16.10.2020 - 14:59 Uhr
BärnauOberpfalz

Vulkan bei Bärnau ein "Schatzkästchen"

Das Landesamt für Umwelt erforscht einen neu entdeckten Vulkan bei Bärnau. Seit einigen Tagen finden am Moorweiher Probebohrungen statt.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Seit mehreren Jahren forscht das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) nach vulkanischen Spuren im Grenzgebiet des Landkreises Tirschenreuth zu Tschechien und machte eine sensationelle Entdeckung. Die Wissenschaftler vermuten einen Vulkan südlich des Geschichtsparks Bärnau. Seit einigen Tagen wird nun nahe des Moorweihers gebohrt.

Anhand einer geologischen Karte erklärt Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU, warum genau an dieser Stelle gebohrt wird. In Mitten von uraltem harten Granitstein machten die Wissenschaftler einen Krater mit 1000 Meter Durchmesser und ursprünglich bis zu 200 Meter Tiefe aus, der weichere Gesteinsschichten als das Umfeld aufweist. Dieser wurde durch Messungen magnetischer, seismischer oder Schallwellen sichtbar. "Wir sind der Meinung, dass ein Vulkan das Loch produziert hat", sagte Eichhorn bei einem Ortstermin am Freitagvormittag. Dieser "Maarsee" wurde im Laufe der Jahrtausende angeschüttet, so dass er heute mit bloßem Auge nicht mehr auszumachen ist.

Die Geologen entnehmen einen Bohrkern

Vor wenigen Jahren stießen die Geologen auf ein Maar bei Bad Neualbenreuth. "Ein sehr junger Vulkan, der vor 300 000 Jahren entstand", sagen die Experten. Durch die Bohrungen wollen die Geologen herausfinden, wie alt der Bärnauer Vulkan ist. "Dieser Vulkan hier ist für uns ein Schatzkästchen", betont Eichhorn. Durch die Untersuchungen der Erdschichten erhoffen sich die Geologen, Aussagen über die Klimaentwicklung in der Region zu machen. Dazu arbeitet das Bärnauer Team auch mit verschiedenen Forschergruppen zusammen, etwa mit der TU Berlin, dem Forschungszentrum Potsdam oder tschechischen Geophysikern.

"Eine solche Möglichkeit ist in dieser Region super selten", betonte Eichhorn. Weil die nördliche Oberpfalz weitgehend von sehr hartem Gestein im Boden geprägt ist, könne man hier schwer Bohrungen durchführen. Der Vulkankrater bei Bärnau erlaubt so ganz besondere Einblicke in die erdzeitgeschichtliche Vergangenheit. Seit einer Woche bohren drei Mitarbeiter der Bohrbaugesellschaft Anger unter Aufsicht des technischen Leiters Holger Wilke und Geologe Johann Rohrmüller in das Zentrum des Vulkans. Aktuell sind sie bei 37 Metern Tiefe angelangt. Wie weit hinunter die Bohrungen gehen und wie lange diese andauern, ist noch unklar. "Wir bohren so lange, bis wir auf Basaltgestein treffen. Das kann in 60 Metern Tiefe sein, oder erst bei 150 Metern."

Vulkan bei Bärnau – Die Vorgeschichte

Bärnau
Hintergrund:

"Zeitreise in die Vergangenheit"

Mit einer Bohrung will das Landesamt für Umwelt (LfU) einem bisher unbekannten Vulkanausbruch bei Bärnau auf die Spur kommen. Zwar denkt man bei einem Vulkan eher an einen Berg, jedoch handelt es sich in Bärnau um einen Krater mit 1000 Meter Durchmesser und ursprünglich 200 Meter Tiefe. Entstanden ist dieser bei einer gewaltigen Eruption: 1000 Grad heiße Lava traf auf eiskaltes Grundwasser, das explosionsartig verdampfte. Zurück geblieben sei ein „Maarsee“, der mit der Zeit ausgetrocknet und verschüttet worden sei. Durch die Untersuchungen der Erdschichten erhoffen sich die Geologen Aussagen über das Alter des Vulkans und die Klimaentwicklung machen zu können. „Mit jedem Bohrmeter machen wir eine Zeitreise in die Vergangenheit“, sagte Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU. Aus den in den Erdschichten eingeschlossenen Pollen und Samen können die Fachleute Rückschlüsse auf damalige Bäume und Pflanzen ziehen. Hinweise auf eine Kaltzeit geben etwa Pollen von Buchen und Kiefern, Pollen von Birken lassen eine Warmzeit vermuten.

Seit einer Woche bohrt ein dreiköpfiges Team der Firma Anger direkt in der Mitte (Achse) des Vulkans nach unten. Aktuell sind die Arbeiter bei 37 Metern Tiefe. Bis ein meterlanger Bohrkern zutage gefördert ist, dauert es rund eine halbe Stunde. Das Material wird in Kunststoffrohren gelagert und regelmäßig befeuchtet, damit es nicht austrocknet. Für aussagekräftige Untersuchungen müsse es so ursprünglich und frisch wie möglich bleiben, so Geologe Johann Rohrmüller.

In den obersten zehn Metern kamen hauptsächlich Flusssedimente zum Vorschein, bilanziert er. Unterhalb davon trafen die Forscher auf Seesedimente – sehr feinkörnige dunkelgraue Ablagerungen. Dies bestätige die Vermutung, dass es hier einmal einen Kratersee gab. Die Analyse des gewonnenen Materials dürfte mehrere Jahre dauern. Erste Ergebnisse könnten in sechs Monaten vorliegen.

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