21.09.2018 - 17:32 Uhr
BärnauOberpfalz

Magisches Kino im Schlosstheater

Zwei Jahrzehnte ist es her, dass im Schlosstheater zum vorerst letzten Mal ein Film über die zehn Meter breite Leinwand flimmerte. Vorerst deshalb, weil Marco Knott, der Enkel des ehemaligen Kinobesitzers dem Theater neues Leben einhaucht.

Das Loch in der Beilagscheibe ist verschwunden. Mit kleinen Alltagsgegenständen verzaubtert Marco Knott sein Publikum.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zwischen ein und zwei Jahre rechnet der 35-Jährige, werde es dauern, bis er seine bereits genehmigten Pläne verwirklicht hat. "Nach dem 6. Oktober geht es los", sagt der Heimatunternehmer Marco Knott. "Danach hat Bärnau eine weitere Attraktion zu bieten", verspricht er selbstbewusst. Marco Knott ist in der Knopfstadt geboren, war aber die vergangenen 15 Jahre ständig europaweit unterwegs. Als Magier ist er mit seiner Firma "Exclusive Magic Entertainment - Marco Knott" bekannt geworden. Die gibt es jetzt seit zehn Jahren. Zuletzt lebte er in Nürnberg und hat mit seiner Zauberkunst vor einem Jahr den Weg in die Selbstständigkeit gewagt.

Magische Unterhaltung

Auf seiner Internetseite wirbt der Entertainer folgendermaßen: "Tauchen Sie gemeinsam mit Marco Knott in eine Welt voller magischer Unterhaltung ein. Egal ob Geburtstagsparty oder große Abendgala - ich stimme mein Zauberprogramm individuell auf Ihre Veranstaltung ab und nehme Sie und Ihre Gäste mit ins Reich der Magie und Illusion."

Vor 60 Jahren hat sein Großvater, Josef Fehr das Kino gebaut und von da an auch betrieben. Zu der Zeit gab es noch die Wochenschau als Informationsquelle. Später agierten dann unter anderem Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in "Casablanca" oder Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand in den Karl May Filmen auf der großen Leinwand. 230 Zuschauer konnten maximal das Kino von damals auf einmal genießen. Wenn Marco Knott heute die Tür zum Kinosaal öffnet werden diese Zeiten sofort wieder lebendig. Im Foyer und im Treppenaufgang hängen noch überall Kinoplakate von damals. Im Kino selbst sieht alles so aus, als ob es auf die nächste Vorstellung wartet. "Das wurde von der Familie immer gepflegt", antwortet er auf die Frage warum hier alles aussieht wie aus dem Ei gepellt. Warum er aus der Großstadt in die Provinz zurückgegangen ist, wollen wir auch von ihm wissen: "Erstens will ich meinen Eltern, Ulrike und Josef Knott, etwas zurückgeben. Zweitens habe ich schon lange im Hinterkopf, dass ich das Schlosstheater für meine Shows nutze", begründet er seine Entscheidung. Beim Umbau legt Knott wert darauf, den Charme und die Atmosphäre des ehemaligen Kinos zu erhalten. Das Interieur, wie die typische Stoffverkleidung an den Wänden und die Messinglampen aus den 1950 Jahren bleiben erhalten.

Zuschauertribüne

Die braunen Deckenplatten werden durch weiße ersetzt. Zwei abgehängte Deckenelemente nehmen zusätzliche indirekte Beleuchtungseinheiten auf. Die werden so gestaltet, dass die moderne Technik unsichtbar bleibt. Die augenfälligste Veränderung erfährt der Zuschauerraum, denn es werden alle Stühle abgebaut und der Boden begradigt. Im vorderen Drittel entsteht eine Zuschauertribüne. Auf ihr werden in halbrunder Anordnung etwa 50 der frisch gepolsterten Originalstühle in vier Reihen installiert. Von hier aus haben die Zuschauer den perfekten Blick auf das Areal von dem aus der Zauberer seine Shows zeigt. Die ehemalige Loge im Eingangsbereich wird vergrößert und zur Lounge ausgebaut.

Der Kinosaal eigne sich auch hervorragend für Firmen die neue Produkte vorstellen und Seminare oder Vorträge abhalten wollen. Als besondere Attraktion sieht Knott dabei die große Kinoleinwand. Es gäbe schon jetzt Anfragen von Leuten, die bei E-Sport-Veranstaltungen im Mehrspieler-Modus gegeneinander antreten wollen. "Mehr als 50 Zuschauerplätze wären überdimensioniert, um in Bärnau regelmäßige Veranstaltungen durchzuführen", sagt der Zauberer. Knott sieht sein Schlosstheater künftig als Eventlocation mit Zaubertheater. Besonders geeignet wäre es dann für exklusive Firmen- oder Privatfeiern mit Zaubershow. "Das Jubelpaar kann dabei zum Beispiel bei seiner Goldenen Hochzeit seinen Lieblingsfilm, wie "Vom Winde verweht" genauso genießen, wie einst in jungen Jahren."

Blitzsauber präsentiert sich auch der Vorführraum, so als wäre hier der Betrieb nie eingestellt gewesen. Die riesigen Projektoren für 35 mm Filmmaterial tun immer noch ihren Dienst und bringen den Charme der 1960er Jahre zurück in den Saal. Gut 50 Sitzplätze seien auch deshalb ideal, weil in einen Bus 50 Leute passen. Wenn also Bustouristen in den Geschichtspark kommen oder andere Sehenswürdigkeiten der Region besuchen, sollen sie auch im Schlosstheater eine Show genießen können und zum Beispiel im Gasthof zur Post mit einem Essen verwöhnt werden. "Ich habe ein großes Firmennetzwerk. Alle, bei denen ich schon mal live zugange war, wissen von meinem Projekt und sind begeistert." Deshalb ist Knott guter Dinge, dass die Leute aus der Großstadt nach Bärnau kommen, um das neue Angebot zu nutzen.

Soldat und Fitnesstrainer

1999 begann Marco Knott eine Lehre als Installateur bei "Elektro Schön" in Großkonreuth. 2003 verpflichtete er sich für 13 Jahre bei der Bundeswehr davon 6 in Regensburg und 7 bei den Heeresfliegern in Roth. Dort machte der Hauptfeldwebel auch seinen Elektrikermeister und absolvierte die Hälfte seines Studiums zum Wirtschaftsingenieur. Den Bachelor bestand er mit der Gesamtnote "sehr gut". Er machte auch viele Weiterbildungen im Ernährungs- und Fitnessbereich und im magischen Genre.

Bevor er sich im vergangenen Jahr ganz der Zauberei widmete und sein Können auf selbstständige professionelle Beine stellte, war Knott beruflich bei "Gossen Metrawatt" in Nürnberg berufstätig. Was seine vielschichtigen anderen Interessen mit Zauberei zu tun hätten, haben wir ihn gefragt: "Zauberei ist Kunst und jeder kreative Mensch braucht Gegensätze. Meine vielfältigen Tätigkeiten sind heute mein Kapital, denn ich kann Menschen ganz gut einschätzen und habe viel Fachwissen angesammelt, das mir zugute kommt. Bei einer Show hat man es immer mit wildfremden Menschen zu tun, sitzt am Tisch mit ihnen, da ist es wichtig, sie schnell richtig einzuschätzen, auf sie einzugehen, bei Firmen sich mit dem zu beschäftigen, was die Firma ausmacht.

"Ich bin zum zaubern gebaut worden, bin dafür da, das wurde mir in den vergangenen Jahren bewusst." Ich habe ganz klassisch angefangen. "Eines Tages, als kleiner Bub, bekam ich einen Zauberkasten geschenkt. Meine ersten Gehversuche. Der großväterliche Familienfreund, Chris aus der Schweiz ist jetzt 89, war ebenfalls professioneller Zauberer und hat mir immer wieder mal einen Trick beigebracht." Vorbilder in dem Sinn hat Marco Knott nicht. Von seinen berühmten Kollegen schätzt er vor allem die Amerikaner David Copperfield und Dai Vernon, den "Professor", Juan Tamariz aus Spanien und den Schweizer Roberto Giobbi. "Es gibt viele Zauberbücher in denen man gute Anregungen findet, jedoch die richtig professionellen Kunststücke werden nur unter Zauberern weitergegeben.

Einfache Gegenstände

Viele zauberhafte Kunststücke erfindet man selbst, modifiziert sie im Laufe der Zeit. Wie gut oder schlecht ein Zauberer ist, ist nicht messbar. Kundenreaktionen weisen einem den Weg. Wenn die Leute Gaudi haben, weißt du, es hat gepasst." So verblüfft Marco Knott oft mit einfachen Gegenständen, etwa Haushaltsgummis oder Beilagscheiben. "Zauberei lebt von Präzision und Präsentation und dem Umgang mit Menschen. Wenn die Zuschauer dich mögen ist es fast egal was du machst." www.marco-knott.de

Feuer kommt immer gut an.

So sieht das Bärnauer Schlosstheater aktuell aus.

Natürlich dürfen Kartentricks nicht fehlen.

Die Originalbeleuchtung von 1958

Marco Knott in seinem Kino, das er ab Mitte Oktober umbaut.

Selbst die Projektoren im Vorführraum sehen aus wie neu.

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