03.09.2021 - 16:15 Uhr
BärnauOberpfalz

Fundament des mittelalterlichen Stadttors in Bärnau freigelegt

Bei den Sanierungsarbeiten in der Bischof-Senestrey-Straße in Bärnau kamen interessante archäologische Befunde zum Vorschein: Das Grabungsteam stieß auf das mittelalterliche Stadttor.

Bei archäologischen Ausgrabungen im Zuge der Sanierung der Bischof-Senestrey-Straße in Bärnau stieß das Forscherteam auf die Fundamente des mittelalterlichen Stadttors (Bruchsteinmauer links).
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ein Forscherteam hat in Bärnau das Fundament des mittelalterlichen Stadttors entdeckt. Zum Hintergrund: Rund zwei Monate nach dem Beginn der Ausbauarbeiten an der Bischof-Senestrey-Straße von der Kreuzung am Knopfmuseum bis hin zum Marktplatz waren Archäologen der Grabungsfirma In Terra Veritas zum Projekt hinzugezogen. Anfang August starteten die archäologischen Grabungen im Altstadtkern der Knopfstadt.

Denn die Bauarbeiten finden im Bereich eines eingetragenen Bodendenkmals statt. „Deshalb waren von Anfang an archäologische Befunde zu erwarten“, sagt Grabungsleiter Matthias Hoffmann auf Nachfrage. Ganz überraschend kamen die Funde für die Forscher also nicht: Viele Keramikscherben und Münzen. Und dann, bereits nach zehn Zentimeter unter dem Straßenbelag stießen die Mitarbeiter von In Terra Veritas auf Überreste des mittelalterlichen Stadttores. Die Bischof-Senestrey-Straße war also einer von zwei Zugängen in die mittelalterliche Stadtbefestigung.

Die Archäologen informieren über die Ausgrabung in Bärnau

Imposantes Stadttor

Bisher konnte das Archäologenteam den nördlichen Teil des Bruchsteinfundaments des ehemaligen Bärnauer Stadttores, möglicherweise auch das Fundament des eigentlichen Torbogens freilegen. Die Stadtbefestigung stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert, da Bärnau hier auch sein Stadtrecht erhielt, berichtet Grabungsleiter Matthias Hoffmann. Er ist auch der Geschäftsführer in der kürzlich eröffneten Weidener Niederlassung des Bamberger Unternehmens.

„Nach vier Wochen Grabung komplettiert sich das Bild“, sagt Hoffmann. „Es muss ein relativ hohes Tor mit Turmaufbau gewesen sein.“ Darauf würden die breiten Spann-Fundamente hindeuten. Außerdem zeigen sich bereits in der jetzigen Ausgrabungsphase verschiedene Bauabschnitte der imposanten Toranlage. Im Laufe der Zeit wurden laut den Archäologen Anbauten und Erweiterungen vorgenommen, etwa ein Wächterhäuschen direkt an der Toranlage errichtet.

Sehr außergewöhnlich

Die freigelegte Fundamentierung stammt wohl aus einer Ausbauphase, die noch in den Bayerischen Uraufnahmen (1808 bis 1864) als Torhaus mit zugehörigem Wächterhaus kartiert wurde. Es gebe noch alte Holzschnitte oder Kupferstiche, auf denen die Bärnauer Toranlage abgebildet ist, weiß Hoffmann.

Die historischen Strukturen, auf die das Grabungsteam stieß, wurden bereits durch frühere Baumaßnahmen stark in Mitleidenschaft gezogen. „An mehreren Stellen entlang der Fundamentierung sind deutlich die Spuren von Abbruchversuchen mit Hilfe von Baggern zu erkennen“, erklärt der Grabungsleiter, „trotzdem handelt es sich bei dieser Ausgrabung um etwas sehr Außergewöhnliches. Denn es ist sehr selten, dass man eine derart gut erhaltene Substanz in einem innerstädtischen Bereich vorfindet.“

Neben dem mittelalterlichen Stadttor stieß das Forscherteam auch auf einen mit Granitplatten abgedeckten Kanal, dessen Seitenwände kleinteilig aus Bruchstein gemauert wurden. Vermutlich diente der Kanal zum Ableiten von Regen- und Oberflächenwasser aus dem Bereich der Toranlage in den Stadtgraben.

Bis zu 90 Zentimeter tief

Die Funde aus dem weiteren Umfeld der Mauer, etwa Münzen oder Keramikscherben, stammen zu großen Teilen aus der Frühen Neuzeit und Neuzeit. Die ältesten Funde stammen vermutlich aus dem 14. Jahrhundert und fallen damit in die Zeit der ersten Stadtbefestigung Bärnaus. Diese müssen jedoch als verlagert angesehen werden, erklärt der Grabungsleiter. Die Funde sind wahrscheinlich durch andere Bauarbeiten eher durch Zufall an dieser Stelle gelandet. Nina Hoffmann, stellvertretende Geschäftsführerin der In Terra Veritas Niederlassung in Weiden, schildert begeistert: „Da wir bereits nach etwa zehn Zentimetern auf historische Bausubstanz gestoßen sind, sind wir alle sehr gespannt, auf welche Details aus der Vergangenheit wir hier noch stoßen werden.“

Die Archäologen versuchen, so effizient wie möglich zu arbeiten. „Die Bagger werden immer kleiner, wenn es gar nicht anders geht, graben wir händisch weiter“, sagt Matthias Hoffmann. Je nach Arbeit ist In Terra Veritas mit einem Team von zwei bis sechs Mitarbeitern vor Ort. Der ganze Straßenkörper werde 70 bis 90 Zentimeter tief hinunter gegraben. Diese Tiefe hat das Grabungsteam an einigen Stellen schon erreicht.

Bis wann die Grabungsarbeiten in der Bischof-Senestrey-Straße abgeschlossen sind, kann Hoffmann noch nicht abschätzen. Zwar konzentriert sich das Team auf den Torbereich. „Aber wir haben noch gar nicht alles offengelegt.“ Hoffmann weiß zudem, dass noch zwei Garagen abgerissen werden. Den Boden darunter untersucht ebenfalls das Forscherteam. Der Befund der mittelalterlichen Stadtmauer wird laut Grabungsleiter dokumentiert und konservatorisch gesichert. „Und dann mit der neuen Straße überbaut“, sagt Hoffmann.

„Der Gemeinde liegt viel daran, das historische Erbe Bärnaus entsprechend dem Denkmalschutzgesetz zu wahren“, betont Bürgermeister Alfred Stier. Der Stadt entstehen zwar einige Mehrkosten durch den Fund, diese würden aber großteils durch die Städtebauförderung aufgefangen. Die Grabungsarbeiten werde die Stadt laut Stier auch weiterhin in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durch In Terra Veritas begleiten lassen.

Für Archäologen sind Grabungen eine spannende Zeitreise, für Bauherren manchmal eine Geduldsprobe

Weiden in der Oberpfalz

Ausbau der Bischof-Senestrey-Straße: Schönes Granitpflaster und mehr Platz für Fußgänger

Bärnau
Hintergrund:

Sanierung der Bischof-Senstrey-Straße

  • Wegen Sanierungsarbeiten ist die Bischof-Senestrey-Straße seit 7. Juni 2021 vollständig gesperrt.
  • Die Sperrung dauert voraussichtlich bis zum 31. Oktober. Die Grabungen wurden im Zeitplan bereits einkalkuliert.
  • Die Bischof-Senestrey-Straße ist der zweite von drei Bauabschnitten der Straßensanierung im Altstadtkern: Erste Abschnitt war die Bahnhofs- und Philipp-Mühlmayer-Straße im vergangenen Jahr. Die Silberstraße als dritter Bauabschnitt folgt 2022.
  • In der Bischof-Senestrey-Straße werden auf rund 170 Metern die Wasserleitungen sowie der Straßenkörper komplett erneuert.
  • Die Neugestaltung sieht beidseitig breitere Gehwege mit Granitpflaster, Pflastersteine als Fahrbahnbelag und einen Straßenbaum an der Einmündung zur Pfarrgasse vor.
  • Die Kosten dieses Abschnitts belaufen sich auf 850 000 Euro. Der Straßenausbau wird durch Städtebaufördermitteln bezuschusst.

„An mehreren Stellen sind deutlich die Spuren von Abbruchversuchen mit Hilfe von Baggern zu erkennen. Trotzdem handelt es sich bei dieser Ausgrabung um etwas sehr Außergewöhnliches.“

Grabungsleiter Matthias Hoffmann

 

 

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