15.03.2020 - 21:23 Uhr
BärnauOberpfalz

Bürgermeisterwahl in Bärnau: Stier haarscharf an der Wiederwahl vorbei

Alfred Stier hat bis vor dem letzten Stimmbezirk das Ziel schon vor Augen. Dann aber sackt der Amtsinhaber unter die 50-Prozent-Marke. Es fehlen ihm wohl gerade mal acht Stimmen. Jetzt muss er gegen Gottfried Beer in die Stichwahl.

Für die Auszählung im Rathaus brauchten (von links) Marianne Mark, Laura Schaller, Anja Mages, Sandra Zölch und Saskia Weigl nur fünf Minuten.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

In geteilten Lagern mussten am Sonntagabend die Bewerber der Bürgermeisterwahl auf das Ergebnis warten. Durch die Coronakrise war der öffentliche Termin im Rathaussaal abgesagt worden. So waren die Wahlhelfer weitgehend unter sich, standen aber dennoch "unter Beobachtung". Vor Ort wollte Kandidat und Hausherr Alfred Stier (CSU) die Auszählung möglichst zeitnah mitverfolgen. Mitgekommen waren auch Sohn Josef und Ehefrau Martina. Seine Konkurrenten Gottfried Beer (SPD) und Hubert Häring (CFWG) hatten die Homepage der Stadt "unter Beobachtung".

In der ehemaligen Mädchenschule gab Gottfried Beer (rechts) seine Stimme ab. Bei der Stichwahl kann auch er die Briefwahl nutzen.

Beer kommt auf 28 Prozent

Gegen 18.36 Uhr war es für den "Amtierenden" klar, dass es im ersten Durchgang noch nicht zum Sieg reichen wird. Stier erreichte am Sonntag 49,2 (bei der Wahl vor sechs Jahren ohne Gegenkandidat 60,68) Prozent der Stimmen. Auf Platz zwei folgte Gottfried Beer, den die SPD und die Grünen aufgestellt hatten. Der Sozialdemokrat konnte stattliche 28,0 Prozent einfahren. Und auch Hubert Häring von der Christlichen Freien Wählergemeinschaft, der dritte Bewerber um den Bürgermeisterposten, erreichte mit 22,8 Prozent der Stimmen ein mehr als beachtliches Ergebnis.

Damit müssen die beiden Kandidaten auf den vorderen Plätzen in die Stichwahl. Am Sonntag, 29. März, der auch Beginn der Sommerzeit ist, müssen sich die Wähler ein weiteres Mal entscheiden, diesmal zwischen Alfred Stier und Gottfried Beer.

Für den Amtsinhaber ist der weitere Wahlgang eine ungewohnte, aber nicht gänzlich neue Situation. Schon bei der Wahl 2012 (damals musste ein Nachfolger für den zurückgetretenen Peter Hampel gefunden werden) musste sich Stier gegen zwei Kandidaten einer Stichwahl stellen.

Im Rathaus verfolgte Bürgermeister Alfred Stier mit Sohn Josef und Ehefrau Martina das Eintreffen der Ergebnisse.

Wahlbeteiligung 76,6 Prozent

Am Sonntagabend verzeichnete der Urnengang insgesamt eine ordentliche Beteiligung. 76,6 Prozent der insgesamt 2615 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, 1985 waren am Ende gültig. Alfred Stier bekam 977, Gottfried Beer 556 und Hubert Häring 452.

Erstaunlich hoch war dabei der Anteil der Briefwähler. Wohl auch dem Coronavirus geschuldet, hatten viele Wähler die Abstimmung zu Hause dem Urnengang vorgezogen. In zwei Wochen wird das Ergebnis wohl noch ansteigen, denn diese Abstimmung wird mit Rücksicht auf die derzeitige Lage ausschließlich als Briefwahl durchgeführt.

Dabei hatte es am Sonntag lange nach einem Wahlsieg für Alfred Stier ausgesehen. Nach der Auszählung von zehn der elf Stimmbezirke war der Amtsinhaber deutlich über der 50-Prozent-Marke. Die Entscheidung brachte dann der letzte Briefwahlbezirk, der dem bislang "Zweitplatzierten" Gottfried ein Stimmenergebnis fast in Höhe von Alfred Stier einbrachte. Für den Amtsinhaber sorgte dies für ein Abrutschen unter 50 Prozent.

Kaum fünf Minuten nach Schließung der Wahllokale legten schon die Helfer im Rathaus das erste Ergebnis vor. Da lag sogar Hubert Häring noch an der Spitze, dann aber zog Alfred Stier davon, konnte aber den Sieg letztlich nicht absichern.

Unterschiedliche Konzepte

In einer ersten Reaktion zeigt sich Stier erstaunt über das Abschneiden von Hubert Häring, der sich bei den Wahlkampfaussagen nicht an Tatsachen gehalten hätte. Bei der Stichwahl müssten die Bürger jetzt die unterschiedlichen politischen Linien beurteilen. Beer hätte jedoch viele Dinge übernommen, kritisiert Stier. Er selbst hofft auf eine "Vertragsverlängerung", zumal wichtige Dinge für die Gemeinde angestoßen wurden. Gottfried Beer findet es gut, dass es zur Stichwahl kommt. Jetzt könnten die Bürger die beiden unterschiedlichen Konzepte bewerten. "Und wir zwei sind auch extrem unterschiedliche Personen", fügt der SPD-Kandidat hinzu. "Beeindruckend" ist für Beer auch, dass Stier, der seit acht Jahren Bürgermeister ist, nicht über 50 Prozent gekommen ist. "Die Stichwahl ist immer ein neues Spiel", betont Beer, zumal alle Wähler zu Hause teilnehmen können.

Und hier hat der Sozialdemokrat den Mitbewerber Häring hinter sich, der jetzt schon eine Empfehlung für Beer abgibt. Ansonsten will sich Häring dem Wählerwillen beugen. Die Themen wie Hallenbad oder Kommunal GmbH hätten wohl nicht so gezogen, konstatiert er.

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