22.07.2019 - 12:26 Uhr
BärnauOberpfalz

Mit Bio-Karpfen die Großstadtmärkte erschließen

Welche Chancen bietet die Öko-Modellregion Stiftland den Kommunen, Erzeugern und Verbrauchern? Darüber diskutierten die Vertreter der Ikom Stiftland und weitere Gäste mit zwei Grünen-Landtagsabgeordneten.

Der bayerische Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann (rechts neben dem Ikom-Vorsitzenden Roland Grillmeier) konnte sich gut vorstellen, dass der Bio-Karpfen in den Ballungszentren erfolgreich vermarktet werden könnte.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die beiden Politiker Anna Toman und Ludwig Hartmann stellten sich im Bärnauer Rathaus den Fragen von gut 20 Männern und Frauen aus Naturschutz, der Teich- und Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und anderen Bereichen. "Wir sind hochzufrieden auf dem Land," begrüßte Ikom-Vorsitzender Roland Grillmeier die Gäste. Der Mitterteicher Bürgermeister informierte über eine tolle Entwicklung mit niedrigen Arbeitslosenzahlen, Zuzug und einer Weiterentwicklung der Betriebe.

"Für die Zukunft brauchen wir flexible Förderprogramme, die unser Handeln gewährleisten", stellte er die regionalen Wünsche in den Vordergrund. Die Öko-Modellregion müsse man als Chance zur Erschließung neuer Märkte begreifen, aber auch um Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen. Dafür brauche es alle Akteure einer Region. Alle Interessenten würden unterstützt. Aber auch die traditionelle Land- und Teichwirtschaft werde eingebunden.

"Eine Öko-Modellregion soll dazu beitragen, ökologischer, nachhaltiger, aber auch regionaler zu denken." Es gebe mit drei Prozent Biobetriebe vielleicht etwas weniger Bio als im restlichen Bayern. Man wolle dies jedoch nicht als besser oder schlechter herausstellen. "Bio wird ein kleiner Teil bleiben, solange die Gesellschaft nicht bereit ist, mehr für Lebensmittel auszugeben", nahm Grillmeier die Bürger in die Pflicht. Alle mitzunehmen, dies sei ein Anliegen der Öko-Modellregion. "Was regional hergestellt wird, ist wertvoll", schlussfolgerte der Vorsitzende.

Geschäftsführer Wolfgang Kaiser und Markus Frank stellten die Ikom und Öko-Modellregion vor. Kaiser lobte das Amt für Ländliche Entwicklung für die Unterstützung. 14 Projekte seien in Arbeit. Intensiviert würde auch die Zusammenarbeit im Bereich Museen. Ziel sei außerdem eine deutliche Steigerung der Öko-Produktion, eine verstärkte Kommunikation der Anforderungen und Chancen des Öko-Landbaus sowie die Erzeugung von Bio-Karpfen für den überregionalen Absatz, sagte Markus Frank. Als weitere Beispiele nannte er Bio-Zoigl, eine Biokäserei, Klostermedizin, bio-regionales Essen in Gaststätten, Bio-Metzgereien und Naturkosmetik. Die Vermarktung könne auch über einen Online-Shop ablaufen. Aktuell wolle man im Herbst einen Projektmanager für die Öko-Modellregion einstellen und Schnittstellen zur Steinwald-Allianz herausarbeiten.

Was er hier höre, werde er wohlwollend begleiten, versprach Hartmann. Momentan werde im Landtag der Einsatz des Förderprogramms heiß diskutiert. Und bei bisher drei Prozent Öko-Landwirtschaft könne man noch einiges bewirken. Er begrüßte die Idee, gezielt mit der Vermarktung in Ballungsgebiete zu gehen. Die Frage sei, wie man dort hinkomme und die Vermarktung voranbringe. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag lobte die Ikom und Öko-Modellregion Stiftland als eine große Runde, wo alle an einem Strang ziehen.

Aus den Reihen der Anwesenden kamen Bedenken zur Vermarktung. Keiner sei beispielsweise bereit, für ein Bio-Essen in der Schule zwölf Euro zu bezahlen. Ein Landwirt vermisste regionale Karpfen in den Supermärkten. "Fische aus Neuseeland gibt es schon", so sein Vorwurf. Kritisiert wurde, man könne nicht auf Teufel komm' raus Bio produzieren ohne Förderung für Umstellung und Übergangszeit. "Wo kommen die Käufer her? Das ist unser Problem", sagte ein weiterer Landwirt. "Es muss uns auch etwas wert sein", antwortete Hartmann. Daran müsse noch gearbeitet werden. Josef Siller, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, sah den Bedarf der Verbraucher bereits vorhanden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Landwirte ihre Bio-Produkte nicht loswerden", wandte er ein.

Zahlreiche Anwesende stellten an die Politiker durchaus kritische Fragen zur Ökomodellregion, diesie in der Entsteheungsphase geklärt wissen wollen.
Ikom-Vorsitzender Roland Grillmeier schenkte MdL Ludwig Hartmann (im Bild Mitte neben MdL Anna Toman aus Bärnau) ein kleines Fass Zoigl. Dies sei zwar kein Bioprodukt, aber regional und traditionell aus dem Stiftland, sagte Grillmeier.

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