09.11.2018 - 12:15 Uhr
BärnauOberpfalz

Zu verschwundenen Orten

Paulusbrunn ist Vergangenheit. Nichts mehr findet sich von dem Ort jenseits der Grenze. Mit einem „Historischen Pfad“ soll dieser wichtige Tel der Geschichte bewahrt werden. Dazu will auch die Stadt einen finanziellen Beitrag leisten.

Das Schulhaus in Paulusbrunn ist ebenfalls Geschichte. Von den Gebäuden des Ortes existieren nur mehr Bilder. Ein "Historischer Pfad" soll diesen wichtigen Teil der Geschichte lebendig erhalten.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Starke Bande bestehen zwischen der Grenzstadt und der ehemaligen Gemeinde Paulusbrunn. Gut zwei Drittel der Bärnauer haben ihre Wurzeln in Paulusbrunn und den umgebenden Orten. Nach dem Kriegsende, der Vertreibung und dem Abriss der Gebäude ist die Verbindung jäh getrennt worden. Einer, der diesen Teil der Geschichte, wieder in Erinnerung bringen will, ist Rainer Christoph. Bei der Sitzung des Stadtrats stellte er die Ideen des Vereins "Via Carolina - Goldene Straße e.V." für einen "Historischen Pfad durch die deutsch-tschechische Geschichte am Beispiel des verschwundenen Ortes Paulusbrunn" vor.

Christoph hat Jahre seiner Kindheit in Bärnau verbracht, war später als Lehrer und Schulleiter im Ort tätig, und hat deshalb selbst viele Bezugspunkte zur Region. Mit der Sanierung der Böttgersäule sei die Basis für besondere Projekte gelegt worden, informierte Christoph. Entstehen soll ein Weg zu den früheren Orten, der mit zehn Informationstafeln auch über die früheren Bewohner berichten soll. So sei etwa der Schriftsteller Max von der Grün in Paulusbrunn zur Schule gegangen, wusste Christoph. Und eben viele dieser interessanten Daten sollten eben nicht in Vergessenheit geraten. Gerade den jungen Leuten sollte das Projekt die verschwundenen Orte "visualisieren". Als Beispiel nannte Christoph etwa eine Glastafel am OWV-Unterstand am Steinberg, durch die man sich ein Bild von Paulusbrunn machen könnte. "Wir wollen die Hardware schaffen", beschrieb Christoph die Absicht des Weges.

Auf Spurensuche

Um das Vorhaben zu realisieren, rechnet der Verein mit Kosten von rund 15 000 Euro. Seitens der Stadt hoffte Christoph auf eine Förderung von 2500 Euro sowie die Vorfinanzierung. Beides fand am Donnerstag den Zuspruch des Gremiums. Ebenso unterstützt die Stadt das Projekt "Grenz- und Begegnungsraum Goldene Straße", das Magdalena Becher vom Verein "Via Carolina" vorstellte. Dieses Vorhaben der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien soll im nächsten Jahr junge Leute zu einer "Spurensuche" in den Grenzraum bringen. Neben Landkreis und Bezirk hat der Verein auch die Stadt um eine Unterstützung gebeten. Das Gremium will für die Kofinanzierung 7500 Euro bereitstellen. "Es ist ein Stück der Bärnauer Geschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf", begründete 2. Bürgermeister Michael Schedl das Engagement. Hubert Häring (Christlich Freie Wählergemeinschaft) erstaunte der Ansatz, junge Menschen "aus Europa und der ganzen Welt" an den Grenzkamm zu bringen. "Das wäre schön", war Häring etwas skeptisch. Magdalena Becher konnte dabei auf zurückliegende Maßnahmen verweisen, bei denen junge Leute aus Mexiko und China schon in Bärnau waren.

Wir wollen die Hardware schaffen.

Rainer Christoph über den Historischen Pfad zu den verschwundenen Orten

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