28.10.2020 - 16:45 Uhr
BärnauOberpfalz

Heiße Kiste im Geschichtspark Bärnau: Des Kaisers neue Ziegel sind in Arbeit

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Wer Ziegel wie im Mittelalter brennen möchte, muss mit dem dazu notwendigen Ofen wie mit einer Diva umgehen. Das ist aber nicht das einzige Problem, mit dem die Arbeiter im Geschichtspark derzeit kämpfen.

Steinmetzmeister Armin Troppmann und Steinmetz Robert Mois (v. li.) haben rund um die Uhr zwei Tage lang gearbeitet, um den großen Brandofen zum Ziegelbrennen am Laufen zu halten.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Burgherren heizten im Mittelalter in den kalten Wintermonaten in ihren Burgen ganz schön ein. Große, offene Kamine sorgten für Wärme. Wie aber konnte man damit in einer Zeit, in der moderne Heizungstechnik noch jahrhundertelang Zukunftsmusik war, wohlige Gemütlichkeit in eiskalte Burgzimmer bringen? Dieser Frage stellte sich der Handwerkertrupp im Geschichtspark Bärnau-Tachov, der seit geraumer Zeit die Reisestation von Kaiser Karl IV. nach Vorbild des Mittelalters baut.

Während beim Bau des Burggebäudes mit großen Granitblöcken enorme Muskelkraft beim Spalten, Bearbeiten und Hochtreiben der Mauern erforderlich ist, benötigt der Kamin handwerkliches Geschick und Fingerspitzengefühl. Erfahrungswerte gibt es keine: Erstmals stellten sich Steinmetz Robert Mois und Steinmetzmeister Armin Troppmann in diesen Tagen einer neuen Herausforderung. Sie haben damit angefangen, mit einfachen mittelalterlichen Mitteln brauchbare Ziegel für einen Kamin zu brennen. Weil der Burgbau als Forschungsprojekt auch Geschichtsparkgästen zugänglich ist, dürfen beim Ziegelbrand interessierte Parkbesucher zuschauen.

Spektakel in der Nacht

Am Freitag gab es sogar die einmalige Gelegenheit, das feurige Spektakel in der Nacht zu verfolgen. Der Geschichtspark Bärnau-Tachov hatte als einziges Museum trotz der hohen Pandemie-Fallzahlen zur "Museumsnacht" eingeladen. Es gab drei nächtliche Besichtigungstouren durch das Gelände. An den Arbeitstagen dürfe das Ofenfeuer auf gar keinen Fall ausgehen, erklärt Robert Mois den technischen Vorgang. Um die Temperatur für den Brand auf gleichem Stand zu halten und der Sicherheit wegen machten die Steinmetze Nachtschichten. "Deshalb schaue ich heute ein bisschen angeschlagen aus", erklärt Armin Troppmann schmunzelnd seinen etwas müden Blick.

Dem Brand der Ziegel vorausgegangen war die Materialbeschaffung. Dafür wurde Lehm aus dem Ziegelwerk Hart-Keramik aus Waldsassen verwendet. Eine wichtige Rolle spiele der Sandanteil, erklären die Fachleute. Vor sechs Wochen haben sie die Ziegel im sogenannten "Klosterformat" für den Brand vorbereitet. 420 Stück an der Zahl ergeben einen etwa acht Meter hohen Kamin.

Drei Tage lang wurden die Ziegel von drei Handwerkern mit einer Form gegossen, bis die erforderliche Menge fertig war. Mois zeigt verschiedene Testbrände, die demonstrieren, wie sich der Lehm je nach Brandtemperatur verändert. Bei 900 Grad Celsius bekommen die Ziegel diese schöne rotbraune Farbe, das prägnant Ziegelrot. Jene Ziegel, die draußen auf dem Dach später dem Wetter trotzen sollen, müssten mit höheren Temperaturen bis 1000 Grad gebrannt werden, erklärt Mois weiter. Als Beispiel hält er ein schwarzgrau glänzendes Stück Ziegel in der Hand. "Der Sand schmilzt dann wie bei der Glasherstellung. Der Ziegel wird glatt und frostbeständig", weiß Geschichtspark-Darsteller Marco König, der sich zu den Burgbauern gesellt hat.

Temperatur hochfahren

So grob der Ofen und sein loderndes Höllenfeuer auch erscheinen, muss er ausgesprochen sensibel wie eine Diva behandelt werden. Nahezu ein ganzer Tag wurde verwendet, um die Temperatur langsam hochzufahren. "Geht es zu schnell, können die Ziegel bersten", so Mois. Die Handwerker sind selbst sehr gespannt auf das Ergebnis, denn Ziegel hat noch keiner von ihnen "wie im Mittelalter" hergestellt. "Kann sein, dass wir Ausfall haben", vermutet Mois. "Oder schlimmstenfalls sind alle kaputt." Aber das sollte nicht eintreten und danach sieht es beim Öffnen des Ofenportals zum Nachheizen auch nicht aus. Im Feuer stehen die Ziegel in einem Bogen aufgeschlichtet eng an eng über der Glut. Armin Troppmann wirft drei, vier dicke Scheitel Fichtenholz hinein, Robert Mois schließt das Portal mit einem langen Schieber rasch wieder. "Wir sammeln natürlich noch Erfahrungswerte", sagen die Bauleute. Für die Nachwelt werde alles genau dokumentiert. Eine Frage bleibt noch: Wie kann man ohne moderne Technik die Temperatur bestimmen ohne Hilfsmittel? "Ein guter Schmied hat das im Gefühl", schmunzelt Marco König, was Armin Troppmann und Robert Mois nur bestätigen können.

Ab Mai Aufbau

Mit dem Kaminbau, erklären die Männer, werde schätzungsweise Mitte Mai begonnen. Das sei witterungsabhängig so vorgegeben. Bis dahin müssten die Ziegel ein weiteres Mal gebrannt und danach eingelagert werden.

Hier erfahren Sie mehr über den Geschichtspark

Bärnau

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.