, erklärte der Ministerin der 16-jährige Hofnachfolger Josef Stier, der derzeit seine Ausbildung zum Fischwirt macht.

Demnach produziert der Betrieb die benötigte Energie und Wärme selbst aus Hackschnitzeln, die eben die erwähnte Holzvergaseranlage befeuern. Das entstehende Gas speist ein Blockheizkraftwerk das etwa 70 Kilowatt Strom pro Stunde plus 140 Kilowatt thermische Abwärme produziert. Damit wird Quellwasser auf die Temperaturen aufgeheizt, die die optimale Wachstumsgeschwindigkeit von Fischen und sogar Meerestieren fördert.

8000 Quadratmeter

"Unter der Heizkraftwerk-Anlage befinden sich mehrere Hallen", erklärte Stier senior. Auf einer Grundfläche von 2000 Quadratmetern auf vier Ebenen, also eigentlich 8000 Quadratmeter, verteilt auf zwei Stockwerke, produziert er hier künftig auch Garnelen. Die Tiere werden als Larven gesetzt und wachsen nach etwa einem halben Jahr zur Speisegröße von rund 25 bis 30 Gramm auf 15 bis 20 Zentimeter heran. Dazu wird Salzwasser auf 30 Grad Celsius aufgeheizt, die perfekten Bedingungen für die Meerestiere.

In einer weiteren Abteilung befinden sich Becken mit 24 Grad Celsius warmen Süßwasser, in dem Zander optimale Lebensbedingungen finden. In einer dritten Abteilung wird das Wasser konstant auf 14 Grad Celsius gehalten. Diese Kaltwasserumgebung ist ideal für die Aufzucht verschiedener Salmonidenarten, wie Forellen und Saiblinge. Ein klassisches Bruthaus befindet sich ebenfalls in der neuen Anlage zu der Fischfeinde wie Otter, Kormoran oder Reiher keinen Zugang haben, weder vom Boden, noch aus der Luft. Alfred Stier hat alles so geplant, dass eine Erweiterung jederzeit möglich wäre. Laufe alles zur Zufriedenheit hat der Fischzüchter vor, sogar die Exkremente, die dabei entstehen, gewinnbringend zu nutzen.

Der Fisch- und Garnelen-Kot, und das sei eine ganze Menge, solle dann den Nährboden für die Eier und Maden von Soldatenfliegenlarven darstellen, verriet er. Die Maden würden geerntet, getrocknet und zu Insektenmehl verarbeitet. Ein wertvoller proteinreicher Rohstoff, der Fischmehl, das oft aus Peru oder Chile komme, ersetze. Weitere Bestandteile wie etwa Getreide werde ohnehin schon vor Ort erzeugt. In Frankreich werde das neuartige Fischfutter bereits produziert. Stier hat es schon ausprobiert und ist begeistert. Er will mit Vorreiter in Deutschland sein. Er stellte fest: "Durch diese neue Art der Proteingewinnung lässt sich ein geschlossener autarker Kreislauf verwirklichen."

"Das wird die komplette Aquakultur weltweit verändern", ist er sich sicher. Auch die umstrittene Lachsindustrie werde damit revolutioniert. Bei der Fliegenzucht will Stier die Biogasanlagen-Betreiber mit ins Boot holen, um mit großen Einheiten arbeiten zu können.

Josef Stier (links) und Alfred Stier (Mitte) erklären Ministerin Michaela Kaniber die Technik der neuen Anlage auf der Wendermühle.
Tropische Riesengarnelen der Spezies Litopenaeus Vannamei auf Eis. Diese Köstlichkeiten gibt es bald auch aus der Oberpfalz.

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