18.04.2019 - 15:46 Uhr
BärnauOberpfalz

Europa mit Leben erfüllen

Zahlreiche deutsche und tschechische Gäste kamen am Mittwoch nach Bärnau ins Rathaus. Partner gemeinsamer Projekte unterzeichneten eine Vereinbarung, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu stärken.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

"Heute ist ein bedeutsamer Tag für die Stadt Bärnau - aber auch für die bayerische-tschechische Nachbarschaftsregion", erklärte Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins Via Carolina. Es sei ein Meilenstein, meinte er in seinem Grußwort, dass sich Vertreter aus der Region Tachov und des Nördlichen Oberpfälzer Waldes treffen, um ihre Partnerschaft und Zusammenarbeit zu intensivieren. "Nach der Grenzöffnung haben sich Menschen von beiden Seiten der Grenze mit unglaublicher Motivation zusammengefunden, um die Grenze auch in den Köpfen verschwinden zu lassen."

In diesem Zuge entstanden in den vergangenen Jahren viele gemeinsame Projekte, wie das grenzüberschreitende Skilanglaufzentrum Silberhütte - Zlaty potok, die bayerisch-böhmischen Festspiele oder der Geschichtspark Bärnau-Tachov. "Daraus haben sich enge Beziehungen und auch Freundschaften entwickelt", betonte Wolf.

Grenzland stärken

In einem festlichen Rahmen wurde die gemeinsame Zusammenarbeit am Mittwoch im Bärnauer Rathaus mit einer Deklaration besiegelt. Dabei unterzeichneten die Partner verschiedener deutscher und tschechischer Organisationen und Institutionen eine Vereinbarung, welche die Partnerschaft im Grenzland stärken soll. "Es ist ein vorläufiger Höhepunkt und Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung, dass die Stadt Tachov und die Stadt Bärnau als Hauptpartner diese Vereinbarung federführend unterschreiben", sagte Initiator Wolf.

Vertreten waren die Städte durch ihre jeweiligen Bürgermeister Alfred Stier und Ladislav Macák. Weitere Partner von tschechischer Seite waren Direktor Pavel Bluma von der Leadergemeinschaft Goldene Straße, Direktor Tomás Peckert von der Verwaltung des Naturschutzgebietes Böhmischer Wald, Direktorin Jana Hutníková vom Museum des Böhmischen Waldes, sowie Direktorin Alexandra Hrusková vom Regionalen Bildungs- und Informationszentrum.

Von deutscher Seite unterschieben zudem Frank Kiener, Vorsitzender des Förderkreises Skilanglaufzentrum (SLZ) Silberhütte sowie der Neustädter Landrat Andreas Meier in seiner Funktion als Vorsitzender des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald sowie Vertreter der Tourismusarbeitsgemeinschaft Oberpfälzer Wald. Laut Alfred Wolf wurde der Text für die Deklaration seit Oktober formuliert: "Ohne die Partner wäre diese Kooperation nicht möglich. Wir wollen damit auch zeigen, dass wir nicht am Ende der Welt sind, sondern mitten in Europa. Das wollen wir zum Leben erwecken." Durch die Vereinbarung sollen zwischenmenschliche Beziehungen sowie auch der wirtschaftliche Wohlstand beider Regionen verbessert sowie der Blick für gemeinsame Orte und die Natur geschärft werden.

Gemeinsames Europa

Der Bürgermeister der Stadt Tachov freute sich, bei der Veranstaltung dabei zu sein: "Ich hoffe, dass diese Unterzeichnung nicht nur ein formeller Akt ist, sondern sich die Bürger von beiden Seiten näher kommen werden." Ebenfalls einige Worte sprach der stellvertretende Landrat des Landkreis Tirschenreuth, Alfred Scheidler: "Für mich ist diese Unterzeichnung die Fortsetzung dessen, was viele Jahre bereits im Zentrum Europas geschieht. Freundschaften über die Grenzen hinaus sind wichtig, weil diese das Konstrukt Europa zusammenhalten und den Frieden bewahren."

Als Vertreterin des Landtags unterstützte auch Anna Toman (Bündnis90/Die Grünen) das Vorhaben: "Es ist schön zu sehen, dass meine Heimatstadt Bärnau und die Stadt Tachov sich für die Idee eines gemeinsamen Europas einsetzen."

Schwerpunkte der Deklaration:

Durch die Unterzeichnung der Deklaration vereinbarten die deutschen und tschechischen Partner, dass das gemeinsame Gebiet in das sogenannte Grüne Band Europas aufgenommen werden soll. Dabei handelt es sich um eine Naturschutzinitiative. Ziel ist es den durch den Kalten Krieg entstandenen, weitgehend naturnah belassenen Grenzstreifen des Eisernen Vorhanges quer durch Europa zu erhalten.

Zudem soll es verstärkt Treffen von Kindern und Jugendlichen zu Sport- und Kulturaktionen geben. Auch politische Diskussionen im Rahmen eines Jugendparlaments sollen organisiert werden. „Mindestens zwei Sitzungen wird es geben, einmal auf tschechischer Seite, einmal auf deutscher Seite“, sagte Bärnaus Bürgermeister Alfred Stier.

Weiterhin wird sich eingesetzt für eine nachhaltige Entwicklung der Region, die auch zu mehr Akzeptanz und Unterstützung des Naturschutzes dienen soll.

Die Partner vereinbarten außerdem, eine gemeinsame Marketingstrategie zu entwickeln, um Projekte in enger Zusammenarbeit zu fördern. So sollen auch in Abstimmung mit touristischen Fachstellen die Möglichkeiten zu Wandern und Radfahren sowie für den Wintersport ausgebaut werden. Des Weiteren wollen die Partner das gemeinsame Destinationsmanagement des Tourismus in den Regionen unterstützen.

Auch das historische Erbe soll erhalten bleiben.

Aktivitäten, die bereits in dem Gebiet verankert sind, sollen weiter durch grenzüberschreitenden Austausch und Dialog gefördert werden.

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