26.10.2021 - 15:34 Uhr
BärnauOberpfalz

Bürgerin verklagt nach Sturz auf Bürgersteig die Stadt Bärnau

Platzwunde am Kinn, zwei ausgeschlagene Zähne, monatelang eine Schiene am Daumen: Nach einem Sturz auf einem ramponierten Bürgersteig verklagt eine Bärnauerin die Stadt.

Nach einem Sturz auf einem ramponierten Bürgersteig verklagte eine Bärnauerin die Stadt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Gerichtstermin auf dem Bürgersteig: Nach einem Sturz auf dem Gehweg, der sich in einem schlechten Zustand befindet, vor ihrem Haus verklagte eine Bärnauerin die Stadt auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Am Unfallort versammelten sich Benjamin Schauf, Richter am Landgericht Weiden, die Klägerin mit ihrem Anwalt Dr. Markus Sanner sowie von der Beklagtenseite Dritter Bürgermeister Gottfried Beer als Vertreter der Stadt Bärnau mit Anwalt Markus Blay, um die Stelle in Augenschein zu nehmen. Bei diesem Termin sollte geklärt werden, ob die Sache vor der Zivilkammer am Landgericht Weiden verhandelt werden muss oder ob sich die Parteien auf einen Vergleich einigen können.

Bleibende Narbe an der Oberlippe

Der Sturz liegt schon zwei Jahre zurück: Die Bärnauerin war Mitte August 2019 gegen 19.15 Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen, parkte ihr Auto neben der Garage und wollte – mit der Handtasche über der Schulter – über den Bürgersteig die Hofeinfahrt hoch zur Haustür gehen. Mit dem Fuß blieb die Geschädigte an einem Vorsprung am Bürgersteig hängen und stürzte. Dabei fiel die Frau mit dem Gesicht auf den steinernen Boden.

Sie schlug sich beide Schneidezähne aus, zudem brach eine Zahnkrone heraus. Sie blutete am Kinn, verletzte sich das Knie sowie den Daumen. Ihr Mann fuhr sie ins Krankenhaus. An der Hand musste sie monatelang eine Schiene tragen, was für Beeinträchtigungen bei der Haushaltsarbeit sorgte. Die Geschädigte trug eine bleibende Narbe an der Oberlippe davon. Die Bärnauerin fordert deswegen von der Stadt Schadenersatz und Schmerzensgeld. Der Bürgersteig sei seit Jahren sehr rampig, uneben, aufgebrochen und teilweise nur notdürftig geflickt. Nach dem Unfall begutachtete die Stadt laut der Klägerin die Stelle, unternahm aber nichts weiter.

Schlechter Zustand bekannt

„Mit kleinen Ausbesserungen ist es hier nicht getan“, sagte Markus Blay dazu. Die Stadt müsste den Bürgersteig großflächig erneuern, doch dafür fehlen die Mittel. Die Stadt habe ihre Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt, argumentierte Blay. Er merkte an, dass die Frau vor der eigenen Türe gestürzt sei und die Situation des desolaten Gehwegs genau kenne. Laut einem anderem Urteil seien in ländlichen Gebieten Unebenheiten auf Gehsteigen von bis zu drei Zentimetern als hinnehmbar zu erachten. Blay wollte einen Vergleich aber nicht ausschließen: „Grundsätzlich könnten wir uns eine kleine Summe vorstellen.“

Höhenunterschied enorm

Die Argumentation Blays sei zu kurz gegriffen, erwiderte der Anwalt der Bärnauerin. Auch die Anwohner seien schutzbedürftig. Der Gehsteig sei seit vielen Jahren nicht kontrolliert und selbst nach dem Unfall nicht ausgebessert worden. Der Höhenunterschied sei enorm – 4,5 Zentimeter. „Beim normalen Belaufen ist das nicht zu sehen“, sagte Sanner. „Nur, wenn man nicht aufpasst“, warf Blay ein. Auch die Klägerseite war einem Vergleich gegenüber aufgeschlossen, „aber nicht zu einem Bagatellbetrag“.

Die Unebenheiten seien deutlich zu erkennen, aber im flüchtigen Vorbeigehen leicht zu übersehen, merkte Richter Benjamin Schauf beim Termin an der Unfallstelle an. Er regte einen Vergleich der beiden Parteien an und schlug eine Zahlung von 500 Euro an die Geschädigte vor. Sanner lehnte ab: „Das wird der Sache nicht gerecht.“ Weil sich die Parteien beim Ortstermin nicht einigen konnten, kommt es nun zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Weiden.

Warum ein 27-Jähriger lieber im Amberger Gefängnis bleiben will

Amberg

"Beim normalen Belaufen ist das nicht zu sehen."

Anwalt Dr. Markus Sanner zu den Höhenunterschieden auf dem Gehsteig

"Nur, wenn man nicht aufpasst."

Anwalt Markus Blay als Antwort auf Sanners Aussage

 

 

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