16.11.2020 - 13:53 Uhr
BärnauOberpfalz

Freiflächen-Photovoltaik in Bärnau: "Das nimmt richtig Dimensionen an"

Wenig "sonnige Aussichten" bei der Photovoltaik: Auf rund 100 Hektar sollen sich die Anlagen im Gemeindegebiet der Stadt Bärnau ausbreiten. Bei einer Klausurtagung will der Stadtrat einen Wildwuchs abwehren - wieder einmal.

Das Thema "Freiflächen-Photovoltaik" will der Stadtrat in einer Klausurtagung beraten. Derzeit liegen Anträge für Anlagen auf über 100 Hektar vor. Im Bild eine Anlage bei Ammersricht an der B 299.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Der Stadt liegt eine Reihe von Bauvoranfragen vor, berichtete Zweiter Bürgermeister Michael Schedl bei der Stadtratssitzung am Donnerstag im Pfarrheim. "Das nimmt richtig Dimensionen an", verdeutliche Schedl das Ausmaß der Antragsflut und zeigte dabei wenig Begeisterung. Denn bei den Anfragen handelt es sich um die Errichtung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Teilweise seien von den Antragstellern schon Anträge zur Einleitung von Bauleitverfahren gestellt worden.

In Ruhe aufarbeiten

Über 100 Hektar im gesamten Gemeindegebiet würden die Flächen belegen, verdeutlichte Schedl die Dringlichkeit und fürchtete einen massiven Eingriff in das Landschaftsbild. Dem Gremium empfahl der Zweite Bürgermeister, dass alle Anträge vorerst zurückgestellt werden und zunächst die "Angelegenheit Freiflächen-Photovoltaik" in einer Klausurtagung besprochen wird.

Weiterer Bericht über die Stadtratssitzung

Bärnau

"Wir müssen uns gut überlegen, wie weit wir die Türe öffnen", verwies Schedl auf die Haltung der Stadt, oder ob man die Anlagen überhaupt nicht zulassen sollte. Den wirtschaftlichen Aspekt der Anlagen wollte Schedl außen vor lassen: "Das liegt nicht in unserem Ermessen!" Eine Klausurtagung würde die beste Möglichkeit bieten, alles in Ruhe aufzuarbeiten. Dann aber müsste die Stadt "Farbe bekennen", eventuell durch einen Beschluss zur grundsätzlichen Vorgehensweise.

Karte als Diskussionsgrundlage

Hubert Häring (Christliche Freie Wählergemeinschaft) stellte sich hinter die Vorgehensweise. "Wir müssen das intern abklären", forderte Häring und wandte sich entschieden gegen einen "Wildwuchs" der Anlagen. Zudem würde massiv Grund verbaut und der Landwirtschaft entzogen, beklagte der CFWG-Stadtrat. "Wir müssen wissen, wo was kommen soll", bat Rudolf Schmid um eine Karte mit den geplanten Vorhaben. Die Unterlagen würden zur Klausurtagung rechtzeitig bereitgestellt, versicherte Schedl.

Tagung Anfang 2021

Die Vorhaben betrachtete Gottfried Beer (SPD) als schwieriges Thema für alle Gemeinden. Eine Klausurtagung hielt auch Beer für den richtigen Schritt. Einstimmig entschied das Gremium, alle eingegangenen und noch eingehenden Anträge zur Errichtung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen bis zur Klausurtagung Anfang 2021 zurückzustellen.

Kommentar:

Ein unbequemes Wunschkind

Es ist der „Fluch“ der alternativen Energie. Zwar ist der „grüne“ Strom ein allgemeines Wunschkind, doch bei sich zu Hause will man den Zögling eher nicht haben. Nach dem Kapitel „Windräder“, in dem weiter Bewegung ist, steht Bärnau jetzt der nächste Rabauke ins Haus. Wie eine Lawine drücken Anlagen für Freiflächen-Photovoltaik ins Gemeindegebiet – und mit unverminderter Wucht aufs Landschaftsbild. Haben ja, aber nicht bei uns, tönt das bekannte Klagelied.
Gleichzeitig ist es wieder das bekannte Spielchen, bei dem der Staat die Kommunen nahezu allein lässt. Diskussionen sind da wieder vorprogrammiert!

Werner Schirmer

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