26.01.2020 - 12:07 Uhr
BärnauOberpfalz

Neues Kompetenzzentrum für historisches Handwerk in Bärnau

In Bärnau soll ein „Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde“ entstehen. Um den entsprechenden Förderbescheid für die Machbarkeitsstudie zu übergeben, reist Heimatminister Albert Füracker sehr früh an.

Senator Miroslav Nenutil aus Tschechien, Katrin Roider (Verein Via Carolina), MdL Tobias Reiß, Josef Rösch (Verein Via Carolina), Alfred Wolf (Vorsitzender Verein Via Carolina), wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsparks Stefan Wolters, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, Sandra Brandt vom Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, Kompetenzzentrum-Projektleiterin Carina Wagner und Bürgermeister Alfred Stier (von links) nach der Übergabe des Förderbescheids.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Es ist ein nebliger Samstagmorgen im Geschichtspark. Im Seminarraum des Archaeo-Centrums brennt schon Licht. Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins "Via Carolina - Goldene Straße", und Projektleiterin Carina Wagner begrüßen die ersten Gäste. Dann fährt der Wagen von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker vor. Es ist nicht sein einziger Termin heute, sagt er. Sieben weitere hat er noch vor sich. Deshalb kommt der Minister schon um 8 Uhr in die Knopfstadt. „Eine Stunde stehe ich für euch zur Verfügung“, verweist Füracker auf seinen eng getakteten Terminkalender.

Der Grund für seinen Besuch: Der Minister überreicht Vorsitzendem Alfred Wolf einen Förderbescheid für den Verein. In Bärnau soll ein "Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde" entstehen. Mit einer Machbarkeitsstudie will Via Carolina die Rahmenbedingungen hierfür schaffen. Das Projekt wird vom Heimatministerium mit 270.000 Euro unterstützt.

Grenzüberschreitendes Projekt

„Förderbescheidübergabe im Morgengrauen“, scherzt Wolf, als er die Gäste im Seminarraum des Archaeo-Centrums begrüßt. Neben Albert Füracker hat Landtagsabgeordneter Tobias Reiß Platz genommen. Dabei sind unter anderem auch Senator Miroslav Nenutil, der Mitglied des Parlaments der Tschechischen Republik ist, Sandra Brandt vom Staatsministerium der Finanzen und für Heimat und der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters.

„Ich möchte mich bedanken, dass Sie heute hier sind. Das ist ein Signal. Nicht nur für den Geschichtspark“, heißt Alfred Wolf den Heimatminister willkommen. Und weiter: „Wir sind ein Global Player in der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit. Bärnau ist mehr als nur Geschichtspark und Archaeo-Centrum. Bärnau ist ein Aktivposten des Zusammenwachsens von Bayern und Böhmen.“

Wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters, Bürgermeister Alfred Stier, Via-Carolina-Vorsitzender Alfred Wolf, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, MdL Tobias Reiß und Senator Miroslav Nenutil aus Tschechien (von links) nach der Übergabe des Förderbescheids durch den Minister.
Via-Carolina-Vorsitzender Alfred Wolf bei seiner Rede.

Carina Wagner sorgt für Struktur

Den Termin „zu Beginn des Jubiläumsjahrs“ nahm er zum Anlass, zurückzublicken. Vor zehn Jahren, so Wolf, begann die Geschichte des historischen Parks. „Ein grenzüberschreitendes Projekt, das Bayern und Böhmen zusammenwachsen lässt“, resümierte er. Und erläuterte den Gästen die fünf immateriellen Kulturerbe-Faktoren, die es in Bärnau gebe: "Herstellung und Verarbeitung von Kalk, Teerschwelen, Weiden flechten, das Bauhüttenwesen und das Zunftwesen mit den Wandergesellen."

„2019 war ein sehr intensives Jahr. Wir mussten in den Ministerien, bei den kommunalen Verbänden und auch in der Wirtschaft Überzeugungsarbeit leisten“, blickt der Vorsitzende zurück. Er dankt zudem Projektleiterin Carina Wagner: „Das war die Basis, die wir legen mussten, um dem Verein Struktur zu verleihen“, lobte er ihre Arbeit.

Füracker spricht davon, dass die Region den „Turnaround geschafft“ hat. Die Stimmung sei positiv gekippt. Hier werde nun nicht mehr gejammert, sondern es werden Ideen weiterentwickelt. Das geplante Projekt sei ein „besonderes“, gerade auch, weil es ein grenzüberschreitendes ist. „Den bringst du nicht los“, hebt er auch den Einsatz von Tobias Reiß für den Mittelalter-Park hervor. Das Projekt habe hohen Unterstützungswert. Und dafür brauche es "kreative Menschen“, so Füracker. Zu Sandra Brandt vom Heimatministerium, die er als „sehr kreative Beamtin“ bezeichnet, sagt er: „Toll, was die Frau Brandt alles fördert.“ Nun sei eine Etappe erreicht.

Heimat- und Finanzminister Albert Füracker war zu Besuch im Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen in Bärnau, um einen Förderbescheid zu übergeben.

90 Prozent der Gesamtkosten

„Die gemeinsame Geschichte verbindet uns. Und auch die Kultur“, so der Minister. Als Kind habe er nicht realisiert, dass eine gemeinsame Kultur vorhanden war. „Wenn wir grenzübergreifend denken und aus der Geschichte lernen, könne wir eine positive Geschichte in der Zukunft schreiben“, sagt Füracker. Er blickt zurück auf das Jahr 2016, als er den Förderbescheid für das Archaeo-Centrum übergab. „Und 2020 fördern wir die Machbarkeitsstudie für das Kompetenzzentrum. Es ist ein hochinteressantes Thema. Davon kann man als moderner Mensch lernen.“ Etwa, weil dadurch mittelalterliche Techniken erlebbar würden.

Anfang Januar startete das Projekt schon, im Dezember 2021 soll es abgeschlossen sein. „Wir übernehmen 90 Prozent der Gesamtkosten. 270.000 Euro ist der Bescheid wert“, erklärt Füracker.

Der Förderbescheid im Wert von 270.000 Euro, den Finanz- und Heimatminister Albert Füracker am Samstag in die Hände von Alfred Wolf übergab.
Bürgermeister Alfred Stier, Via-Carolina-Vorsitzender Alfred Wolf, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (von links) beim Plausch nach der Übergabe des Förderbescheids.
Via-Carolina-Vorsitzender Alfred Wolf (links) nahm den Förderbescheid von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (Mitte) entgegen. Landtagsabgeordneter Tobias Reiß war auch mit dabei.
Bürgermeister Alfred Stier, Via-Carolina-Vorsitzender Alfred Wolf, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (von links) nach der Übergabe des Förderbescheids.
Hintergrund:

Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde

Im Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen ist ein fünfköpfiges deutsch-tschechisches Handwerkerteam beschäftigt. Jeder der Handwerker besitzt langjährige Erfahrung im historischen Handwerk. Das Handwerker-Team hat sich während der vergangenen zweieinhalb Jahre intensiv mit mittelalterlichen Fertigungstechniken in den Bereichen Holz, Stein, Lehm und Metall auseinandergesetzt. Daher rührt das Wissen, das nun in das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde münden soll. Mit dem Begriff Kompetenzzentrum, so Alfred Wolf, sei kein Gebäude gemeint. Er bezeichnet es als „Zentrum des Wissens“. Die "experimentelle Basis" sei die Baustelle der Reisestation Kaiser Karl IV. im Geschichtspark. Dort könne etwa das Kalk brennen praktiziert werden.

Laut Stefan Wolters stehe das Erlernen eines Handwerks in zunehmender Konkurrenz zu einem akademischen Werdegang. Bereits das Schulwesen sei für einen akademischen Weg prägend, die eigene handwerkliche Betätigung im Alltag eher selten geworden. "Restaurierungsaufträge können oft nicht ausgeführt werden, da Fachkräfte mit Know-how fehlen", weiß Wolters. Um den gesellschaftlichen Trends Rechnung zu tragen, sei es der ideale Brückenschlag, die mittelalterlichen Techniken selbst zu erleben und sie in das eigene Handwerk einfließen zu lassen. „Ein Großteil des notwendigen Wissens, welches zur authentischen Rekonstruktion der Reisestation Kaiser Karl IV. aus dem 14 Jahrhundert benötigt wird, ist heute nur geringfügig verfügbar. Hier wurde althergebrachtes Wissen durch die Industrialisierung verdrängt und geriet zunehmend in Vergessenheit. Die Konzentration dieses Wissens in Verbindung mit praktischer Anwendung in einer Einrichtung ist bayernweit einmalig“, erläutert Wolters.

Die Machbarkeitsstudie prüft laut Wolf die Etablierung des Kompetenzzentrums. Das Wissen um mittelalterliches Handwerk solle auch an die Wirtschaft, wie etwa an Handwerksbetriebe, weitergegeben werden. Wie dieses Zusammenwirken ablaufen kann, werde ebenfalls in der Machbarkeitsstudie geprüft. Das Wissen solle auch in der Altbausanierung und in der Denkmalpflege seinen Einsatz finden. Die Handwerkskammer Oberpfalz sei „maßgeblich mit in das Projekt eingebunden“.

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