Acht Minuten fliegt das silberne Spaceshuttle nach einem spektakulären Start in Bärnau durch den Sternenhimmel, durchpflügt den Weltraum und umkreist den Mond. Zwischen den Videoszenen gibt "Peter Lustig 2" von der Basis aus Infos über die "Bäsa", das Weltall und das Leben auf dem Planeten Bärnau. Die "Bäsa" leitet sich übrigens von der NASA ab.
"Peter Lustig 2" ist aber nicht der Nachfolger des bekannten Kinderfernsehmoderators. Wenn er auch herrlich dafür passen würde, auch rein optisch. Vielmehr handelt es sich beim Erfinder der "Bäsa" um Pastor Siegfried Rahner. Der Geistliche aus der ehemaligen DDR hat viel mit Kindern gearbeitet. In der Knopfstadt übernahm er beim Museumsadvent die Kinderbetreuung und führte seinen kleinen Film am Laptop vor. Im Comic mit Titel "NASA, wir haben ein Problem!" spielen Rahners Enkel mit.
Raumschiffstart im Garten
Lucas und Franziska Keller haben die "Bäsa" gemeinsam mit dem Opa gegründet. Zwar nicht direkt auf dem Mond, sondern ganz normal im Garten der Kellers in Hohenthan wurde die kleine Episode geboren. Aber wenn sich Kinder in ein Spiel vertiefen, wird auch ein Garten schnell zum Schauplatz eines Science Fiction. Lucas und Franziska sind die Shuttle-Piloten. Ihr Raumschiff ist höher als das Wohnhaus. Hier beginnt die Trickkiste, denn der Schein trügt gewaltig. Der 77-jährige Pastor hat sich für seine Enkel intensiv mit dem Computerprogramm "Corel Video Studio Pro X7" beschäftigt, um ihnen mit einem Livedreh eines Comics die Tricks der Filmindustrie zu zeigen.
Shuttle aus Silberpapier
Rahner nutzt dabei aus seinen Erfahrungen in der ehemaligen DDR, wo er sich ebenfalls mit Comic-Filmerei beschäftigt habe. "Oben habe ich einen Green Screen aufgebaut. Wir haben da die Personenszenen aufgenommen und die Details reininstalliert", erzählt er. Rahner hatte im Museum das Raumschiff dabei. Es lasse sich ziemlich leicht transportieren, lacht er und holt es. Von wegen haushoch: Ins Mini-Spaceshuttle aus Silberpapier passt nicht einmal eine Maus, was die Kinder ziemlich fasziniert hat beim Vergleich mit dem mächtigen Raumschiff im Comic.
Der Wahl-Bärnauer mit Wurzeln aus dem ehemaligen Breslau zeigt auf eine weitere Sequenz im Video. "Das ist ein Strandfoto vom Urlaub." Der Sandstrand dient als futuristischer Mond. Lucas schaut mit dem Sauerstoffhelm auf den Kopf und im Raumanzug aus dem Bildschirm. Der Helm ist auch wirklich sehr groß, aber ganz leicht an Gewicht aus Pappmaché gefertigt.
An Grenzen gestoßen
Der Erfinder der "Bäsa" hat für den achtminütigen Comic viel gebastelt, auch am PC. Sehr zur Freude der Kinder. Seine erste Raumschiff-Episode endet nicht zufällig mit "Fortsetzung folgt". Er wolle gern weitermachen, sagt Rahner, mit anderen Kindern außer seinen Enkeln aus einer Jugendgruppe oder Schule. "Aber es muss ein Profi in Videotechnik dabei sein", fügt der 77-jährige Opa an. Denn er sei an den Grenzen seiner technischen Begabung angekommen.
Rahner würde die Oberleitung eines Folge-Comics mit einer Kindergruppe gern in technisch versierte Hände legen und für sich den Part des Kreativleiters übernehmen. Denn mit Kindern arbeiten ist nach wie vor eine Passion. Seine Jugendprojekte als evangelischer Pastor füllen einen ganzen Aktenordner. Im Museum schnitzte er auch mit den Kindern und ist dabei immer sehr erfinderisch. Die kleinen Bewohner fürs Puppenhaus der Enkel sind aus Einzelteilen geschnitzt und mit der Klebepistole zusammengesetzt. "Das geht für Kinder leichter als aus einem einzigen Stück Holz schnitzen", sagt er. In Rahners Aktenordner sind auch Presseberichte über die nicht zu bändigende Kreativität dieses Mannes nachzulesen. Der Pastor hat für zahlreiche christliche DDR-Zeitschriften Comics, Grafiken und Schriften geliefert. Im Sozialismus habe man als Christ immer in allem besser sein müssen als die anderen, sagt er. "Sonst wäre man nie weitergekommen." Als Beispiel erzählt Rahner, er habe Kunst studieren wollen, was ihm aber verwehrt worden sei.
Schriftsetzer und Lektor
In die Oberpfalz zog der Pastor mit den vielen Talenten gleich nach der Wende, weil ihm das Verlagshaus Oberpfalz-Medien einen Job als Schriftsetzer und später als Lektor im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz gegeben hat. Dort blieb er bis 2002.



























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