07.06.2021 - 13:51 Uhr
BärnauOberpfalz

Als die Ritter schon Boxershorts und String-Tangas trugen

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Mode im Mittelalter war ebenso dem Zeitgeist unterworfen wie heutzutage. Was Frau und Mann oben und unten trugen erfuhren die Gäste im Geschichtspark Bärnau-Tachov bei einer Modenschau im Freien.

"Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider": Bei der mittelalterlichen Modenschau erfuhren die Zuschauer unter anderem auch, wie die Kleider früher gefärbt wurden, und warum die reichen Leute bunter dahergekommen sind als die armen Schlucker.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wie lange trugen die Vorfahren im Mittelalter die sogenannten "Bruoch" als Unterhosen und gab es bereits Badekleidung? Solche und andere Fragen beantwortete am Sonntag Dario Miericke. Der Mittelalterdarsteller gab sein umfangreiches Wissen über das Leben der Vorfahren einer kleinen Gruppe von Besuchern im Geschichtspark Bärnau-Tachov preis.

Zwar schreckte wohl das schlechte Wetter einen Ansturm auf den Park eher ab. Dennoch fanden viele Gäste am Sonntag in das Freilandmuseum, wo es neben einem gemütlichen Tag im Mittelalter zusätzlich viele Aktionen zu erleben gab. Schon zwei Tage zuvor hatten die Handwerker der mittelalterlichen Kaiserburg-Baustelle den Kalkbrennofen befeuert. Wer wollte, konnte den Brennvorgang von Beginn bis Ende mitverfolgen.

Kleidung armer Leute

Am Sonntag wurde den Gästen das Ergebnis aus dem heißen Feuer präsentiert. Die Ziegel waren fertig. Ebenso spannend gestaltete sich zur sonntäglichen Mittagsstunde die etwas andere Modenschau, bei der mittelalterliche Kleidung von der Tunika bis zur Unterhose live gezeigt wurde. Dario Miericke moderierte ausgesprochen unterhaltsam. Gemeinsam mit seinen Models präsentierte er den Besuchern, was im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter für arme Leute oder für reiche Ritter modisch angesagt war.

Wie karg der Mensch leben kann, zeigte sich am Beispiel eines Handwerkerburschen, der seinen ganzen Besitz – ein abgetragenes Hemd seines Lehrherrn – am Leib trug. Auch die Magd an seiner Seite konnte nicht eben von einem vollen Kleiderschrank berichten. Ihr einziges Kleid sowie höchstens zwei Unterkleider seien wie beim Knecht ein Geschenk ihrer Herrin, erzählte die Magd.

Amüsante Diskussionen

Je nach Standesdünkel konnten die Besucher gut erkennen, wie Reichtum bereits auch im Mittelalter nach außen demonstriert wurde. Die Bäuerin trug feines Tuch, meist aus Leinen, als Kopfbedeckung, während die Edelfrau mit allerlei Schmuck und einem Almosenbeutel als solche deutlich erkennbar war. Prunk und Protz zeigten dann auch der Ritter und der edle Mann, die fein und bunt gekleidet deutlich aus den vorherigen Beispielen der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten des Mittelalters herausragten.

Eindrucksvoll zog der Ritter sein Schwert, das auch dazu diente, den gesellschaftlichen Status zu untermauern. Der verbrauchte Stoff für den Umhang des Edelmanns hätte locker für vier Kleider gleichzeitig ausgereicht. Quer durch die Modewelt ging's in den verschiedenen Zeitepochen und die Modeschau wurde eine unterhaltsame Darbietung für die interessierten Gäste. Natürlich wollten diese danach mehr wissen über die Mode von einst, was zu teils amüsanten Diskussionen führte.

Eine Frau fragte, in welchem mittelalterlichen Zeitrahmen die sogenannte "Bruoch" getragen wurde. Was Moderator Dario Miericke zu Überlegungen brachte, wie das mit der Unterhose überhaupt damals begonnen habe. Vorher, meinte er, sei ein Dreieck ähnlich einer Windel benutzt worden. "Und später, als die engen Hosen modern wurden, gab es bereits ähnliches wie Boxershorts oder String-Tanga", meinte er und fügte schmunzelnd an, "oder gar nichts sonst darunter."

Baden mit Unterkleid

Nicht klären konnte Miericke allerdings die Frage, was Frauen untenherum getragen haben. Das, meinte der Moderator, sei bis heute nicht eindeutig geklärt. Zur Frage der Badekleidung wusste "die Magd" unter den Models eine Antwort. Gebadet habe man im Unterkleid, lautete ihre Antwort. "Davon hatten wir immerhin wenigstens zwei. Weil es musste auch mal was gewaschen werden." Nach der Modenschau wussten die Zuschauer viel Neues über die verschiedenen Moden im Frühmittelalter mit Tunika, Wadenwickeln und Schläfenringen, im Hochmittelalter mit Gebende, Beinlingen und Surcot oder im Spätmittelalter mit Pourpoint und Nestelriemen.

Kaum war der informative Mittelalter-Laufsteg vorüber, ging es weiter zur Kaiserburg, wo Archäologe Stefan Wolters den Besuchern das mittelalterliche Bauen erklärte. Wer wollte, konnte an einer Kräuterführung teilnehmen oder nach den Darbietungen rund ums Mittelalter in den verschiedenen Hütten dem mittelalterlichen Schuhmacher oder der Färberin von Stoffen und anderen bei der Arbeit über die Schultern schauen. Zur Erinnerung an den schönen Tag im Mittelalter konnte zudem das eine oder andere Werkstück auch als Souvenir gekauft werden.

Im Geschichtspark Bärnau-Tachov im Mittelalter arbeiten

Bärnau

"Später, als die engen Hosen modern wurden, gab es bereits ähnliches wie Boxershorts oder String-Tanga."

Moderator Dario Miericke

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