19.07.2021 - 08:49 Uhr
BärnauOberpfalz

Hingabe für Historisches: Zwei Oberpfälzer leben in Bärnau ihren Traum

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Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist ein bekanntes Ausflugsziel. Der Handwerker Armin Troppmann hat dort seinen Traumjob gefunden. Auch anderswo gibt es bald Gäste: Dem alten Kino im Ort haucht Marco Knott gerade neues Leben ein.

Steinmetzmeister Armin Troppmann arbeitet im Bärnauer Geschichtspark. Hier hat er seine Berufung gefunden.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Armin Troppmann beobachtete einen Tornado in Australien, nächtigte bei Minusgraden in einem Parkhaus und genoss Schweizer Bergpanoramen. Er schlief notfalls auch im Vorraum einer Bank oder kam auf einer fremden Couch unter. Der einstige Wandergeselle könnte wahrscheinlich noch lange aus seinem Walz-Nähkästchen plaudern.

Rund dreieinhalb Jahren war Troppmann auf Wanderschaft und ist in 16 Länder gereist. Damals war er noch als Steinmetzgeselle und auch viel in Deutschland unterwegs. Einmal, erzählt er, habe er mit Kollegen zwei Stunden in Eiseskälte an der Straße gestanden und den Daumen in Richtung Hamburg gehalten. Schließlich stoppte ein Mann seinen Wagen und ließ sie einsteigen. Auf der Fahrt die Überraschung: Der Autofahrer habe ihnen sein Hotelzimmer in einem Hamburger Luxushotel angeboten.

Handwerk perfektioniert

Als er in die Oberpfalz zurückgekehrt war, folgten weitere Berufsjahre in seinem Lehrbetrieb und der Meistertitel. "Ich war grade in einer Festanstellung. Im Dezember 2016 habe ich dann erfahren, dass ich wegen der Winterpause bald stempeln müsse." Dass er in Bärnau gelandet sei, war Zufall. Er habe bei seinen Eltern gesessen und in der Zeitung geblättert, da las er von einem Jobangebot im Geschichtspark: Handwerker waren gesucht. Seit Mai 2017 arbeitet er in Bärnau.

"Auf der Walz habe ich die Zeit gehabt, mein Handwerk von Grund auf aufzurollen. Ich hatte Gelegenheit, nur mit Handwerkzeugen die Steine zu bearbeiten." Dabei habe er seine Leidenschaft für historisches Handwerk entdeckt. Er traf sich beispielsweise auf sozialen Baustellen mit anderen reisenden Wandergesellen. Dabei habe er das Arbeiten mit alten Handwerkzeugen in Präzision gelernt. So konnte er sich umfangreiches handwerkliches Grundwissen aneignen, das er auf den Mittelalter-Baustellen nun umsetzen kann. „Es war mir von Anfang an eine große Hilfe."

Heute leitet der 32-Jährige das Team, das sich um die Mittelalter-Baustellen im Park kümmert. Für ihn, sagt er, ist es der Traumberuf. Und bei seiner Arbeit kann er auch seine Erfahrungen von der Wanderschaft mit einfließen lassen. Etwa 30 nachgebildete Gebäude aus dem Mittelalter stehen im Geschichtspark. Gerade bauen Troppmann und seine Kollegen an der Reisestation von Kaiser Karl IV., mehrere Häuser sollen entstehen. Der Spatenstich geschah vor rund drei Jahren, der komplette Bau soll etwa 20 Jahre dauern.

Tüftler und Werker

Troppmann ist ein Handwerker durch und durch. Neben seiner Dauerbaustelle im Geschichtspark kümmert er sich um den Umbau des Eigenheims. Und tüftelt auch schon an neuen Projekten für den Mittelalterpark. Die müssten jedoch noch geheim bleiben. Zu Hause ist Troppmann zwar in Kastl bei Kemnath – aber er fühlt sich auch schon ein wenig wie ein Bärnauer.

„Man kennt viele Leute in Bärnau und gehört schon ein bisschen mit dazu." In der Region kennt er sich schon ziemlich gut aus. "Ich finde den Grenzkamm mit am schönsten." Ihn faszinierten vor allem der Raureif im Winter oder auch die Naabquelle nahe der Silberhütte. Die Stadt sei ein besonderer Ort für ihn, weil er seine Handwerks-Leidenschaft hier ausleben könne. Seine Kenntnisse vermittelt er auch in Kursen zu historischem Handwerk.

Eine Sache gibt es aber doch, die keinem Mittelalterleben entspricht: die Arbeit am Computer. Denn auch er verbringt mal einen Arbeitstag im Homeoffice, etwa um die neuen Pläne für Gebäude im Park auszuarbeiten. Und auch zur Dokumentation der historischen Handwerkstechniken. Das Wissen darüber schreiben er und seine Kollegen in digitalen Dokumenten auf, um es auch für nachfolgende Generationen aufzubewahren. Das alte Wissen helfe auch gegenwärtigen Projekten außerhalb des Mittelalterparks, etwa bei der Restaurierung historischer Gebäude.

Herz gehört der Zauberkunst

Ein historisches Gebäude wiederbeleben möchte Marco Knott. Das alte Kino in der Bärnauer Schlossgasse baut er derzeit zu einem magischen Schlosstheater um. Der 38-Jährige verwirklicht sein Theater in seiner Heimatstadt. Da, wo auch seine Faszination für die Zauberkunst geweckt wurde. Als er 13 Jahre alt war, war ein Freund der Familie aus der Schweiz zu Gast in Bärnau. Den Schweizer nennt Knott liebevoll seinen Zaubervater.

"Er hat immer gezaubert und fragte mich damals, ob ich das auch lernen möchte." Der heute 94-Jährige war "die größte Zeit seines Lebens als Zauberkünstler on Tour". Der Schweizer ist zwar schon im Ruhestand, gebe aber noch heute sein Wissen an Knott, seinen einzigen Schüler, weiter. Nun münzt der Bärnauer viele Kunststücke des Schweizers auf die heutige Zeit um. "Die Zauberkunst ist nicht nur Technik, sondern besteht auch aus psychologischen Finessen. Du musst die Zuschauer auch abholen."

Abholen möchte Knott die Menschen zukünftig in seinem Theater. Vieles ist schon fertig ausgebaut, wie der Eingangsbereich mit Tresen und gepolsterten Bänken. "Hier habe ich als Jugendlicher die Kinokarten abgerissen." Und bald wird er hier vor Publikum zaubern. Der 38-Jährige zieht ein Gummiband hervor, das er zerreißt und wie von Geisterhand wieder verschmelzen lässt. Dann faltet er einen Kontoauszug zu einem Geldschein.

Magie aus der Werkstatt

„Ich lerne immer gerne Neues, habe eine große Bibliothek.“ Viel Wissen habe er sich aus Büchern über Zauberkunst und Psychologie gezogen. Auch beim Austausch mit anderen Zauberkünstlern sammle er neue Impulse. Beruflich ist Knott wohl ein Tausendsassa. Er ist unter anderem gelernter Elektriker, studierte Wirtschaftsingenieurwesen, war 13 Jahre lang bei der Bundeswehr und ließ sich zum Fitnessfachwirt sowie staatlich geprüften Ernährungsberater ausbilden. Er arbeitete rund 16 Jahre außerhalb der Oberpfalz. Doch irgendwann, sagt er, ist er seinem Herzen gefolgt. Vor rund drei Jahren kündigte er seinen Job als Ingenieur, machte sich als Berufszauberer selbstständig und kehrte nach Bärnau zurück.

Hier läuft nun sein Projekt Theaterumbau. Sein Technikverständnis kann Knott dabei gut brauchen und auch für das Entwickeln seiner Kunststücke nutzen. So mancher Zaubertrick entsteht auch in seiner Werkstatt. „Wenn zum Beispiel eine Brauerei wünscht, dass sich ein leeres Bierglas wie magisch füllen solle, überlege ich, wie ich das handwerklich umsetzen kann.“

Er deutet auf die Seitenwand seines Theaters. Dort, erklärt er, sollen später einmal Lichteffekte über die Mauer huschen. „Mit Zauberkunst erschaffst du Momente und Emotionen. Und sie werden unterstützt mit der passenden Musik und Licht.“ Vieles im Theater mache er selbst, etwa die Technik. Bis es spätestens 2022 eröffnet, tüftelt Knott noch weiter an den Details in seinem Theatersaal.

Toni Wolf ist Naturschützer und Experte für die erste Biodiversitätsgemeinde in Deutschland

Tännesberg
Info:

Der Geschichtspark Bärnau

  • Das archäologische Freilandmusem ist in Deutschland das größte seiner Art. Es gibt etwa 30 rekonstruierte Gebäude aus dem 9. bis 14. Jahrhundert
  • Das Projekt Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen ist eine Kooperation mit den Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag. Zeile sind die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern und die Erforschung Bewahrung des historischen Handwerks
  • Der Verein Via Carolina – Goldene Straße e. V. trägt den Geschichtspark Bärnau-Tachov und das Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen. Finanzielle Unterstützung kommt vom bayerischen Staat, von der EU und von Sponsoren aus der Wirtschaft
ECHT.OBERPFALZ:

Serie: Besondere Menschen und Orte in der Region

Was macht die Oberpfalz so einzigartig? - Dieser Frage gehen die Volontäre von Oberpfalz-Medien auf den Grund. Anlässlich des diesjährigen Dreifach-Jubiläums im Medienhaus wollen sie die Vielfalt der Region würdigen. Sie suchen für die Serie "echt. Oberpfalz" nach besonderen Menschen, kreativen Köpfen, bunten Hunden, außergewöhnlichen Vereinen oder verrückten Traditionen, die unsere Heimat so einzigartig machen. Die Volontäre fahren einmal quer durch die Oberpfalz und machen Halt an berühmten und auch vielleicht nicht so berühmten Orten. Den Auftakt macht die Biodiversitätsgemeinde Tännesberg. Und es sollen noch viele weitere Städte und Gemeinden folgen. Bei Ihnen gibt es auch etwas Besonderes und Einzigartiges in Ihrem Heimatort? Dann schreiben Sie uns an jubi[at]oberpfalzmedien[dot]de. Vielleicht schauen unsere Volontäre auch in Ihrer Heimat vorbei.

 

 

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